Aschau – „Der Krieg in der Ukraine wirft seine Schatten auch zu uns in den Landkreis Rosenheim, gerade im Bereich der Energiegewinnung müssen wir all unsere Möglichkeiten ausschöpfen, um von den jetzt genutzten Energiequellen unabhängig zu werden. Wir müssen auch das Holz aus unseren heimischen Wäldern in den Energiemix mit einbeziehen“, erklärte Landrat Otto Lederer bei der 19. Hegeschau der Hegeringe III bis VI aus dem Landkreis in der Aschauer Festhalle.
Ein Umbau
ist notwendig
„Wir müssen die Waldnutzung fördern und damit den notwendigen Waldumbau. Dazu müssen die Waldbesitzer und die Jägerschaft noch weiter zueinanderfinden“. Lederer bedankte sich für das unkomplizierte Miteinander, das im Landkreis zwischen den Waldbauern, den Jägern und den Behörden herrsche. Allerdings sei das Verhältnis der Jägerei zur allgemeinen Gesellschaft sehr oft getrübt.
Die Gesellschaft habe sich in den vergangenen Jahren immer weiter von der Natur entfernt und sehe den Jäger oft nur noch als „Bambi-Mörder“ an. Wissen über die Aufgaben der Jäger gegenüber der Natur, dem Wald und dem Wild dürfe heute nicht mehr vorausgesetzt werden.
Der Vorsitzende der Jägervereinigung Rosenheim, Franz Sommer, rief die Jägerschaft in der gut besuchten Aschauer Festhalle zu einer guten Kommunikation zwischen Jägerschaft und Grundbesitzern auf. „Erst miteinander reden, dann klagen“.
Bürgermeister Simon Frank bedauerte, dass es in den vergangenen Wochen und Monaten zu mehreren Unfällen mit Rotwild gekommen sei. Hirsch, Gams, und Reh hätten in ihren angestammten Revieren keine Ruhe mehr, seien dem ständigen Freizeitdruck ausgesetzt und wechselten vermehrt über die Straßen in scheinbar ruhiges Gebiet. Er kündigte an, dass sich die Gemeinde Aschau in den kommenden Jahren etwas einfallen lassen wird, um die Ruhe in den Bergen wieder herzustellen, den Freizeitdruck zu reduzieren und auf ausgesuchte Bereiche zu kanalisieren. Nur damit könne sichergestellt werden, dass auch die folgenden Generationen noch Rotwild in freier Wildbahn zu sehen bekommen.
BBV-Kreisobmann Josef Bodmaier forderte die versammelten Jäger auf, mit den Waldbauern zu reden. „Nur miteinander geht es, denn wenn etwas passiert mit wilden Tieren in unserer heimischen Landschaft seien es Wolf, Biber, Wildschwein, Kormoran oder Fischotter, haben wir sofort 80 Millionen Sachverständige in Deutschland, die glauben über das Thema mitreden zu können. Sowohl Bauern, wie auch Jäger stellten mittlerweile in der Gesellschaft eine Minderheit dar. Es gelte für beide Gruppen ihren Platz zu behaupten und auszubauen“.
Forstdirektor Georg Kasberger stellte erste Ergebnisse der forstlichen Gutachten zum Wildverbiss vor; die Bereiche im Flachland seien mittlerweile alle im „grünen Bereich“ , lediglich die Bergregionen weisen noch hohe Verbissdichte auf.
Angelika Müller von der unteren Jagdbehörde am LRA Rosenheim stellte die Neuerungen im Jagdrecht und im Waffenrecht vor.
Dr. Gudrun Wieland vom Veterinäramt im Landratsamt Rosenheim betonte die Wichtigkeit der Arbeit der Jägerschaft. Gerade bei der Vorbeugung der Afrikanischen Schweinepest und im Notfall werde es ohne sie nicht gehen, sagte Dr. Gudrun Wieland. Die Jäger der Hegeringe III bis VI aus dem Landkreis zeigten an den Stellwänden über 1200 Trophäen der Jahre 2020/2021.
Jagdberater Fritz Pichler verlas die Ergebnislisten der beiden Vorjahre; in allen Revieren der vier Hegeringe wurden 286 Stück Rotwild, 4373 Rehe und 116 Gämsen erlegt, dazu 1750 Füchse, 368 Dachse, 245 Marder und 256 Hasen. Die Abschusszahlen beim Federwild sind konstant: Stockente 1471, Graugans 332, Elster und Eichelhäher 346 und Rabenkrähe 2733.
Viele Wildschweine
sind unterwegs
Fritz Pichler führte aus, dass die Abschusspläne bei Rotwild und Rehwild weitestgehend erfüllt wurden. Bei den Gämsen erreichten die Jäger 80 Prozent des geforderten Solls. Das Schwarzwild stellt noch keine echte Größe in den vier Hegeringen dar, lediglich sechs Überläufer wurde gemeldet. Im Landkreis (Kreisgruppen Bad Aibling – Rosenheim – Wasserburg) waren es 150 Wildschweine, der Schwerpunkt der Verbreitung liegt im Raum der Moorwälder um Maxlrain.