Mehr Wohnungen für Jung und Alt

von Redaktion

Für Neubeuerns Bürgermeister ist das Projekt eine Chance – Anrainer sind skeptisch

Neubeuern – Wo in Neubeuern kann der junge Azubi oder die Oma, die nicht mehr ein ganzes Haus bewirtschaften kann, leben? Wie in vielen Kommunen sind kleine bis mittlere Wohnungen in Neubeuern eher Mangelware. Die Marktgemeinde plant deswegen gemeinsam mit der Gemeinnützigen Wohnungsbaugenossenschaft (GWG) ein genossenschaftliches Wohnbauprojekt. Denn die geplanten Wohnungen, so Bürgermeister Christoph Schneider (Parteifreie Neubeurer), decken ein Angebot ab, das die Gemeinde derzeit nicht bedienen könne. Richard Leitner und Jochen Faßhauer, beide Anwohner, treibt jedoch die Frage um, ob das Projekt die richtige strukturelle Entwicklung für den Ort ist.

Geplant sind
drei Gebäude

Das Wohnbauprojekt soll an der Rosenheimer Straße umgesetzt werden. Hier gibt es ein rund 3986 Quadratmeter großes Grundstück, auf dem etwa 27 barrierefreie Wohnungen in drei Gebäuden entstehen könnten. Die Größe der Wohnungen würde zwischen 40 und 95 Quadratmeter variieren. Durch eine Tiefgarage sollen nach aktuellem Planungsstand 34 Stellplätze entstehen, wobei bereits in einer ersten Anliegerversammlung angeregt wurde, weitere Tiefgaragenstellplätze zu schaffen.

„Wir wollen ein sozialorientiertes Angebot schaffen“, sagt Martin Hintermayr, Geschäftsführer der GWG. In den Planungen sei die GWG erst am Anfang. Es sei ein Prozess, und die GWG nehme die Anregungen vonseiten der Bevölkerung wahr und versuche, sie mit einzubeziehen.

Die beiden Anwohner, Leitner und Faßhauer, haben Bedenken. „Wir sehen, dass der Bedarf da ist“, betont Leitner. Doch mit dem Neubauvorhaben werde „nachhaltig das Ortsbild verändert. So ein Projekt hat Pilotcharakter.“

Leitner und Faßhauer ist es deswegen wichtig, dass im gesamten Ort eine Diskussion über das genossenschaftliche Bauprojekt geführt wird. Bis Februar hat der Gemeinderat das Projekt in den nichtöffentlichen Sitzungen besprochen. Der Grund hierfür seien Grundstücksverhandlungen, so Bürgermeister Schneider, die generell nicht öffentlich verhandelt werden.

Der Gemeinderat hat in seiner Februar-Sitzung eine Grundkonzeption für das Flurstück beschlossen. „Die Entscheidung für das Projekt ist vonseiten der Verwaltung vorausgenommen“, kritisiert Leitner.

Schneider stellte das Projekt in einer Anliegerversammlung und der gesamten Neubeurer Bevölkerung in einer Bürgerversammlung im März vor.

Am Freitag ist die nächste Anliegersitzung geplant. „Das sind keine Alibiveranstaltungen“, sagt Hintermayr. „Wir nehmen Ängste wahr“, fährt Schneider fort und verweist darauf, dass die Verwaltung erst am Anfang der Planungen stehe. Zunächst müsse ein Bebauungsplan aufgestellt werden, und durch das Landratsamt und den Kreisbaumeister gebe es Kontrollorgane, die sich mit der Verträglichkeit des Baus auseinandersetzen.

Neben den eigentlichen Dimensionen des Baus – die drei Häuser sind derzeit höher geplant als die umliegenden Gebäude – kritisiert Faßhauer die Lage des Projekts. „Die Wohnungen sollen unter anderem für Senioren sein. Sollen die mit ihrem Rollator rund 800 Meter bis zum nächsten Lebensmittelladen gehen?“, fragt Faßhauer und verweist auf Flächen, die näher an der Ortsmitte liegen und nachverdichtet werden könnten.

Das Gleiche gelte für junge Paare mit Kindern. Sie werden vermutlich ihre Kinder zum Kindergarten oder zur Schule fahren müssen. Laut Leitner nehme durch das Wohnbauprojekt das innerörtliche Verkehrsaufkommen zu.

Aufgrund der Bedenken habe die Verwaltung ein Verkehrsgutachten für die Rosenheimer Straße beauftragt, erklärt Schneider. Der Bürgermeister wirbt, dass durch das Wohnungsbauprojekt bezahlbarer Wohnraum geschaffen wird. „Unsere Zielgruppe sind alle Einkommensgruppen und Generationen“, sagt Hintermayr. Um eine Wohnung anzumieten, müsse man Mitglied in der GWG werden.

Außerdem gebe es weitere Vergabekriterien wie: Wie lange lebt die Person im Ort? Arbeitet sie in Neubeuern? Gibt es soziale Kriterien. Es handle sich aber nicht um Sozialwohnungen oder geförderte Wohnungen, erklärt Bürgermeister Schneider.

Werben für eine
offene Diskussion

„Das ist nicht soziales Wohnen“, sagt Leitner und zweifelt an, dass die Wohnungen unter dem durchschnittlichen Mietspiegel liegen werden. „Ich halte es für abwegig, dass die GWG Wohnungen für sieben Euro den Quadratmeter vermieten“, fügt Faßhauer hinzu. Laut beiden Anwohnern konnte Hintermayr noch keinen konkreten Mietpreis nennen.

„Natürlich haben wir, unabhängig von den strukturellen Fragen, auch als Anwohner bedenken: Könnten mit dem Bau Schäden am eigenen Haus entstehen? Wie sieht es mit dem Grundwasser aus?“, so Leitner. Darauf werden beide bei den Anliegertreffen eingehen.

Generell fordern Leitner und Faßhauer eine offene Diskussion – mit allen Bürgern Neubeuerns. Es sei wichtig, zu klären, welche Bedeutung das Projekt für die Gemeinde hat und ob dieser Weg wirklich eingeschlagen werden soll.

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