Grundsätzlich für Fotovoltaik-Freifläche

von Redaktion

Rotter Gemeinderat diskutiert ausgiebig und stimmt mit zwölf zu vier Stimmen dafür

Rott – Ist der Gemeinderat in Rott grundsätzlich bereit, einem Solarfeld zuzustimmen? In der jüngsten Sitzung des Gremiums wurde deutlich: Zwölf Räte können es sich vorstellen. Mit diesem Grundsatzbeschluss ist noch kein Beschluss über die Einleitung eines Bauleitplanverfahrens verbunden.

Im letzten Jahr wurden zwei allgemein gehaltene Anfragen zu Solarfeldern in Ferchen und in Zainach vom Gemeinderat abgelehnt. Es wurde eine negative Wirkung auf das Landschaftsbild befürchtet. Heuer im April stellte Albert Busch dem Gemeinderat seine Pläne in Zainach vor.

Reger Austausch
der Meinungen

Die Fotovoltaik-Freiflächenanlage soll auf einem landwirtschaftlichen Grundstück mit 4,67 Hektar entstehen, das im Besitz von Albert Busch ist. Das betreffende Grundstück liegt ein Stück hinter der Kläranlage und ist östlich von der Bahnlinie begrenzt. Je nach Festlegung der Modulaus-richtung wird mit der Anlage eine voraussichtliche Netzeinspeisung von bis 4500 Megawattstunden ermöglicht. Bei einem angenommenen Stromverbrauch in Höhe von 1500 Kilowattstunden pro Person und Jahr könnten somit über 3000 Bürger mit erneuerbarem und regionalem Strom versorgt werden.

Das Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr empfahl in einem Schreiben vom Dezember letzten Jahres die Erstellung von Standortkonzepten zum Bau und landesplanerischen Behandlung von Freiflächen-Fotovoltaikanlagen.

Seit der Präsentation im April hatten die Gemeinderäte Zeit, darüber nachzudenken. In der jüngsten Gemeinderatssitzung kam die Frage auf die Räte zu, ob sie grundsätzlich sich ein Solarfeld vorstellen könnten.

Bürgermeister Daniel Wendrock (parteilos) eröffnete die Diskussion. Er machte deutlich, dass er alle Argumente für und gegen das Projekt abgewogen habe und sprach sich für das Projekt aus. Rott brauche eine Energiewende. Die Stromversorgung für 3000 Einwohner spräche für sich. Vorteilhaft sei, dass es sich um einen lokalen Anbieter handele, und keinen großen Konzern. Zusätzlich bekomme die Gemeinde neben der Gewerbesteuer zwei Cent pro gewonnene Kilowattstunde. Das Gelände ist nicht einsehbar, wird eingegrünt und biete ein Biotop, so Wendrock.

Gemeinderat Matthias Eggerl (CSU) war ursprünglich gegen das Projekt, nun sprach er sich dafür aus. In der jetzigen Situation sei eine umweltfreundliche Energiegewinnung wichtig, betonte er. Sein Fraktionskollege Sebastian Mühlhuber (CSU) war lange Zeit hin- und hergerissen. Aber: Solarfelder brächten 60-mal mehr Energie als alle Maisfelder für die Biogasanlagen. Er stimmte dafür. Hans Gilg (BfR) ist selbst Landwirt und wehrte sich gegen den Acker- und Wiesenverbrauch. Außerdem sei so ein Solarfeld bestimmt keine Schönheit, befürchtet er.

Dem entgegnete Josef Riedl (BfR), man könne auch in Schönheit sterben. Dieses Grundstück würde nicht der Landwirtschaft entnommen, „außerdem brauchen wir Energie.“

Hans Kirschbaum (RF) sagte, es gäbe auch Voltaikflächen mit einer darunterliegenden landwirtschaftlichen Nutzung. Er wies auch darauf hin, dass die Befürchtung unsinnig sei, es könnten mehre Nachahmer kommen, die das ebenfalls auf ihren Felder wollen. Es gebe nur einen Einspeisungspunkt der Bayernwerke.

Viele Diskussion über Baumaßnahmen

Franz Ametsbichler (CSU) will im Gewerbeverband eine Initiative starten, wie mehr Fotovoltaikanlagen auf die Dächer kommen. Das sei besser als ein Fotovoltaik-Feld.

Christoph Sewald (SPD) stimmte dafür, der gewählte Platz sei dort ideal. Matthias Ganslmeier (BfR) sagte, er sei Landwirt aus Leidenschaft und er könne nicht zustimmen, wenn Ackerflächen verloren gehen. Christian Franke (BFR) hielt den Gemeinderäten vor, dass in der Vergangenheit viele Diskussionen über Baumaßnahmen geführt wurden und keiner sei auf die Idee gekommen, den Bauwilligen eine Fotovoltaikanlage für das Dach vorzuschreiben.

Ein spezielles Eingrünungskonzept

In der Planung werden spezielle ökologische Aufwertungsmaßnahmen für die Tier- und Pflanzenvielfalt umgesetzt: Streuobstwiesen, Nistkästen, Trockenmauern, Insektenhotels, Lesesteinhaufen, Totholzhaufen sowie artgerechte Pflegemaßnahmen. Das gesamte Eingrünungskonzept soll dabei nach EULE-Kriterien (Evaluierungssystem für eine Umweltfreundliche und Landschaftsverträgliche Energiewende) erfolgen, damit die PV-FFA zukünftig als Solarfeld-Biotop und Rückzugsort für die stark bedrohte Artenvielfalt zur Verfügung steht.

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