Stephanskirchen – Frauengemeinschaft. Das klingt ein wenig verstaubt. Eher nach 1960er- als 2020er-Jahre.
Fand Traudl Unterseher auch. Und hatte deswegen lange kein Interesse an der Stephanskirchner Frauengemeinschaft. „Vor zwei oder drei Jahren fiel mir dann ein Flyer in die Hand, in dem sich die Frauengemeinschaft vorstellte. Und das klang richtig gut, war so nett geschrieben, dass ich mich angesprochen fühlte“, erinnert sich die 51-Jährige. Das Interesse war geweckt.
Bei Anett Unverzagt war‘s die nette Nachbarin. „Wir haben im Garten geratscht und sie hat von den Aktivitäten der Frauengemeinschaft erzählt. Fand ich gut. Und dann hat sie mich eingeladen, doch mal mitzukommen“, erzählt die 46-Jährige.
Corona? Die Frauen
erlebten Schlimmeres
Aber noch war Corona, war auch die Stephanskirchner Frauengemeinschaft ausgebremst. Die Damen nahmen’s sportlich. „Welcher Verein hält sich schon 100 Jahre? Und hat dabei mehrere schwere Zeiten durchlebt? Wir waren sicher, dass wir auch die Pandemie überstehen“, sagt Vorstandsmitglied Martha Fischbacher selbstbewusst.
„Ein Verein kann nur überleben, wenn er Mitglieder hat, die sich engagieren“, sagt Traudl Unterseher, und sie habe Lust dazu. Zwar sei die Fahnenweihe am kommenden Montag und die „100 Kuchen für 100 Jahre“-Aktion am Sonntag für sie die erste größere Aktivität, aber etliche der Frauen kenne sie schon aus der Dorfgemeinschaft in Kohlhaufmühle und Umgebung, andere aus gemeinsamen Kindergartentagen des Nachwuchses.
Anett Unverzagt, die erst seit fünf Jahren in Stephanskirchen lebt, kennt eine Handvoll der Frauen schon ganz gut, hofft aber, dass sie noch besser ins Ortsleben hineinkommt. „Ich bin ein Großstadtkind und habe erst hier, in Stephanskirchen, erlebt, wie wichtig das Vereinsleben ist.“
Die Frauengemeinschaft ist nicht konfessionell gebunden. Nicht nur Anett Unverzagt ist evangelisch, andere Mitglieder sind es auch. Und die Frauen des Vorstandsteams hoffen, dass auch Frauen aus der Ukraine den Weg zur Frauengemeinschaft finden. „Wir können doch nur voneinander lernen“, so Rosina Eiwen, gleich ob es um Ansichten, Bräuche, Kultur oder Küche gehe.
Klassisch bayerische Bräuche erlebt Anett Unverzagt am kommenden Montag, an Mariä Himmelfahrt, zum ersten Mal als Teilnehmerin: Fahnenweihe und Festzug. „Mein erster Festzug – und irgendwie bin ich richtig stolz, dass ich mitgehen darf“, lacht sie.
Die Verjüngung
vorantreiben
Dass sie mit Mitte 40 zu den Jungen gehört, das will Anett Unverzagt ändern. „Ich bin zwar bei den sozialen Netzwerken nicht so fit, wie die Jugendlichen, habe aber keine Berührungsängste und möchte da gerne mithelfen, jüngere Frauen zu gewinnen.“
Die sind wichtig, um den Fortbestand des Vereins zu sichern. Sie müssen nur eines wissen: Die Frauengemeinschaft hat unter den Vereinen bei gemeinsamen Veranstaltungen laut Martha Fischbacher einen Ruf zu verteidigen: „Wir sind die, die immer das wilde Zeug machen.“