Heftige Kritik über Größe des Neubaus

von Redaktion

Architekt stellt erstmals das Konzept des Kindergartens im Gemeinderat vor

Frasdorf – „Ein Haus für 150 Kinder lässt sich nicht irgendwo verstecken, es beansprucht seinen Platz und wird in seiner Umgebung immer auffallen und ebenso eine entsprechend große Fotovoltaikanlage“, erwiderten die beiden Gemeinderäte Franz Voggenauer und Klaus Ofner (FWU) auf die Bedenken ihrer Kollegen im Frasdorfer Gremium, denen die vorgestellte Planung des neuen Kinderhauses in Wildenwart an dieser exponierten Stelle zu wuchtig erschien. Ohne Gegenstimme beschloss das Gremium, nach ausgiebiger und kontroverser Diskussion den eingeschlagenen Weg weiter zu verfolgen. Die Gemeinderäte baten jedoch um die Erstellung von zusätzlichen Varianten zum vorgestellten Modell.

Bau orientiert sich
an der Umgebung

Architekt Bernhard Püschel präsentierte bei der jüngsten Gemeinderatssitzung erstmals die Pläne und ein Modell des Bauvorhabens. Er erklärte, dass er sich bei der Auswahl des Baukörpers an der Größe und der Ausrichtung der umliegenden Höfe und Häuser orientiert habe. Diese seien alle West-Ost orientiert und alle Einrichtungen seien unter einem Dach zusammengefasst. Das sei auch im neuen zweigeschossigen Kinderhaus der Fall.

Förderrichtlinien
sind klar vorgegeben

Größere Abweichungen von den aktuellen Maßen seien bei dem Neubau nicht möglich. Die Maße und Raumgrößen für die einzelnen Räume im Kinderhaus sind vom Gesetzgeber vorgegeben und dürfen weder unter- noch überschritten werden. Alle Abweichungen hätten den sofortigen Verlust von Zuschüssen zur Folge.

Das künftige Kinderhaus für je zwei Kindergarten- und zwei Kinderkrippengruppen sowie eine Hortgruppe ist mit allen Gruppenräumen nach Süden orientiert. Die Funktionsräume liegen an der Nordseite.

Besonderen Wert hat das Architekturbüro auf die Nachhaltigkeit des Bauvorhabens gelegt: den Kindern soll mit dem Neubau der Umweltgedanke und die sparsame Nutzung aller Ressourcen nahe gebracht werden. Der Baukörper wird als Energiesparhaus mit einem Satteldach erstellt, eine Fotovoltaikanlage (PV) auf dem Süddach erzeugt ganzjährig den benötigten Strom. Dabei dürfte jedoch kein allzu großer Bedarf entstehen, da alle Geräte und die Beleuchtungen nach dem heutigen Stand der Technik bereits stromsparend sind.

Auch die vorgesehene PV-Anlage schließt sich nahtlos an das Beispiel der Dächer der benachbarten Gebäude in Umkreis von 500 Metern an: alle Dächer auf den großen Höfen und Häusern sind mit PV-Anlagen versehen. Neu ist das Vorhaben des Architekten das nach Norden ausgerichtete Dach als „Gründach“ zu erstellen. Mit der Begrünung des Daches sollen die Niederschläge – vor allem auch Starkregen – aufgefangen und dosiert an die Umgebung abgegeben werden. Sabine Schwarzmann stellte das Konzept der Außenanlagen mit zwei Varianten vor: 16 der vorgeschriebenen 30 Stellplätze sind dabei unterschiedlich entweder direkt an der Nordseite des Gebäudes oder am Südrand des Grundstücks vorgesehen. 14 davon sollen für den Hol- und Bringdienst entlang der Pfarrer-Strobel-Straße entstehen. Die Verwaltung wurde beauftragt zu prüfen, ob und wie weit eine Übereinkunft mit der Kirche über die gegenseitige Nutzung der jeweiligen Parkplätze getroffen werden kann. So könnten gegebenenfalls einige Plätze eingespart werden.

Lärmschutz muss
beachtet werden

Am Südrand des Grundstücks, so Architektin Schwarzmann, muss dem Lärmschutzgutachten folgend entlang der Staatsstraße S2093 ein Lärmschutzwall gebaut werden. Der Vorschlag der Gemeinde Frasdorf dort, unmittelbar vor dem Wildenwarter Kreisel eine 70er-Zone einzurichten und damit auf den Wall zu verzichten, liegt beim Landratsamt und Straßenbauamt bereits zur Prüfung und Entscheidung vor.

Flächen für
Spiel und Sport

Die verbleibende Fläche zwischen dem Kinderhaus und der Straße im Süden wird mit entsprechenden Spiel- und Sportflächen für die jeweiligen Altersgruppen ausgestattet. Die Gemeinderäte sprachen sich für die Lösung der nahen Wege und damit die Stellplätze im Norden aus.

Stimmen aus dem Gemeinderat

Julian Richter (FWGF) fand das Vorhaben viel zu wuchtig. An dieser exponierten Stelle am Kirchenberg erschlage das Kinderhaus alle vorhandenen Gebäude. Er forderte eine filigranere Ausrichtung, gegebenenfalls die Trennung des Gebäudes oder eine Abwinkelung des Baukörpers.

Architekt Püschel verwies auf die massiven Vorbilder der Häuser in der Umgebung, eine Trennung in kleinere Bauteile fordere zusätzliche Wände und verursache zusätzliche Kosten. Das Ganzheitskonzept eines Kinderhauses gehe ebenfalls verloren. Mit der Ausrichtung aller Gruppenräume nach Süden erziele das Haus den größten Effekt. Auch die PV-Anlage sei hier optimal genutzt.

Hier hakten gleich mehrere Gemeinderäte nach, die die Platten auf einem Dach neben dem bisherigen harmonischen Ensemble am Kirchenberg als „sehr gewöhnungsbedürftig“ einstuften.

Püschel erläuterte, dass die Größe der PV-Anlage noch nicht definiert sei, es kommen – im Gegensatz zu den benachbarten Anwesen – nur so viele Elemente auf das Dach, wie für die ganzjährige Versorgung notwendig sind.

Christian Stocker (FWW) wies darauf hin, dass mit diesem „massiven Riegel Kinderhaus“ die freie Sicht auf die Berge vom Pfarrheim und vom Pfarrerhaus aus nicht mehr möglich sei. Umgekehrt werde die Postkartenidylle mit dem Blick von Süden auf die Christkönigskirche empfindlich gestört. Er monierte, dass man sich mit dem Gründach wohl eine Dauerbaustelle für die kommenden Jahre schaffen werde. Diese Gründächer seien nicht dicht zu bekommen und verursachten Kosten am laufenden Band. Wenn schon ein Satteldach gebaut werde, dann auch im Aufbau und in der Bedeckung passend zur Umgebung und mit den entsprechenden Dachvorbauten. Architekt Püschel erwiderte, dass es mit den gestiegenen Erfahrungen der Baufirmen und der heutigen Technik durchaus möglich sei, funktionierende und dichte Gründächer zu bauen.

Christine Domek-Rußwurm (CSU) verwies darauf, dass es bei einem kommunalen Neubau heutzutage fast unmöglich sei, sich als Gemeinde und Bauherr der Vorbildfunktion zu entziehen und nicht umweltbewusst und Ressourcen schonend zu bauen.

reh

Artikel 1 von 11