Identität des Ortes bewahren

von Redaktion

Gemeinderat in Kiefersfelden will sich städtebaulich am Bürgerwillen orientieren

Kiefersfelden – Wie soll Kiefersfelden in Zukunft aussehen? Diese Frage stellten sich die Gemeinderäte und gaben sie auch an die Bürger weiter. Das Ergebnis präsentierte nun Vanessa Dörges vom Münchner Architekturbüro Schirmer. Sie zeigte auf wie es nun mit Tourismus, Verkehr und Gewerbebetrieben weitergehen soll.

Einstimmig beschloss der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung, die Ergebnisse des integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzepts (ISEK) als Richtschnur und Handlungsrahmen für die langfristige Ortsentwicklung zu realisieren.

Vorausgegangen war eine mehrmonatige Befragung und Information der Kieferer über die möglichen Ziele, sowohl online als auch im Rahmen von Informationsveranstaltungen. Danach hatten die Bürger die Möglichkeit, ihre Ideen und Anregungen zu verorten und zu beschreiben. So entstand ein „Markt der Meinungen“ (wir berichteten).

Geschichte
erlebbar machen

Vanessa Dörges vom Münchner Architekturbüro Schirmer stellte dem Gremium die Zusammenfassung dieser Entwicklungsziele vor. Schon seit März vergangenen Jahres waren die Themen in die Planung aufgenommen und daraus resultierende Zielsetzung eingepasst worden. Danach ist vor allem die Identität des Ortes zu bewahren. In Zukunft soll der Altort gestärkt und die Besonderheiten der Gemeinde Kiefersfelden herausgehoben werden. Ortsbildprägende Gebäude, Denkmäler, historisch bedeutsame, öffentliche Räume sollen gestalterisch aufgewertet werden.

Die Spuren der Geschichte sollen erlebbar gemacht werden. Dazu zählt die geschichtlich-historische Funktion der Gemeinde als Grenz- und Industriestandort. Letztlich sollen sich Neubebauungen harmonisch in das Ortsbild einfügen und es erweitern. Die Gemeinde soll als Ort zum Wohnen und Leben für Jung und Alt gestärkt werden. Deshalb soll Wohnraum für Einheimische und Fachkräfte geschaffen werden, die am neuen Gewerbestandort tätig sind. Insgesamt wird in der Studie ein bedarfsorientiertes, moderates Wachstum angestrebt – mit bezahlbarem Wohnraum und unter Berücksichtigung eines sparsamen Umgangs mit Grund und Boden.

Zentrale Ziele sind auch, die ansässigen Gewerbebetriebe zu sichern und den Schwerpunkt bei einer Neuansiedlung von Betrieben auf ein klimaverträgliches Gewerbe zu legen. Dabei hat die Nutzung des vorhandenen Gewerbeflächenpotenzials Vorrang vor einer Neuausweisung von zusätzlichen Gewerbeflächen. Sollte es dennoch zu einer Neuausweisung kommen, ist eine ortsbildverträgliche und klimagerechte Gestaltung zu beachten.

Die Vorhaben im Bereich Versorgung und Soziales zeigen das historische Zentrum als zukünftigen Standort von kleinteiligem, hochwertigem Einzelhandel. An der Kufsteiner Straße sollen die vorhandenen Mischnutzungen wie Gastronomie, Dienstleistung und Einzelhandel gesichert werden. Die Nahversorgung mit Gütern des täglichen Bedarfs soll zu Fuß erreichbar sein. Die soziale Mitte soll im historischen Zentrum, Rathausumfeld bis hin zum Gasthof Bergwirt gestärkt werden.

In den Bereichen Freiraum und Klima ist es unausweichlich, die hochwertigen Landschaftsräume, wie Kieferbach und Mühlbach, die das Ortsbild in besonderer Weise prägen, zu vernetzen. Der Kieferbach soll in seiner Erlebbarkeit, Aufenthaltsqualität und Zugänglichkeit verbessert werden. Die Anbindung des Inns, der entlang der östlichen und südlichen Gemeindegrenze verläuft, soll herausgestellt werden.

Auch die Förderung nachhaltiger Energien, eine Entwicklung von kompakten und lokalklimatisch vorteilhaften Bauformen sowie der Erhalt zusammenhängender Biotopflächen darf nicht vernachlässigt werden. Bei Mobilität und Tourismus ist die Lärmemissionen deutlich zu reduzieren. Dazu soll der überregionale Verkehr zukünftig ortsverträglich organisiert werden. Auch das Fuß- und Radwegenetz ist zu sichern und auszubauen. Das Mobilitäts- und ÖPNV-Angebot (Öffentlicher Personennahverkehr) zwischen Kufstein und Kiefersfelden soll verbessert werden. Auch die Barrierefreiheit soll weiterhin stark in Planungen eingebunden werden.

Mehrwert
für Einheimische

Da Kiefersfelden kein klassischer Fremdenverkehrsort ist, kann das touristische Potenzial noch stärker genutzt werden. Dabei gilt es, Freizeitangebote hochwertig und familienfreundlich auszubauen. Sie sollen nicht nur für Touristen einen Mehrwert bieten, sondern auch für Einheimische. Auch könnte das Beherbergungsangebot deutlich erhöht werden. Ziel ist es, Gäste für längere Aufenthalte in der Gemeinde zu gewinnen. Dennoch betonte die Fachfrau: „Massentourismus ist nicht das Ziel“.

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