Prutting – Auf den ersten Blick steht Pruttings Haushalt nicht schlecht da. Sein Gesamtvolumen beträgt 12,2 Millionen Euro, der Vermögenshaushalt beläuft sich auf stattliche 5,48 Millionen Euro und auch die damit verbundene Vorhabensliste ist ambitioniert: An der Forsterstraße soll ein Mehrfamilienhauskomplex entstehen, ein für Prutting so noch nicht da gewesenes Projekt. Im Seniorenheim, das sich gerade im Bau befindet, will sich die Gemeinde Räume sichern. Flächen für Gewerbe sollen erworben werden und der Hochwasserschutz wird mit Nachdruck vorangetrieben.
Pandemie zeigt
Auswirkungen
Dennoch sah es Kämmerer Slaven Jokic als geboten an, bei der Vorstellung des Haushaltes im Gemeinderat auch deutlich mahnende Worte anzubringen. Die jetzige vergleichsweise positive Situation, so erläuterte er, sei eine Momentaufnahme, hervorgerufen durch positive Entwicklungen in den vergangenen beiden Jahren. Die Corona-Pandemie habe sich nicht sofort so negativ ausgewirkt, wie man anfangs befürchtet hatte, was den Haushalt entlastet habe. Positiv auch die Tatsache, dass man es in den vergangenen beiden Jahren geschafft habe, einen großen Teil der gemeindlichen Außenstände aufzuarbeiten. Wie zum Beispiel Gelder, die der Gemeinde aus Gebühren und Veranlagungen zustanden, die die Verwaltung aber bislang noch nicht abgerechnet hatte: Eine „Finanzspritze“, die sich für 2021 immerhin auf 712000 Euro belief.
In Zukunft stünden, so der Kämmerer, aber sehr wohl harte Jahre an. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie würden wohl erst in diesem und im nächsten Jahr in den gemeindlichen Haushalten wirklich zu spüren sein. Auf der anderen Seite aber sei genau in diesen beiden Jahren eine deutlich höhere Kreisumlage abzuführen: Die Kreisumlage wird schließlich mit zwei Jahren Zeitverzug berechnet, ihre Höhe orientiere sich deshalb an den „fetten“ letzten Jahren.
Dazu komme der Ukraine-Krieg, dessen tatsächlich Auswirkungen jetzt noch keiner abschätzen könne. Es sei aber davon auszugehen, dass die Gesamtwirtschaftslage auf jeden Fall eingetrübt werde, was Auswirkungen auf den Einkommenssteueranteil habe, der in Prutting noch vor der Gewerbesteuer die wichtigste Einnahmequelle ist. Auch mit Preiserhöhungen sei zu rechnen, wobei die Gemeinde hier vor allem vom Anstieg der Energiekosten betroffen sei.
Genau mit dem allgemeinen Preisanstieg aber sei ein ganz grundsätzliches Problem berührt: Die Ausgabenseite der Gemeinde steige ständig, die Einnahmenseite aber bleibe gleich. Man werde, so der Kämmerer, hier um eine Neujustierung nicht herumkommen. Alles andere sei fahrlässig, man lebe dann von der Hand in den Mund, was im Moment dank der besonderen Bedingungen in den vergangenen zwei Jahren noch möglich sei, mittelfristig aber zu ernsten Problemen führe. Und er betonte auch, dass der Gemeinde ein Nachdenken etwa auch über Abgabenanpassungen sozusagen vorgeschrieben sei: sie sei vom Gesetzgeber her verpflichtet, hier kostendeckend zu arbeiten.
Sparmöglichkeiten gebe es dagegen für die Gemeinde nicht mehr viele, die meisten habe man schon für den jetzigen Haushalt ergriffen, erläuterte Slaven Jokic und führte ein konkretes Beispiel an: Die Beschaffung von Büromaterial werde nunmehr nicht mehr von jeder Gemeindeabteilung selbst organisiert, sondern Material werde zentral beschafft, man erhoffe sich dadurch eine Einsparung von etwa 5000 Euro im Jahr. Kein großer Betrag, sicher, aber eine Ersparnis immerhin. Dem Kämmerer ging es mit diesem Beispiel nicht zuletzt auch darum, aufzuzeigen wie ernst man in der Verwaltung die Situation einschätze.
Haushaltsdisziplin
soll gewahrt bleiben
Seine Botschaft kam bei den Gemeinderäten auch an. Haushaltsdisziplin zu wahren gehörte schon in den vergangenen beiden Jahren zum Selbstverständnis des Gremiums, ist aber nunmehr noch einmal deutlich stärker in den Vordergrund gerückt. Wie viel deshalb von den geplanten Projekten tatsächlich verwirklicht werden könne, wird noch mehr als früher immer noch einmal auf den Prüfstand der aktuellen Finanzlage und der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung gelegt werden müssen Einige Investitionen stehen trotz der mahnenden Worte des Kämmerers in der Gemeinde Prutting an. Eingeplant sind 900000 Euro für eventuelle Baulandbeschaffung. Hier sollen dann Einnahmen aus dem Grundstückgeschäft zurückfließen. Ebenfalls plant die Verwaltung den Erwerb von einem Sozialbüro sowie einer Praxis oder eines weiteren Büros mit insgesamt zwei Räumen im Seniorenheim Prutting, das mit 610000 Euro zu Buche schlägt. Die Maßnahme ist auch gedacht, um einer eventuell eine Rathauserweiterung vermeiden zu können. Ein Projekt, dass sich bis 2025 zieht, ist der Bau von 14 Wohnungen an der Forststraße geplant. Hierfür werden in den kommenden Jahren Gesamtkosten von rund fünf Millionen Euro eingeplant.
Der Gemeinderat stimmte geschlossen für den Haushalt.