Oberaudorf – Die Diskussionen rund um das ehemalige Knoll-Anwesen beschäftigen die Gemeinde Oberaudorf bereits seit einigen Jahren. Schon im Frühjahr 2016 beschloss der damalige Gemeinderat, das Grundstück im Ortszentrum an einen Investor zu veräußern. Doch nach dem Abriss des alten Gebäudes im Jahr 2018 (wir berichteten) gerieten die Planungen für ein mögliches Hotel durch einen Rechtsstreit zwischen der damaligen Grundstückseigentümerin und dem Landratsamtsamt Rosenheim ins Stocken.
Fläche umfasst rund
1200 Quadratmeter
Nun würde die Gemeindeverwaltung gerne Überlegungen anstellen, wie sich die Fläche an der Ecke Floriani-/Blütenstraße im Interesse der Allgemeinheit nutzen lässt. In der aktuellen Sitzung des Ausschusses für Dorfentwicklung, Umwelt, Landwirtschaft, Soziales und Tourismus gingen die Meinungen darüber jedoch stark auseinander.
„Es geht mir nicht darum, das Grundstück von vornherein zu verkaufen, sondern gemeinsam einen Plan zu entwickeln, der unserer Gemeinde zugutekommt“, betont Bürgermeister Matthias Bernhardt gleich zu Beginn der Diskussion.
Gleichzeitig hielte er das Ziel seines Vorgängers Hubert Wildgruber für sinnvoll, die rund 1200 Quadratmeter Grundfläche dafür zu nutzen, um den Tourismus mit einem Dorfhotel zu stärken.
Für diese Marschroute bekam der Rathauschef jedoch Gegenwind von Gemeinderätin Regina Götze (Grüne), die sich klar gegen den Hotelbau positioniert. „Ich sehe keinen Grund, warum wir das Grundstück nicht an einen sozialen Träger verpachten“, meint sie.
Schon im März 2021 stellte ihre Partei daher im Gemeinderat den Antrag, einen öffentlichen Ideenwettbewerb für ein Mehrgenerationen-Wohnprojekt mit integrierten Künstlerateliers und Werkstätten auszuschreiben. Laut Götze könnte man so ein soziales Zentrum mit der touristischen Nutzung kombinieren. „Gerade älteren Menschen könnten wir damit helfen“, sagt die Gemeinderätin.
Der Bürgermeister gibt dagegen zu bedenken, dass die Fläche für ein solches Projekt zu klein wäre. Unterstützung für seine Argumentation bekommt Bernhardt von Gemeinderätin Katharina Kern (CSU). „Wir sind hier nicht bei ‚wünsch dir was‘, sondern in einem Tourismusdorf, bei dem ein Hotel in dieser Lage nicht schaden würde“, meint sie. Da außerdem bereits am Heimfeld sozialer Wohnraum geschaffen werden soll und auch der Kauf des Klosters Reisach zugunsten der Vereine weiter im Raum steht (wir berichteten), sieht Kern keine Einwände, nun im Gastronomiesektor aktiv zu werden.
Einige Kompromissvorschläge brachte Gemeinderätin Susanne März (Freie Wähler) in die hitzige Diskussion mit ein. „Vielleicht sollten wir in der Bevölkerung Ideen sammeln, bevor wir uns hier zerhackeln. Es soll ja am Ende ein Fleck werden, mit dem viele Einwohner glücklich sind“, sagt die Gemeinderätin. März könnte sich daher beispielsweise vorstellen, eine Bar, ein Kino, ein Theater oder eine Markthalle zu errichten.
Einwohner könnten
mit entscheiden
Eine Bürgerbeteiligung möchte Bernhardt grundsätzlich nicht ausschließen. Da es für ihn allerdings im Moment erst um die ersten Planungen geht, hält er die aktuelle Situation noch für zu unübersichtlich, um die Einwohner jetzt schon mit einzubeziehen.
„Wir haben jetzt gesehen, dass es viele Ideen gibt. Im nächsten Schritt müssen wir uns überlegen, welche auch wirklich umsetzbar sind“, meint der Rathauschef abschließend.