Oberaudorf – Eine wilde Schießerei im Saloon, eine Schlägerei im Bergwerk und Banditen auf Verfolgungsjagd – Szenen, die man aus jedem Westernfilm kennt. Doch statt in der weiten amerikanischen Prärie, trifft der „Wilde Westen“ auf die bayerische Lebensart mit ihrer Kultur und ihrem Humor: Seinen neuen Film „Hopfen, Malz und Blei“ drehte Regisseur Mark Lohr im Südosten Bayerns, untere anderem in Oberaudorf.
Genauer gesagt am Tatzelwurm. Von der traumhaften Landschaft samt Auerbach und Tatzelwurm-Wasserfällen ist Produzentin Gabriele Lechner ganz begeistert. „Dort ist die spannende Schlussszene, auch mit Drohne, entstanden – und mehr verrate ich nicht.“
Tourismus-Experten
merken Ausstrahlung
Was die dortigen Tourismus-Experten durchaus freut. Pia Neumüller, die stellvertretende Leiterin der Tourist-Info Oberaudorf, sagt, dass bei Filmen oder Fernsehstücken, in denen Oberaudorf zu sehen ist, der Name aber nicht fällt – wie im Münchner „Tatort“ im Winter – die Frequenz auf der Homepage der Oberaudorfer Touristik merklich ansteigt. Weil sich Zuschauer auf die Suche nach den Motiven machen. Wird Oberaudorf gar genannt, „dann ist deutlich mehr los, dann bekommen wir sehr viele Anfragen“, so Pia Neumüller.
Alpen-Panorama statt Canyons, die Cowboys in Trachten und statt Whiskey gibt es Bier im Saloon – der Western ist durch und durch bayerisch, lässt aber den amerikanischen Western nicht außen vor. Kurz zum Inhalt: Ein erfolgloses bayerisches Musikerpaar, zwei Indianer auf Spurensuche, eine Handvoll Brauer, die sich als Banditen ausgeben und ein eiskalter Revolverheld treffen zur falschen Zeit im falschen Saloon aufeinander und plötzlich befinden sich alle auf einer abenteuerlichen Hetzjagd durchs wilde Bayern. All das gewürzt mit einer Prise Anarchie, wie ein Münchner Filmkritiker bei der Premiere notierte.
Der Filmstart von „Hopfen, Malz und Blei“ fiel direkt in die Zeit, als im vergangenen Herbst die Zahl der Kinobesucher drastisch eingebrochen ist. „Die Premiere lief noch super, aber dann gingen durch die 2G-Regel die Besucherzahlen bayernweit um etwa 90 Prozent zurück“, sagt Lohr. Deshalb hat der Verleih den Film nach kurzer Zeit wieder zurückgezogen. Und startet ihn jetzt neu.
Bis zum Neustart diese Woche hatte Mark Lohr, der aus Kraiburg stammt, noch einiges zu tun, auch ein „Making of“ ist geplant. „Jetzt wollten wir auch das Außenrum noch weiter ausbauen, um den Film besser an die Leute zu bringen.“ Dabei kämen ihm immer wieder neue Ideen.
Mit „Hopfen, Malz und Blei“ konnte sich Mark Lohr zum ersten Mal kreativ richtig ausleben – mit Unterstützung der Münchner Produktionsfirma Camgaroo Productions. Produzentin Gabriele Lechner war von seiner Filmidee überzeugt und bot ihm diese Chance. Mark Lohr und Gabriele Lechner bedauern beide, dass der Film so von den externen Faktoren ausgebremst worden ist. Jetzt hofft der Filmemacher auf mehr Lockerheit in den Kinos, damit „Hopfen, Malz und Blei“ beim Neustart richtig durchstarten kann.
Western-Fortsetzung
soll folgen
Ideen, was er als Nächstes für die Leinwand umsetzen will, hat Lohr auch schon. Im Idealfall: eine Fortsetzung von „Hopfen, Malz und Blei“. „Die Charaktere sind da. Die Ideen sprießen nur so. Die Reise hat begonnen, noch mehr aus der Geschichte rauszuholen.“ Dafür sammelt er fleißig Ideen, bleibt aber zweigleisig. Denn eine Fortsetzung ist abhängig vom Erfolg des ersten Teils. „Ich lege da nicht das komplette Gewicht darauf. Auch wenn ich darauf hoffe.“ Parallel dazu entwickelt er die Idee für einen weiteren Film, über den er jetzt aber noch nichts sagen will.
Sein Traum sei es, durch den Film mehr Unterstützer zu finden, ein breiteres Netzwerk aufzubauen. „In die Filmförderung reinzukommen, das wäre was. Ich bin gespannt, was passiert, wenn die richtigen Leute den Film sehen.“