Kinder lesen – Eltern spenden

von Redaktion

Aktionswoche im Zeichen des Buches – Brannenburger Schüler sammeln 4000 Euro

Brannenburg – Gutes tun und dabei noch etwas lernen. Drei Lehrerinnen an der Grund- und Mittelschule in Brannenburg hatten den Wunsch, als Schule etwas zur Unterstützung ukrainischer Flüchtlinge beizutragen. Und warum verbindet man die Hilfe nicht gleich mit etwas anderem, ganz Wichtigem? Konkret geht es dabei um die Leseförderung. Denn beim Lesen scheiden sich die Geister. Die einen lesen gern, für die anderen bleibt das Lesen von Büchern oder längeren Texten zeitlebens etwas, mit dem sie nicht richtig warm werden. Schuld daran, so meint die Lehrerin Nadine Karl, nicht selten einfach das Fehlen positiver Lese-Erlebnisse ganz zu Anfang der individuellen Lesekarriere.

Von der ersten bis
zur sechsten Klasse

Die Idee von Nadine Karl und ihren Kolleginnen Stephanie Jörg und Sibylle Nonnen: ein „Hilfsprojekt mit Lesekomponente“ auszurichten. Die Kinder von der ersten bis zur sechsten Klasse suchten sich zunächst im Kreis ihrer Familie – bei Eltern, Omas, Opas, Tanten Onkeln – Sponsoren, die ihre Leseanstrengungen unterstützen würden. Die Leseeinheiten überschaubar angelegt und nach Alter gestaffelt: Für die kleinsten, die Erstklässler, ging es zum Beispiel darum, zehn Minuten laut vorzulesen, ältere Kinder konnten zwischen Selberlesen oder Vorlesen wählen.

Was dabei gelesen wurde, war egal. Ob Kinderbuch oder das Vorlesen des Fernsehprogramms für Oma oder Opa – alles zählte. Und alles, was sie über zwei Wochen hin lasen, hielten die Kinder auf zwei DIN-A4-Zetteln fest, auf denen je neun Buchrücken aufgedruckt waren. Für jede erfolgreiche „Lesestunde“ durfte einer der Buchrücken bunt angemalt werden und für jeden der angemalten Buchrücken bekamen sie von ihren Sponsoren den vorher vereinbarten Betrag.

Das Ergebnis war sensationell: Sage und schreibe 5250 Euro hatten die Kinder binnen 14 Tagen „erlesen“, 4000 Euro davon haben sie am vergangenen Freitag bei einer kleinen Feier an Pfarrer Thomas Löffler übergeben und damit an den Helferkreis der Gemeinden Brannenburg und Flintsbach. Für rund 80 Kriegsflüchtlinge sind die beiden Gemeinden vorübergehende Heimat geworden, darunter etwa 30 Kinder, für die das Geld verwendet werden soll. Mit den restlichen gut 1000 Euro wird der schuleigene Lesebuchbestand in der gemeinsamen Schulbücherei und den einzelnen Klassen aufgefrischt.

Die Feier war übrigens nicht nur der Abschluss der Aktion, sondern auch der Abschluss einer ganz besonderen Schulwoche. In ihr ging es an der ganzen Schule vor allem ums Lesen und dabei nicht zuletzt um das Drumherum: Leseoasen wurden eingerichtet, einzelne Klassen stellten an kleinen Ständen ihre Lieblingsbücher vor, andere dachten sich selbst weitere Abenteuer des „Untiers Grüffelo“ aus, schrieben sie auf und stellten sie aus. Wieder andere zeichneten Landkarten der Fantasieländer, die sie bei ihrem Lesen besucht hatten.

„Lesen lernen und Lesen üben ist, das muss man einräumen, für die Kinder durchaus Arbeit“, sagt Nadine Karl. „Umso wichtiger, ist es, dass die Kinder frühzeitig erkennen, dass diese Arbeit in Spaß mündet und ihnen ganz neue Welten eröffnet“.

Eine Idee
wird Tradition

Auch hier ist das Ergebnis mehr als positiv, denn eine kleine Leseflamme ist offensichtlich bei so gut wie allen Kindern entzündet worden. Die Leseoasen waren schwer begehrt, auch die Lesestände gut besucht. Und noch während die Aktion lief, seien, so erzählt Nadine Karl, sie und ihre Kolleginnen von den Kindern gefragt worden, ob es so eine besondere Woche auch nächstes Jahr wieder geben werde. Dieser Wunsch nach Wiederholung sei eigentlich die allerschönste Resonanz, die man sich von den Kindern erwarten könne, meint die Lehrerin. Und schon deshalb ein Wunsch, den Schulleiterin Alexandra Mayr uneingeschränkt unterstützt: „Die Lesewoche wird ganz sicher eine unserer Schultraditionen werden.“

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