„Fantasiewesen in einer anderen Welt“

von Redaktion

Interview Wie Regisseur, Dirigentin und Bühnenbildnerin die „Zauberflöte“ für Kinder inszenieren

Halfing – Ein Prinz, der eine entführte Prinzessin sucht, und ein Vogelsänger, der ihn dabei unterstützt. Ludwig Baumann inszeniert heuer die „Zauberflöte“ von Wolfgang Amadeus Mozart für Kinder und Jugendliche bei den Festspielen in Immling. Im OVB-Interview sprechen der Regisseur Baumann, Dirigentin Iris Schmid und Bühnenbildnerin Lilli Hartmann über das Stück. Eine Reise durch Landschaftsbilder, die an „Herr der Ringe“ und „Game of Thrones“ erinnern.

Warum bieten Sie Kindervorführungen in Immling?

Ludwig Baumann: Von Anfang an habe ich auf Immling Kindervorführungen inszeniert. Das Durchschnittsalter bei Opern liegt hoch. Wenn wir die Oper für Kinder und Jugendliche attraktiv machen wollen, müssen wir auf sie zugehen.

Wie wollen Sie Kinder und Jugendliche an die Oper heranführen?

Baumann: Ich finde es wichtig, einen Samen zu säen. Dass die Kinder als Jugendlicher oder junger Erwachsener sagen: Ich habe auf Immling mal etwas Schönes gesehen, da will ich wieder hin. Mir geht es in erster Linie um die Zukunft. Ich möchte die Oper einem breiteren Publikum zugänglich machen. Denn die Oper ist nach wie vor eine elitäre Veranstaltung. Deswegen können unter 27-Jährige bei uns für 15 Euro in eine Vorstellung gehen. Wenn sie einmal da waren, kommen sie wieder.

Frau Schmid, wie machen Sie als Dirigentin die „Zauberflöte“ kindgerecht?

Iris Schmid: Die Geschichte der „Zauberflöte“ ist ein wenig verworren. Wir haben mit dem jungen Mozart deshalb eine Identifikationsfigur erschaffen. Er erklärt, was passiert. Die Kinder können Zusammenhänge so leichter herstellen. Es ist eine wirklich lustige Geschichte. Dinge, mit denen sich die Kinder mehr identifizieren können, haben wir in dem Stück gelassen und die freimaurerischen intellektuellen Aspekte herausgelassen.

Was bedeutet das konkret?

Schmid: Wir haben die Musik und den Text gekürzt. Ich habe den Text außerdem überarbeitet, weil die Oper in einem sehr altertümlichen Deutsch verfasst ist. Ich habe eine Vorabversion der Noten verfasst, die Herr Baumann und ich noch einmal besprochen haben. Dann habe ich mit dem Kinderchor geprobt. Uns ist wichtig, dass auch Kinder in der Oper auftreten.

Herr Baumann, Sie inszenieren die „Zauberflöte“ in einer Fantasiewelt. Wie sind Sie darauf gekommen?

Baumann: Ich denke immer sehr bildlich. Zuerst kommt der Text, dann lese ich viel Literatur zu einem Thema. Ich denke nicht gleich an die Sänger. Ich mache mir erst ein Bild: Wo lasse ich sie auftreten? In Immling können wir nicht viel umbauen. Aber mit filmischen Mitteln können wir jede Szene mit einem anderen Projektionsbild und bewegten Bildern versehen. Mich fasziniert die Mischung aus Oper und Film. Und so haben wir Landschaftsbilder geschaffen, die an „Herr der Ringe“ und „Game of Thrones“ erinnern.

Frau Hartmann, welche Vision hatte Herr Baumann als Regisseur für Ihre Kostüme?

Lilli Hartmann: Herr Baumann hat mit seinem Sohn, der das Bühnenbild gestaltet hat, eine Idee ausgeheckt: eine Art Fantasiewelt, Naturlandschaften, die ein bisschen über unser Verständnis hinausgehen. Und genau da müssen die Kostüme hineinpassen.

Wie sieht Ihr künstlerischer Prozess aus?

Hartmann: Wenn ich sage, ich kenne die „Zauberflöte“ in- und auswendig, dann wäre das übertrieben. Als Kind war es aber das erste Stück, das für mich die Pforte zur Oper eröffnet hat. Die „Zauberflöte“ hat meine Fantasie beflügelt. Ich kenne die Melodien. Ich konnte leicht Bilder und Landschaften für die Musikstücke finden. Ich habe mir die Frage gestellt: Welche Figur passt in so eine Landschaft? Ich habe die Charaktere in Gruppen eingeteilt. Dann habe ich überlegt: Welche Farbe passt zu welcher Gruppe?

Sie haben die Charaktere auch mit tierischen Elementen versehen.

Hartmann: Ich habe in dem Fundus von Herrn Baumann ein Krakenkostüm gefunden. So wurde Sarastro zu einer Krake und die Königin der Nacht hat Flügel bekommen. Damit hatte ich zwei Tierelemente. Mir fiel ein, dass die Damen um die Königin etwas Insektenhaftes haben. Plötzlich habe ich allen Charakteren Tierelemente zugeordnet. Es sind Fantasiewesen in einer anderen Welt.

Frau Schmid, was macht die „Zauberflöte“ in Immling besonders?

Schmid: Ludwig Baumann hat die Oper sehr lustig inszeniert. Es gibt unheimlich viele Gags in dem Stück. Manchmal muss ich mich bewusst auf die Musik konzentrieren, damit ich mich nicht ablenken lasse. Wir haben auch einen kleinen Rap, zu dem die Kinder tanzen. Es ist eine sehr bunte Geschichte.

Herr Baumann, Sie haben Papageno bereits 367-mal gespielt und die „Zauberflöte“ mehrmals inszeniert: Was macht den Reiz aus?

Baumann: Ich finde immer neue Ideen in den Noten. Als ich den Papageno gesungen habe, bin ich kein einziges Mal zu den Proben gegangen und habe gesagt: Ich kenne das schon. Ich finde immer eine Möglichkeit, die Musik neu zu interpretieren.

Interview: Katharina Koppetsch

Vorführungen

Sonntag, 17. Juli 16 Uhr

Dienstag, 2. August 16 Uhr

Sonntag, 7. August 16 Uhr

Die Karten kosten je nach Kategorie zwischen 15 und 29 Euro. Ermäßigte Karten für Kinder bis einschließlich zwölf Jahre kosten 12 Euro. Sie müssen per Telefon oder Mail gebucht werden. Hierbei fällt eine einmalige Bearbeitungspauschale von fünf Euro an.

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