Schonstett – Es war ein holpriger Start, aber nun „läuft alles in einigermaßen geordneten Bahnen und wir sind auf einem guten Weg“, so Geschäftsführerin Tina Frank in der gut besuchten Hauptversammlung der Unternehmensgesellschaft (UG) der stillen Gesellschafter des Dorfladens Schonstett in der Mehrzweckhalle.
Neue Leitung muss
gefunden werden
War man anfangs voller Euphorie, so warf die Corona-Pandemie einiges „über den Haufen“, so Frank. Bereits beim Umbau der Räumlichkeiten war die UG aufgrund der Corona-Beschränkungen gezwungen, annähernd sämtliche Arbeiten an Firmen zu vergeben – dabei wäre eigentlich geplant gewesen, mit Eigenleistung die Kosten zu drücken und damit gleichzeitig die Gemeinschaft und die Unterstützung für den Dorfladen zu stärken.
Auch die Eröffnungsfeier musste ausfallen, eine neue Ladenleitung musste gefunden werden und die Belieferung, die zweimal wöchentlich geplant war, musste zurückgefahren werden auf eine Lieferung pro Woche. Das bedeutete umgekehrt eine größere Lagerhaltung und mehr Warenbestand, erklärte die Geschäftsführerin. Die Unternehmensgesellschaft sei von einer Verkaufskraft ausgegangen – dies führte in der Praxis allerdings zu Problemen, beispielsweise bei krankheitsbedingten Ausfällen. Weiter kamen noch Ausgaben für außerordentliche Reparaturen sowie Preiserhöhungen hinzu, so Frank. Sehr positiv äußerte sich Frank zur Mittwochsschließung. Diese war beschlossen worden, um Personalkosten einzusparen, und wurde von den Kunden voll mitgetragen. Die Umsatzzahlen stiegen in den vergangenen Monaten konstant, so die Geschäftsführerin. Auch die Unterstützung sei riesig und viele Freiwillige würden unzählige ehrenamtliche Einsatzstunden leisten – von Buchhaltung über Wäsche waschen, Putzvertretung, Regale auffüllen, Vorbereitungsküche, Abholung von Waren bis zum Sonntagsverkauf. Sehr emotional war dann der Bericht von Ladenleiterin Petra Tschentscher. Anfangs sei sie sehr skeptisch gewesen, ob sie die Herausforderung annehmen soll, doch mit der Unterstützung der Vorstandschaft habe es geklappt. Laut Tschentscher eine ihrer besten Entscheidungen und sie fühle sich dabei „sauwohl“. Dass solch ein Laden nach einem Jahr schwarze Zahlen schreibt, sei unmöglich und man müsse der Investition mehr Zeit geben, so Tschentscher. Momentan habe man wochentags bis zu 120 Kunden pro Tag und der Sonntagsverkauf laufe mit bis zu 80 Kunden sehr gut.
Trotzdem sei noch ein Umdenkungsprozess der Schonstetter nötig – vielleicht den Wocheneinkauf im Dorfladen zu tätigen und was man hier nicht bekomme, auswärts zu besorgen und nicht umgekehrt. Außerdem sollten die Kunden bei größeren Mengen die Möglichkeit der telefonischen Vorbestellung nutzen.
Bürgermeister Paul Dirnecker sagte für die Gemeinde als Mitgesellschafter die weitere Unterstützung zu. Die Frage „brauchen wir den Dorfladen“ sei eindeutig mit ja zu beantworten. Das Geschäft diene als wohnortnaher Nahversorger, Sammel-Hofladen für regionale Produkte, sozialer Treffpunkt, multifunktionaler Dienstleister, Impulsgeber für die positive Dorfentwicklung und mit der Vermeidung von Einkaufsfahrten würde zum Klimaschutz beigetragen werden. Insgesamt seien über 202000 Euro in den Dorfladen investiert worden, so Frank. Davon seien 123300 Euro Fördergelder und die Gemeinde beteilige sich mit über 20000 Euro. Diese Beteiligung sei Voraussetzung gewesen für die Förderung. Der Rest von über 58600 Euro kam vom Dorfladen. Die UG hat 152 Anteilseigner mit einer Einlage von 67900 Euro.
Auch weiterhin sei es möglich, Anteile zu erwerben oder bestehende Anteile zu erhöhen, sagt die Geschäftsführerin. Buchungstechnisch verzeichnete man 2021 einen Verlust von über 47000 Euro. Die Prognose für das laufende Jahr falle erheblich positiver aus. Man rechne mit einem Verlust von rund 20000 Euro oder darunter. Um annähernd kostendeckend zu sein, müsste sich der Umsatz noch um gut zehn Prozent steigern. Die Aufsichtsratsvorsitzende Manuela Hörmann bestätigte die einwandfreie Kassenführung – die Entlastung erfolgte einstimmig.
Nachwahl für
Vorsitz vonnöten
Die vergangenen drei Jahre scheinen manchem Mitglied des Gesellschafterrates an die Substanz gegangen zu sein – bei der Neuwahl stellten sich – zur allgemeinen Überraschung – Tina Frank, Petra Rehm, Josef Schmidhuber und Steffen Pohlers nicht mehr zur Wahl. Wiedergewählt wurden Katharina Gruber-Trenker und Manuela Hörmann. Da der Gesellschafterrat aus mindestens drei Mitgliedern bestehen soll, ist nun eine Nachwahl in einer außerordentlichen Versammlung nötig. In der Versammlung signalisierten drei Personen, eventuell für eine Kandidatur bereitzustehen – sie wollen jedoch vorab den genauen Aufgabenbereich kennenlernen. Tina Frank erklärte sich bereit, bis zur Neuwahl als Geschäftsführerin zur Verfügung zu stehen.