Leserforum

Keine „Verpflanzung“ für Demenzleidende

von Redaktion

Zu „Raubling plant ein Seniorenzentrum“ (Lokalteil):

In vieler Hinsicht wirkt das beschriebene Konzept für ein regionales Seniorenzentrum bestechend. Erträglich suboptimal ist die weite Entfernung zum nächsten Café oder der „geeignete Rundweg für gerontopsychiatrisch veränderte Menschen“ statt eines größeren Areals, in dem die Bewohner immer wieder Neues entdecken könnten. Gravierend aber ist das Fehlen eines „beschützenden Bereichs“ für die, die sich aufgrund ihrer Demenz selbst gefährden: durch Weglaufen, fehlende Gefahreneinschätzung, Verwirrtheit und so weiter. Ein richterlicher Unterbringungs-Beschluss muss ihre Bewegungsfreiheit einschränken – so bitter das ist. Keinesfalls darf es nötig werden, Heimbewohnern bei fortschreitender Demenz und kritischer Selbstgefährdung deshalb neben dieser Einschränkung auch noch eine „Verpflanzung“ in ein weit entferntes anderes Zentrum zuzumuten, welches die beschützenden Plätze vorhält: für die Demenzkranken eine völlige Entwurzelung und weitgehendes Abschneiden von Besuchen durch die Bezugspersonen! Solches kam in der Region Rosenheim durchaus vor. Derzeit ist über die Hälfte der Bewohner von Seniorenheimen dement. Ihr Anteil wird zunehmen, der Bedarf an beschützenden Plätzen ebenfalls. Wenn in Raubling ein Seniorenzentrum errichtet wird, wäre es absurd, wenn Demenzkranken noch die Bürde von Entwurzelung und erschwerten Kontakten zugemutet würde.

Dr. Eberhard Ruhenstroth

Raubling

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