Schechen – So viel Zeit und Herzblut haben die Pfaffenhofener bereits in die Planung zur Verschönerung ihres Ortes gesteckt. Kein Wunder, dass die Nachricht aus dem Rathaus da nicht so gut ankam: Da vom bayerischen Dorferneuerungsprogramm derzeit keine finanzielle Unterstützung zu erwarten ist, muss das Projekt „Dorferneuerung“ auf unbestimmte Zeit zurückgestellt werden.
Nun hoffen die Pfaffenhofener, dass sich zumindest die Verkehrssituation kurzfristig verbessern lässt. Sie haben einen entsprechenden Antrag an den Gemeinderat gestellt, der in der vergangenen Sitzung diskutiert wurde.
Verkehrssituation
zügig verbessern
„Wir haben viel Energie in die Dorferneuerung investiert“, sagte Gemeinderatsmitglied Lucas Rothstein (SPD/ÜW Schechen), der zusammen mit Lothar Thaler und Herbert Veicht den Vorsitz des Arbeitskreises Dorferneuerung bildet. Deswegen wolle man zumindest kurzfristig die Verkehrssituation verbessern.
„Die Straße ist zu breit, viele fahren einfach zu schnell in den Ort“, betonte Rothstein. Gerade in einige bauliche Veränderungen setze er große Hoffnungen. Mobile Verkehrsinseln etwa seien nicht allzu teuer, könnten schnell und unkompliziert eingesetzt werden. Andere Forderungen der Pfaffenhofener, etwa nach einem Tempo-30-Limit, stießen dagegen an rechtliche Grenzen, musste Rothstein eingestehen.
Diese Vermutung bestätigte Bürgermeister Stefan Adam (CSU). „Es geht mir ja genauso: Ich bin enttäuscht, dass es erst einmal nicht klappt mit der Dorferneuerung“, sagte er, selbst Pfaffenhofener. Fakt sei aber auch, dass die Wasserburger Straße immer eine Durchgangsstraße bleiben werde. Außerdem habe der Ort bereits einiges gewonnen, da die Bundesstraße nicht mehr hindurchführe. Zusammen mit dem Landratsamt und der Polizei habe man die einzelnen Forderungen der Pfaffenhofener anhand der aktuellen Verkehrsdaten bewertet. Diese Zahlen haben sich allerdings deutlich verringert. Als die Straße noch B15 war, waren es rund 520 Fahrzeuge die Stunde. Jetzt, auf der Gemeindestraße, sind es rund 620 Fahrzeuge – pro Tag. Laut Polizei gibt es daher nichts, was verkehrsrechtliche Maßnahmen rechtfertigen würde.
Eine Tempo-30-Zone sei rechtlich nicht durchsetzbar. „Wir haben rechtlich keine Möglichkeit, das auf dieser Straße bei dieser Gefahrenlage zu machen“, so der Bürgermeister. Gemeinderatsmitglied Rothstein verdeutlichte, dass ein unrechtmäßiges Tempo-30-Gebot von der Polizei nicht kontrolliert werden könnte. Außerdem könnten Bürger dagegen klagen und die Polizei würde die Gemeinde auffordern, die Schilder zu entfernen.
Adam ging auch auf die weiteren Forderungen der Pfaffenhofener ein. Für die Errichtung von Zebrastreifen wären mindestens 200 Fahrzeuge und 50 Fußgängerüberquerungen pro Stunde nötig – auch das trifft für den Ort nicht zu. Der Bürgermeister regte an, stattdessen einen Schülerlotsendienst an der Ampel zu organisieren. Ein Durchfahrtsverbot für Lkw sei nur möglich, wenn die Feinstaub- und Stickoxidbelastung oder der Lärm dies erforderlich machen würden. Wegen der gesunkenen Verkehrszahlen und der vorherigen Nutzung als Bundesstraße seien das ebenfalls keine rechtlich haltbaren Argumente.
Ein „Radfahrer-Überholen-Verboten-Schild“ sei rechtlich ebenfalls kaum begründbar. Grundsätzlich dürfen Radfahrer innerorts überholt werden, wenn ein Sicherheitsabstand von 1,50 Metern eingehalten wird. Das ist bei der Straßenbreite von sieben bis 8,50 Metern gefahrlos möglich. Sabine Altendorfer (CSU) regte stattdessen eine optische Markierung mittels eines Radfahrer-Sicherheitsstreifens an. Die Verwaltung will das prüfen.
Die geforderten Parkmarkierungen sind laut Gemeindeverwaltung nicht nötig. Grundsätzlich ist das Parken auf der Wasserburger Straße zulässig, wenn die entsprechenden Regeln der Straßenverkehrsordnung eingehalten werden.
Baumtore sollen
Tempo drosseln
Zielführender sind auch für den Bürgermeister die geforderten baulichen Maßnahmen. Die Errichtung von Blumeninseln, Baumtoren oder elektronischen Zeigefingern an den Ortseingängen sollen nun geprüft werden. Hier stellt sich laut Adam insbesondere die Frage, wie sich die Maßnahmen umsetzen lassen, ohne sich bei einer späteren Dorferneuerung etwas zu verbauen.
Die geforderten Maßnahmen wie Tempo-30-Zone, Zebrastreifen oder Radfahrer-Überholverbot wies der Gemeinderat einstimmig ab. Die Maßnahme, Schikanen oder Blumeninseln an den beiden Ortseingängen zu errichten, wurde mit 14 zu vier Stimmen beschlossen. Die Errichtung weiterer Schikanen an den Bushaltestellen sowie einer Radl-Markierung soll geprüft werden.