Nußdorf – Feuerwehr, Dirndl- und Burschenverein, Nachbarn, sowie Sportverein taten sich zu einer spontanen Aktion zusammen, um den vom Krieg betroffenen Menschen in der Ukraine zu helfen. Und die Großspedition im Ort tat auch mit.
Auf der Suche nach Einrichtungsgegenständen für ein Krankenhaus in der Ukraine erhielt eine Hilfsorganisation im nordrhein-westfälischen Beckum davon Kenntnis, dass das in Nußdorf am Inn gelegene Altenpflegeheim St. Benedikt nach seiner Schließung nun geräumt werden soll und dass Betten und Co. hier zu finden seien.
Moderne
Pflegebetten
Der Beckumer Verein hilft bei der Wiederherstellung eines von Bomben teilweise zerstörten Krankenhauses in Niemirów. Die rund 12000 Einwohner zählende Gemeinde liegt südwestlich Kiews und ist nach den Kriegseinwirkungen auf internationale Spenden und Hilfeleistungen angewiesen, wie Marcus Dergun (29), Vorsitzender der Hilfsorganisation „be-Ukraine e.V.“, berichtet. Glück und Zufall zugleich: Der Eigentümer des Pflegeheims, die Fuest-Familienstiftung, hat ebenfalls ihren Sitz in Beckum. Schnell wurden die Kontakte nach Nußdorf geknüpft.
Hauptsächlich ging es der Hilfsorganisation um Krankenzimmereinrichtungen. Davon gab es in Nußdorf reichlich.
Immerhin standen hier 47 moderne und elektrisch verstellbare Pflegebetten inklusive Nachttische, Tische, Stühle und sonstigem pflegerischen Krankenhausbedarf zur Verfügung, die die Fuest-Familienstiftung für diesen Zweck gerne abgab. Und nochmals spielten Glück und Zufall eine große Rolle, denn über recht verworrene Kanäle erfuhren aktive Nußdorfer abends im Biergarten von der Aktion und davon, dass in der Gemeinde zahlreiche helfende Hände bei der Verladung des Mobiliars benötigt werden.
Die Biergartenrunde löste sich schnell auf, trommelte Helfer aus den Ortsvereinen zusammen. Viel Zeit zum Überlegen gab es nicht, denn gleichzeitig machten sich schon fünf Vereinsmitglieder (zwei von ihnen stammen aus der Ukraine) und ein Vertreter der Fuest-Familienstiftung aus Beckum auf den Weg. Kontaktpartner in Nußdorf war Uli Kottmann, der auch die Aktion im Ort koordinierte.
Die Spedition Johann Dettendorfer stellte ebenso schnell einen 40-Tonner für den Transport und einige Männer zum Verladen zu Verfügung und übernahm die Kosten des Transports.
Von der Aktion überrascht waren einige Nachbarn des ehemaligen Pflegeheims – unter ihnen auch zahlreiche Asylbewerber – die ebenso spontan zupackten, wie die Mitarbeiter der Spedition. In der Spitze waren rund 40 Personen tätig.
Mittendrin
im Getümmel
Gerade mal 48 Stunden nach dem Hilferuf aus Nordrhein-Westfalen war die Arbeit im Inntal getan. In Polen wurde die Last aus Sicherheitsgründen auf kleinere Fahrzeuge umgeladen. Nußdorfs Erste Bürgermeisterin Susanne Grandauer (CSU/FWG), selbst mittendrin im Getümmel, war begeistert von der Aktion, die binnen weniger Stunden spontan aus dem Boden gestampft wurde.