Obing/Amerang – Gibt es eine neue Chance für die Reaktivierung der Bahnlinie Obing – Bad Endorf, im Volksmund LEO genannt?
Gespräche zwischen den Gemeinden und eine Entscheidung des Obinger Gemeinderates lassen aufhorchen, doch die Hürden bleiben hoch, wie der Verein Chiemgauer Lokalbahn, der die Strecke an Sonn- und Feiertagen betreibt, erklärt.
„Es bewegt sich etwas“, freut sich Frank Ludwig vom Verein der Chiemgauer Lokalbahn. Vor Kurzem hatte er alle Gemeinden, die an die LEO-Strecke angrenzen zu einem Gespräch über eine mögliche Reaktivierung eingeladen und, so Ludwig, zum großen Teil positive Rückmeldung aus den Kommunen erhalten.
Verbindung seit
1968 eingestellt
Obings Gemeinderat hat in seiner jüngsten Sitzung sogar einstimmig beschlossen, eine Reaktivierung zu unterstützen (wir berichteten). Der erste Schritt auf dem langen und komplexen Weg zu einer offiziellen Regionalbahnlinie 51, wie Ludwig erklärt.
Seit 1968 fährt zwischen Obing und Bad Endorf kein offizieller Personenzug mehr, in den 90er-Jahren wurde auch der Güterverkehr eingestellt. Seitdem betreibt der Verein die Strecke ehrenamtlich, insbesondere mit Sonn- und Feiertagsfahrten. „Außerdem vermieten wir an einige Firmen, die dort ihre Züge testen.“ Hin und wieder rauscht auch ein Güterwaggon über die Strecke. „Wir waren nie richtig stillgelegt“, erklärt Ludwig, doch eben auch kein Teil des offiziellen Netzes des öffentlichen Nahverkehrs. Oberstes Vereinsziel war deshalb immer die Wiedereingliederung der Strecke in den Bahnverkehr. Denn die Anbindung sei schlecht, so Ludwig. „Der ÖPNV nördlich vom Chiemsee und östlich von Wasserburg ist eine Katastrophe.“ Es gebe viel zu wenige Busverbindungen. „Und wir sind die Einzigen, die am Wochenende fahren. Wir als Verein haben deshalb immer gesagt, wir wollen die Strecke erhalten und sie, wenn möglich, reaktivieren.“ Mit einem Gespräch zwischen den Gemeinden ist damit der erste Schritt getan. Denn, um eine Wiederbelebung auf den Weg zu bringen, müssten zunächst die Kommunen und die Landkreise einem solchen Bestreben zustimmen. „Beim Gespräch war die Grundstimmung sehr positiv“, erzählt Ludwig.
Aus den Gemeinden Obing, Amerang und Pittenhart habe der Verein ohnehin schon immer große Unterstützung erfahren. „Nur der Bad Endorfer Bürgermeister muss noch überzeugt werden.“ Doch auch hier sieht Ludwig Hoffnung, schließlich werde in Bad Endorf gerade das Schulzentrum geplant, das sich direkt neben der Bahnstrecke befinde.
1000 Fahrgäste pro
Streckenkilometer
Aber die Zustimmung für die Reaktivierung ist für die LEO-Strecke nur die kleinste Hürde. Denn im Anschluss, so Ludwig, werde eine Potenzial-Untersuchung durch die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) veranlasst. „Dort müssen wir 1000 Fahrgäste pro Streckenkilometer vorweisen können.“ Und das sei möglicherweise ein Problem. „Zwischen Obing und Amerang bekommen wir wohl keine 1000 Fahrgäste zusammen“, die Hoffnung sei, dass sich in Richtung Bad Endorf die Zahlen ausgleichen würden. Zudem ist die Chiemgauer Lokalbahn, gemeinsam mit anderen privaten Bahnbetreibern, im Gespräch mit dem Bayerischen Verkehrsministerium, um diese Kriterien zur Frequentierung zu ändern. „1000 Fahrgäste pro Streckenkilometer, das können ländliche Bahnen einfach nicht erfüllen.“ Die größte Hürde sei aber, die Haltestellen sowie die Strecke selbst auf den BEG-Standard in puncto Ausstattung zu heben. Dies sei die letzte Voraussetzung für eine Reaktivierung. „Wir reden hier über zehn bis 15 Millionen Euro“, so Ludwig. Mit einer nennenswerten staatlichen Förderung rechne der Verein als privater Betreiber nicht. Ob also tatsächlich in näherer Zukunft ein RB51 zwischen Obing und Bad Endorf rollt, bleibt vorerst fraglich. Trotzdem sieht Ludwig Hoffnung für die LEO-Strecke. „Es bewegt sich was“, ist er überzeugt, „nicht nur in der Region“.