Rote Karte für Radl-Rowdys

von Redaktion

Bald keine freie Fahrt mehr auf einigen Wegen an Farrenpoint und Mitterberg

Bad Feilnbach – Appelle, Informationsrunden und Erklärungen haben letztlich nicht geholfen. Jetzt gibt es die Rote Karte für Radler, die sich im Gebiet zwischen Farrenpoint und Mitterberg rücksichtslos verhalten: Weg-Sperrungen sind die Folge.

Die Untere Naturschutzbehörde Rosenheim hatte die Situation vor Ort geprüft und kam nun zu dem Schluss, dass einige Wege und Steige im dortigen Almgebiet nicht zum Fahrradfahren geeignet sind und nicht befahren werden dürfen. „Die Grundeigentümer der geprüften Wege können das Fahrradfahren ohne weitere Angabe von Gründen auf ihren Wegen untersagen. Eine Missachtung dieses Verbotes gilt nach dem Bayerischen Naturschutzgesetz als Ordnungswidrigkeit“, so Pressesprecherin Tanja Pfeffer.

Vegetation
sehr empfindlich

Der Grund dafür liege hauptsächlich in der empfindlichen Vegetation. „Im Gebirge ist die Vegetationsdecke typischerweise sehr dünn, sodass es schnell zu großflächigen Erosionen kommen kann. Zudem umfahren einige Mountainbiker enge Spitzkehren oder Wegteile mit Stufen, sodass die Wege stark verbreitert, neu verzweigt oder auch umgelagert werden“, erläutert Pfeffer. Besondere Schwierigkeiten stellten in der Folge auch ausgeschwemmte Rinnen nach Regenfällen dar.

Bei den Almwiesen handle es sich hauptsächlich um wertvolle Pflanzenbestände wie sogenannte Borstgrasrasen und artenreiches Extensivgrünland. Diese seien nach dem Bundesnaturschutzgesetz geschützt.

Beeinträchtigt werden sie aber immer wieder von Wanderern und Radfahrern, die abseits ausgeschilderter und öffentlicher Wege quer über Weiden und Wiesen unterwegs sind. „Ein Einzelner denkt sich vielleicht, er richtet keinen Schaden an. Aber es ist die Menge, die es ausmacht“, sagt Wolfgang Bauer (Hansnalm) aus Kutterling. Er hatte bereits früher eine Sperrung von Weidegebieten für Radler auf der Huberalm, Walchalm und Hansnalm beantragt. Er hat schon erlebt, dass sogar der Draht seiner Zäune mit Werkzeug durchgezwickt wurde, um für „freie Fahrt“ zu sorgen. Von Naturschutz werde viel geredet, aber für manche ende der beim eigenen Freizeitverhalten.

Dabei nehme die Mehrheit durchaus Rücksicht, steige zum Beispiel auch vom Rad, wenn der Bauer mit dem Viehtransporter zur Alm fährt und Platz braucht, oder reagiere verständnisvoll auf Hinweise.

Das erlebt auch Familie Vogt von der Huberalm. „Die meisten sind wirklich nette Radlfahrer, die schämen sich eher für die, die keine Rücksicht nehmen“, sagt Tochter Agnes. An der Huberalm gibt es mittlerweile eigens einen Parkplatz, auf dem die Ausflügler ihre Räder abstellen und von dort den Weg zum Gipfel zu Fuß zurücklegen können.

Die Weg-Sperrung hält sie für bitter nötig, man sei froh, diese jetzt umsetzen zu können. „Zuletzt war es schon extrem, da haben wir fast die Freude an der Almbewirtschaftung verloren.“

Nicht allein wegen der kleinen Gruppe uneinsichtiger Radfahrer. Fremde füttern die Tiere, lassen Hunde frei zwischen dem Vieh laufen, legen regelrechte Trampelpfade durch die Natur an.

Pferden keine
Zöpfe flechten

Eltern lassen zu, dass Kinder versuchen, den Pferden Zöpfe zu flechten, Menschen biwakieren oder zelten wahllos, machen Lagerfeuer, hinterlassen Müll, wollen Gleitschirm fliegen, obwohl es keinen ausgewiesenen Startplatz gibt – die Liste ist lang.

Dabei sind sich die Grundeigentümer und auch die Gemeinde einig, dass mit Rücksicht und gegenseitigem Respekt für alle Beteiligten viel gewonnen wäre – die große Mehrheit der vernünftigen Radler und Wanderer beweist das.

Respekt und gegenseitige Rücksichtnahme

In den vergangenen Jahren ist der Besucherdruck in dem Almgebiet zwischen Farrenpoint und Mitterberg immer stärker angestiegen, zu Fuß und auf dem Rad. Durch den Anstieg der E-Bikes hat sich auch die Zahl der Mountainbiker immer weiter erhöht. Konflikte zwischen Wanderern, Mountainbikern und Bewirtschaftern führten in der Vergangenheit bereits zu Diskussionen. Wer im Almgebiet unterwegs ist – egal ob zu Fuß, auf dem Rad oder als Eigentümer: Respektvolles Verhalten und gegenseitige Rücksicht auf Mensch und Tier sorgen dafür, dass alle eine erholsame und ruhige Zeit am Berg verbringen und auch die Natur und die Tiere geschützt bleiben.

Wer auf erlaubten Radwegen mit dem Rad unterwegs ist, sollte neben der Vegetation auch an die Weidetiere denken. Vor allem wenn früh morgens und abends oder nachts mit Stirnlampen gefahren wird, erschrecken die Tiere leicht und fliehen panisch.

Daher sollten diese empfindlichen Zeiten für den Sport vermieden werden oder aber die Fahrweise angepasst werden . Grundsätzlich gilt, dass beim Bergabfahren durch Weidegebiete langsam gefahren werden sollte. Weidetore müssen wieder verschlossen werden, damit sich die Herden nicht mischen. Wenn sich die Tiere auf dem Weg befinden, sollte abgestiegen werden.

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