Frasdorf – Das Anderl-Kreuz am Ost-Ortseingang von Frasdorf erstrahlt in neuem Glanz. Die Eigentümerin – die Familie Huber, Anderlbauer von Frasdorf – hatte den Experten Paul Panzer aus Prien damit beauftragt, das gesamte Kreuz mit dem Wettermantel und dem Corpus intensiv zu restaurieren.
Genaues Alter des
Kreuzes ist unbekannt
Für Paul Panzer ist es inzwischen ein persönliches Anliegen geworden, mit dazu beizutragen, die Flurdenkmäler unserer Heimat zu erhalten, wie er unserer Zeitung sagte. Denn diese seien oft aus einem Versprechen heraus errichtet worden und prägen die alpenländische Landschaft.
Nach der Renovierung des Wagnerkreuzes (wir berichteten) am westlichen Ortsrand ist es für den Priener bereits das zweite Kreuz, das er heuer in Frasdorf wieder hergerichtet hat. Wie bei allen anderen Restaurierungen stellte Panzer auch jetzt keine Rechnung für seine ehrenamtliche Tätigkeit.
„Ein genaues Alter des Kunstwerks lässt sich nicht mehr feststellen. Der Schnitzer dürfte das Kruzifix vor etwa 100 Jahren gefertigt haben“, vermutet Panzer. Das sehr ähnliche Wagnerkreuz am westlichen Ortseingang sei dort wohl schon vor dem Zweiten Weltkrieg aufgestellt worden. „Wahrscheinlich wurden beide Figuren vom gleichen Schnitzer gestaltet.“
In seiner Werkstatt entfernte Panzer zunächst die Farbreste der bisherigen Bemalung, behandelte die geschädigten, wurmstichigen und morschen Stellen und fasste das ganze Kruzifix schließlich farblich neu. „Zwischen den einzelnen Arbeitsschritten musste ich immer lange Wartezeiten einschieben, damit die Härtungsmittel einwirken konnten“, so Panzer. „Der Neuaufbau des alten Holzes und die Neufassung mit den erprobten Farben ging relativ gut vonstatten.“
Das Anderl-Kreuz weise eine Besonderheit auf, die laut Panzer wohl einmalig unter den Flurdenkmälern der Region ist: Bei der ersten Überprüfung hatte der Restaurator festgestellt, dass der Christusfigur ein Finger an der Hand fehlt.
„Dieser wurde bei der Explosion eines deutschen Munitionslastwagens kurz vor Kriegsende durch einen Granatsplitter abgerissen.“ Dabei kamen am 3. Mai 1945 vor den Toren Frasdorfs 20 Soldaten ums Leben, wie ein Gedenkstein in unmittelbarer Nähe des Kreuzes informiert.
Nach der Umbettung der Gefallenen vom gemeindlichen Friedhof zur Kriegsgräberstätte in Traunstein und der Auflassung des Grabes 1952 wurde der Gedenkstein an die Unglücksstelle umgesetzt.
Inschrift wieder
lesbar gemacht
Hier wird er von der Bevölkerung gepflegt und stets mit Blumen und Kerzen geschmückt. Die Krieger- und Soldatenkameradschaft Frasdorf hatte den Stein vor wenigen Jahren restauriert und die Inschrift wieder lesbar gemacht.
„Den Eigentümern der Flurdenkmäler gebührt ein aufrichtiger Dank, dass sie diese Kleinode erhalten und in Ehren halten“, sagte Frasdorfs Bürgermeister Daniel Mair unserer Zeitung.