Nicht schön – aber effektiv

von Redaktion

Deutsche Bahn präsentiert mögliche Emissionsschutzmaßnahmen in Bad Endorf

Bad Endorf – Die Marktgemeinde steht vor einer Entscheidung: Sollen Lärmschutzwände entlang der Bahn durch die Ortsmitte verlaufen oder nicht? Die Marktgemeinderäte haben das Thema bereits mehrmals im Gemeinderat besprochen – immer ohne Ergebnis. Zu viele Fragen waren noch offen. Hermann Bernhard, Diplom-Bauingenieur der Deutschen Bahn, hielt deswegen in der jüngsten Gemeinderatssitzung einen Vortrag darüber, wie Lärmschutz in Bad Endorf aussehen könnte. In einer Fragerunde legten dann die Marktgemeinderäte ihre Bedenken zu dem Projekt dar. Eine Entscheidung fiel noch nicht.

Die Deutsche Bahn (DB) verfolgt zusammen mit dem Bund das Ziel, Anwohner vom Schienenverkehrslärm zu entlasten. Dies tut die DB in drei Bereichen: dem Lärmschutz an der Strecke, am Immissionsort und Emissionsort. Letzteres bedeutet lärmreduzierende Maßnahmen an Zügen, wie zum Beispiel Flüsterbremsen.

Lärm soll auf 54 db(A)
reduziert werden

Für Bad Endorf interessant sind dementsprechen der Lärmschutz an der Strecke und am Immissionsort. Diese unterteilen sich in aktive und passive Maßnahmen. Aktiv bedeutet eine Lärmschutzwand, passive Maßnahmen bedeuten Ertüchtigungen der Gebäude entlang der Bahnline, zum Beispiel durch den Einbau von Schallschutzfenstern.

„Das Ziel ist es, den Lärm der Bahn auf 54 db(A) zu reduzieren“, sagt Bernhard. 54 db(A) sei ungefähr so laut, wie leichte Radiomusik mit einem Meter Abstand. Der Lärmpegel in Bad Endorf liegt derzeit zwischen 65 und 70 db(A).

„Die Lärmsanierung ist ein freiwilliges Programm“, sagt Bernhard, finanziert werde es vom Bund. Es entstehen keine Kosten für die Gemeinde.

Der Projektablauf sehe dabei wie folgt aus, so Bernhard: Die Planungsphase, in der sich die Gemeinde derzeit befindet. In ihr muss eine Entscheidung für oder gegen eine Lärmschutzwand getroffen werden. Die technische Planung, auf die zwei Bauphasen – in der zuerst die Lärmschutzwand gebaut wird und dann die passiven Lärmschutzmaßnahmen umgesetzt werden – folgen.

Wo die Lärmschutzmaßnahmen greifen und welche Bereiche förderfähig sind, hängt von unterschiedlichen Parametern ab. Dabei muss der Nutzen immer die Kosten übersteigen.

Nach einem schallschutztechnischen Gutachten für Bad Endorf wären zwei Lärmschutzwände im Ort förderfähig. 213 Wohneinheiten kämen für passive Maßnahmen infrage, so Bernhard.

Die Lärmschutzwand eins, die nördlich, also auf der Seite des Bahnhofs verläuft, wäre zwei Kilometer lang. Der Beginn wäre an der Heubergstraße. Enden würde sie am letzten Gebäude des Chiemseeweges. Die Lärmschutzwand zwei, die südlich verliefe, wäre mit 1,5 Kilometern etwas kürzer. Der Beginn läge 40 Meter vor der Eisenbahnüberführung Kurf.

Erst Entscheidung,
dann Planung

Sie würde, wie die erste Lärmschutzwand, am letzten Gebäude des Chiemseeweges enden. Die Höhe der Wand betrüge drei Meter ab Beginn der Schienenoberkante. Dadurch könnte eine Dezibelreduzierung zwischen mindestens -6,9 db(A) und maximal -14,1 db(A) erreicht werden. „Eine Reduzierung von 10 db(A) hört sich wie die Halbierung des Lärms an“, sagt Bernhard.

Bei der Gestaltung der Lärmschutzwand könne die Gemeinde frei mitentscheiden, erklärt der DB-Mitarbeiter. Ebenfalls könnten in Teilen Sichtfenster entstehen, solange sie den Lärmschutz nicht minimieren.

Sollte sich die Gemeinde für eine Lärmschutzwand entscheiden, könnte diese bis 2026 fertiggestellt werden. Danach würden die passiven Maßnahmen beginnen.

Bei den passiven Maßnahmen können die Gebäudeeigentümer, bei denen der Lärm, trotz schallschutzreduzierende Maßnahmen, über 54 db(A) liegt, am Gebäude entsprechende Sanierungen durchführen. Die fördert der Bund mit 75 Prozent. Eine Verpflichtung für die Maßnahmen gibt es nicht.

„Ich brauche von der Gemeinde eine grundsätzliche Entscheidung“, sagt Bernhard. „Ich habe ihnen den maximalen Lärmschutz, den die Deutsche Bahn leisten kann, vorgestellt.“ In der Fragerunde nach dem Vortrag wurde deutlich, dass die Gemeinderäte gerne in vielen Bereichen der Strecke bereits eine planerische Gewissheit haben wollen. Das kann die Deutsche Bahn jedoch nicht leisten. Bestimmte Bereiche könnten näher beleuchtet werden, „wir können aber nicht auf alle Eventualitäten eingehen“, sagt Bernhard.

Wichtig war für Bettina Scharold (CSU), wie für den gesamten Gemeinderat, die Frage, wie die Lärmschutzwand am Bahnhof aussehen könnte und sie forderte dort eine detailliertere Planung. Ein Ortstermin soll dementsprechend Klarheit schaffen.

Josef Forstner junior (CSU) brachte ISEK, das integrierte Stadtentwicklungskonzept, ins Spiel. Ziel des ISEK ist es, die Ortsmitte Bad Endorfs zu sanieren und zu verschönern. Der Gemeinderat habe sich lange Gedanken über das städtebauliche Konzept gemacht. Eine Lärmschutzwand, die durch die Ortsmitte geht, sei aber durchaus ein prägendes Element.

Und genau das ist der Zwiespalt, in dem die Marktgemeinderäte stecken: Weniger Bahnlärm ist natürlich gut. Doch überwiegt der Nutzen die Nachteile einer über drei Meter hohe Aluminiummauer, die sich durch die Ortsmitte zieht – auch wenn man sich die Farbe der Mauer aussuchen kann?

Infoveranstaltung

Die Deutsche Bahn stellt am Montag, 18. Juli, in einer Online-Veranstaltung für alle Bürger die möglichen Lärmschutzmaßnahmen in Bad Endorf noch einmal vor. Während der Veranstaltung soll den Betroffenen genügend Raum für Fragen gegeben werden. Ebenfalls werden die passiven Maßnahmen, da sie vor allem Hauseigentümer betreffen, ausführlicher vorgestellt. Die Bad Endorfer Verwaltung versucht für alle Menschen, die digital nicht affin sind, einen Raum bereitzustellen, in dem die Veranstaltung übertragen wird.

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