Kita-Gebühren steigen um die Hälfte

von Redaktion

Drohendes Defizit von einer Million Euro zwingt Gemeinde Schechen zum Handeln

Schechen – Die Gemeinde Schechen erhöht die Elternbeiträge für die gemeindlichen Kindertagesstätten deutlich. Die Entscheidung, die Gebühren um 50 Prozent zu erhöhen, fiel den Gemeinderäten in der vergangenen Sitzung zwar sichtlich schwer. Einig war man sich aber, dass der Schritt unumgänglich sei.

„Wir haben erstmals die Situation, dass wir im Bereich der Krippe zehn Kinder auf eine Warteliste setzen oder in Einrichtungen außerhalb der Gemeinde verweisen mussten“, erklärte Bürgermeister Stefan Adam (CSU) die Anmeldezahlen ab September. Auch der neue Naturkindergarten, der provisorisch in zwei Containern untergebracht ist, sei voll. Der Betreuungsbedarf steige weiterhin stetig.

Dickes Minus
im Haushalt

Gleichzeitig nimmt das finanzielle Defizit der Einrichtungen stark zu. Weil für die Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst bei der aktuellen Tarifrunde zudem hohe Abschlüsse erzielt wurden, rechnet die Schechener Kämmerei im laufenden Jahr mit einem Defizit von insgesamt 680000 Euro für das Kinderhaus Sonnenschein und den Naturkindergarten.

Mit dem neuen Tarifabschluss erhalten die Bediensteten einen monatlichen Zuschuss von 130 Euro sowie zwei Regenerationstage zum üblichen Urlaubsanspruch. „Da wurde wirklich was gemacht für die Kindergartenmitarbeiter“, betonte der Bürgermeister. Gute Kinderbetreuung muss auch entsprechend honoriert werden – das stand im Gremium außer Frage.

Allerdings: Da die Kämmerei bereits 2025 mit einem Defizit von rund einer Million Euro rechnet, müsse reagiert werden. „Nach Ansicht der Verwaltung kann einem weiteren Defizitanstieg nur durch eine massive Anhebung der Elternbeiträge entgegengewirkt werden“, so die Aussage. Immerhin liege der prozentuale Elternbeitragsanteil im Kinderhaus Sonnenschein aktuell lediglich bei knapp sechs Prozent, im Naturkindergarten nur bei zwei Prozent. „Die Beiträge tragen derzeit nicht spürbar zur Kostendeckung bei“, so Adam. Um einen Kostendeckungsgrad von 60 Prozent zu erreichen, schlug die Verwaltung eine Gebührenerhöhung von 50 Prozent ab September vor.

„Im Vergleich zu den Nachbargemeinden sind wir damit nicht die teuersten und die anderen Kommunen haben noch nicht erhöht“, betonte Bürgermeister Stefan Adam. Außerdem wolle man an der Geschwisterermäßigung festhalten. Adam erklärte auch, dass der kirchliche Kindergarten in Pfaffenhofen ebenfalls plane, die Beiträge anzuheben.

„Es ist ganz klar, dass wir erhöhen müssen“, sagte Sabine Altendorfer (CSU). Vielleicht sei man damit auch etwas spät dran. Natürlich sei die Kinderbetreuung früher, als es den 100-Euro-Zuschuss des Freistaates noch nicht gab, viel teurer gewesen. Doch der plötzliche Preissprung missfiel ihr.

„Da habe ich ein schlechtes Bauchgefühl den Leuten gegenüber“, betonte sie. Manche müssten ihr Kind in die Betreuung geben, um arbeiten zu können. Die würden jetzt mit dem „brutalen Preissprung“ konfrontiert. Sie schlug vor, die Anhebung auf zwei Jahre aufzuteilen.

Maria Ganslmaier-Hainzl (Parteifreie Bürger Schechen) kritisierte den Zeitpunkt. Die Anmeldungen hätten bei den bisherigen Gebühren stattgefunden und viele Eltern ihre Zeiten unter diesen Annahmen gebucht.

Josef Weber (CSU) würde die Gebührenerhöhung bei der Krippe lieber bremsen. Denn wer sein einjähriges Kind in die Betreuung gebe, der tue das selten freiwillig, sondern, weil beide Elternteile arbeiten müssten, um über die Runden zu kommen.

Volker Schmidt (SPD/ÜW Schechen) verwies auf die Entscheidung der Bayerischen Staatsregierung für den 100-Euro-Zuschuss, die die Kommunen jetzt ausbaden müssten. Denn wenn die Beiträge auf einem höheren Niveau wären, würde der Sprung nicht so ins Gewicht fallen. Roland Schinke (Parteifreie Bürger Schechen) schlug angesichts des Platzmangels vor, die Betreuungszeiten in der Krippe anzupassen. Denn bei gleicher Priorität bekomme derzeit derjenige den Platz, der eine höhere Zeitspanne buche. Das verleite manche Eltern, längere Zeiten anzugeben, als letztlich benötigt würden.

Mehr Geld für
Essen und Brotzeit

Verwaltungsleiter Karl-Heinz Salzborn erklärte, dass das in der Praxis schwer zu verhindern sei. Er machte außerdem klar: „Der Betreuungsdruck steigt immer weiter bei immer weniger Personal.“ Man habe in der Verwaltung sehr intensiv über die Maßnahme diskutiert und wisse durchaus, dass der Preissprung hoch sei.

Schließlich votierte das Gremium mit zwei Gegenstimmen dafür, die Elternbeiträge für die Kindergärten zum September um 50 Prozent anzuheben.

Für die Krippen soll die Erhöhung zum September 25 Prozent und zum März weitere 25 Prozent betragen. Unstrittig war, das Essensgeld um fünf Prozent und das Brotzeitgeld um 15 Prozent anzuheben.

So viel kostet ab dem Herbst die Kinderbetreuung

Bei der Krippe würde sich mit der Erhöhung der monatliche Beitrag für ein Kind und einer Betreuung von vier bis fünf Stunden täglich von 185 Euro auf 278 Euro erhöhen.

Die gleiche Buchung kostet laut Verwaltung in Rott derzeit 260 Euro, in Großkarolinenfeld 286 Euro und in Rosenheim 317 Euro. In den Schechener Kindergärten würde sich der Beitrag bei einer Buchung von vier bis fünf Stunden für ein Kind von 105 Euro auf 158 Euro erhöhen – wobei für die Eltern aufgrund der staatlichen Förderung von 100 Euro derzeit nur ein Anteil von fünf Euro übrig bleibt und vom erhöhten Beitrag letztlich 58 Euro zu zahlen sind.

Die gleiche Buchungszeit kostet laut Verwaltung in Rott 140 Euro, in Großkarolinenfeld 120 Euro und in Rosenheim 128 Euro.

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