Oberaudorf – Christine Dietrich hat in den vergangenen zwei Jahren als Pastoralreferentin die christliche Gemeinschaft im Pfarrverband Oberes Inntal mitgestaltet. Sie unterrichtete in der Grundschule Kiefersfelden und Oberaudorf Religion und war unter anderem für die Vorbereitung der Erstkommunion zuständig. Nun geht ihre Zeit als Pastoralreferentin im Inntal zu Ende. In einem Interview mit den OVB-Heimatzeitungen lässt sie die vergangenen zwei Jahre Revue passieren.
Frau Dietrich, ganz spontan: drei Erfahrungen, die Sie aus den zwei Jahren Ihres Wirkens im Pfarrverband Oberes Inntal in Ihren neuen Aufgabenbereich mitnehmen.
Ich durfte hier im Pfarrverband so viele schöne Erfahrungen machen. Ganz besonders denke ich da an die gute, für mich sehr bereichernde Zusammenarbeit mit den Hauptamtlichen wie auch mit den Ehrenamtlichen. Ich denke an die vielen guten Gespräche, die mir zeigten, dass wir im Glauben miteinander suchend unterwegs sind, voneinander lernen und gemeinsam in die gleiche Richtung schauen. Und ich nehme die vielen guten Begegnungen mit, in denen die Freude unseres Glaubens zu spüren war.
Als zentrale Aufgabe eines Pastoralreferenten wird die seelsorgliche Begleitung der Gemeinde, gemeinsam mit Priestern und Diakonen, definiert. Derzeit befindet sich die Kirche in einer enormen Krise, immer mehr Menschen treten aus – wie gehen Sie mit dem Kirchenfrust um?
Es schmerzt mich, in welch schlechtes Licht Einzelne die Kirche gerückt haben. Und welch erschreckende Entwicklung die Kirche in unseren Zeiten nimmt, macht mich traurig. Und gleichzeitig kenne ich so viele positive und überzeugende Menschen, die sich haupt- oder ehrenamtlich in der Kirche vor Ort engagieren und durch ihren Einsatz, ihre Ausstrahlung und ihre gewinnende Art Großartiges leisten und bewirken. Auf das viele Gute und Schöne, das Gott sei Dank im Namen der Kirche auch heute noch geschieht, versuche ich mich zu konzentrieren. Das lässt mich all den Frust aushalten…
Gerade mit Blick auf diese Verwerfungen ist es bewundernswert, dass Sie als junge Frau diesen Beruf gewählt haben, der ein Studium der katholischen Theologie und eine praktische Ausbildung – wie eben hier im Pfarrverband – beinhaltet. Was hat Sie ermutigt, dieser Be-Rufung zu folgen?
Für mich gibt es nichts Schöneres, als Menschen in den unterschiedlichsten Lebenssituationen zu begleiten und mit ihnen ein Stück Leben und Glauben zu teilen. Dass ich diesen langen Ausbildungsweg durchgezogen habe, verdanke ich vor allem Menschen, die mich begleiteten, die mir Vorbild waren, und die mich immer wieder neu ermutigten.
Was macht Ihnen, die Sie ja auch im Schuldienst tätig sind, Hoffnung?
Große Hoffnung schenkt mir der Heilige Geist. Immer wieder darf ich in meiner Arbeit erleben, dass wir Menschen nicht auf uns allein gestellt sind. Wenn Kinder ins Staunen kommen über die Größe Gottes, wenn Begeisterung für Jesus und seine Botschaft den Raum erfüllt, wenn die Freude am Glauben ansteckt, wenn Verzweifelte neue Kraft und Traurige Trost finden – all das sind für mich Momente, in denen ich Hoffnung und Zuversicht spüre, denn dann merke ich ganz deutlich den göttlichen Beistand.
Ein Satz, den Sie den Gläubigen, aber auch den Zweiflern und jenen, die austreten wollen oder schon die Tür zur Kirche hinter sich geschlossen haben, ans Herz legen wollen…
Jesus Christus spricht: „Ich bin bei Euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“
Interview: Eva-Maria Gruber