von Redaktion

Wallfahrtsort Kirchwald wird zur Freilichtbühne – 60 Laien spielen auf

Nußdorf – Erneut feierte Nußdorf am vergangenen Wochenende seinen Kirchwald, diesmal mit einem Theaterstück, das die 300-jährige die Geschichte des Wallfahrtsortes beleuchtete. Als Chronisten fungierten Kirche und Klause selbst. Sie erzählten wichtige Entwicklungsschritte – von der Gründung über die Jahre, in denen Einsiedler Schüler unterrichteten, vom Beinahe-Abriss in der Zeit der Säkularisation bis hin zu den „Goldenen Samstagen“.

Dabei berichteten der bairisch-beseelte Andreas Auer (Klause) und die intellektuell angehauchte Sylvia Scheuerer (Kirche) nicht nur, sondern ordneten das Geschehen auch in den jeweiligen historischen beziehungsweise kirchengeschichtlichen Hintergrund ein.

Ein Gang durch
die Jahrhunderte

In den Spielszenen dazwischen erfuhren die Zuschauer, die wie in einer Arena dem Geschehen folgen konnten, was sich alles dort oben auf dem Kirchwald zugetragen hat, und zwar in einer Art und Weise, dass man sich wirklich zurück- versetzt fühlte ins jeweilige Jahrhundert. „Wie im Film!“ mag manch einer gedacht haben, wenn er all die verschiedenen Bilder betrachtete: Da traten Prozessionen aus dem Wald, läuteten Glocken zur Maiandacht, üppig ausgestattete Priester und Fratres in braunen Kutten gingen einher, armselig gekleidete Kinder und Handwerker zeigten, dass das Leben in Armut immer doch einen Weg zum Feiern fand und Würste und Brezen dafür brachte sogar ein echtes Pferd. Dazwischen erklangen immer wieder Märsche, Polkas oder Kirchenlieder, gespielt von Mitgliedern der Musikkapelle, die gekonnt auch selbst eine Theaterszene gestalteten.

Immer war natürlich auch Thema, wie sehr Menschen in Not auf dem Kirchwald Hilfe gesucht haben, besonders eindrucksvoll in der Szene, als, während des Gesprächs der Chronisten über die vergangenen Kriege und unter Trommelwirbel, eine Frau wortlos kniet und betet – stellvertretend für all die Menschen, denen der Krieg zum Verhängnis geworden ist. Nach dem gemeinsamen Schlusslied „Segne du, Maria“ läutete die Abendglocke und in der anschließenden Stille mag vielen bewusst geworden sein, welche Kostbarkeit dieser Kirchwald eigentlich bedeutet – auch für ihr eigenes Leben. Wer so gute Beziehungen zu Petrus hatte, der das Wetter geradezu ideal sein ließ für eine solche Veranstaltung, ist nicht bekannt. Wahrscheinlich waren es die flehentlichen Bitten der an die 60 Teilnehmer, die sich mit großem Engagement auf die beiden Theaterabende vorbereitet hatten.

Viele Vereine beteiligten sich

Aus allen Gruppen des Dorfes hatte Renate Pröbstl, Autorin und Regisseurin, sie eingeladen – von Pfarrgemeinderat und Kirchenchor über Grundschule, Feuerwehr und Trachtenverein bis zum Schiffleutverein und Gästen vom Samerberg – und so ein Laien-Ensemble geformt, das nicht nur gut Theater spielte, sondern auch den Geist von Kirchwald verkörpert hat: Miteinander und nicht gegeneinander, Kreativität statt Konsum, Werte und Wertschätzung statt Gleichgültigkeit. Dass auch ein Darsteller, der querschnittsgelähmt ist, dabei war, zeigt, was auch beim anschließend gemütlichen Zusammensein vor der Schneiderwirtshütte spürbar wurde: Gemeinsam ist vieles möglich! Und: Das Freilufttheater darf es gerne öfter geben.

Reise durch die 300-jährige Geschichte

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