Neubeuern – Der Marktgemeinderat Neubeuern hat in seiner jüngsten Sitzung die Aufstellung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplans in der Rosenheimer Straße beschlossen: Hier sollen in den kommenden Jahren 25 genossenschaftliche Wohnungen in der Größenordnung von etwa 40 bis 110 Quadratmetern entstehen, die vor allem den Wohnbedarf von Einheimischen und Personen mit Ortsbezug decken sollen. Mit nur einer Gegenstimme wurde die Einleitung des Vorhabens angenommen.
Erfahrener Partner
zur Umsetzung
„Bereits seit einiger Zeit hat sich der Gemeinderat mit dem genossenschaftlichen Wohnen beschäftigt“, berichtete Bürgermeister Christoph Schneider (Unabhängige Neubeurer). „Dabei haben wir mit der Wasserburger Wohnungsbaugenossenschaft einen guten Partner gefunden, der im Bau und in der Vermietung sehr erfahren ist und durch sein Vergabeverfahren und die niedrigen Einstiegshürden durchaus gemeindliche Interessen vertritt“, erläuterte der Bürgermeister.
Im Ortsausgang von Altenmarkt in Richtung Neuwöhr sollen auf einem Grundstück in der Größe von 4000 Quadratmetern drei Baukörper entstehen. Sie sollen nach Vorabstimmung mit dem Planungsbüro Wüstinger und Rickert aus Frasdorf und dem Kreisbaumeister Rupert Seeholzer durch eine entsprechende Gestaltung, eine Ortsrandeingrünung und durch unterschiedliche Höhen einen landwirtschaftlichen Charakter erhalten.
30 Stellplätze sind als Tiefgaragenplätze geplant. „Die Gestaltung kann bei einem vorhabenbezogenen Bebauungsplan sehr detailliert festgeschrieben werden, sodass sich die Anlage gut in den ländlichen Raum integrieren kann“, erläuterte Christoph Rickert vom Planungsbüro in der Gemeinderatssitzung.
Bürgermeister Schneider berichtete von diversen Anliegerversammlungen und auch von einer Informationsveranstaltung in der Vorwoche und ging dabei noch einmal auf die Vergabeverfahren für die Wohnungen ein. Wie auch beim Bauvorhaben am Mutzenweg, bei dem derzeit fünf genossenschaftliche Wohnungen errichtet werden, wird es bei der Erstvermietung eine dreimonatige Phase geben, in welcher ausschließlich Bürgerinnen und Bürger aus Neubeuern Wohnungen anmieten dürfen.
Danach und zeitlich unbefristet gelten die Vergabekriterien der Wohnungsbaugenossenschaft, die sich in einem Vergabeausschuss diverse Kriterien selbst auferlegt hat. Zu diesen Kriterien gehören die Verbundenheit zum Ort – Arbeitsplatz, schulpflichtige Kinder, Vereinsmitgliedschaften – sowie soziale Kriterien. Liegt bei einem Familienmitglied eine Schwerbehinderung vor oder bewirbt sich eine alleinerziehende Person auf eine Wohnung.
Darüber hinaus gilt der Grundsatz, dass niedrige Einkommen Vorrang vor höheren Einkommen haben. Die Vergabekriterien werden im Vergabeausschuss besprochen und die Entscheidung dann begründet und nachprüfbar dokumentiert.
Der Gemeinderat sprach sich in seiner Sitzung für das Vorhaben aus. Gemeinderat Konrad Stuffer (CSU) unterstrich, dass man in die Genossenschaft Vertrauen haben darf. Sie sei seit 70 Jahren in Bau und Vermietung aktiv, habe 1500 Wohnungen im Bestand und die Rückmeldungen von anderen Standortgemeinden seien durchweg positiv. Auch die langen Mietverhältnisse sprächen für die Genossenschaft.
Auf Nachfrage von Gemeinderat Sebastian Heibler (Beurer Bürgernähe), ob man sich als Gemeinde in Sachen Vergabeentscheidung noch mehr absichern und Einfluss geltend machen könne, waren sich die meisten Gremiumsmitglieder einig, dass das nicht notwendig sei.
„Die Genossenschaft hat ihre funktionierenden und gewählten Organe. Sollten Mitarbeiter aus dem Rathaus, der Bürgermeister oder Gemeinderäte bei der Vergabeentscheidung beteiligt werden, hätte das vielleicht sogar einen negativen Beigeschmack“, betonte der Zweite Bürgermeister Wolfgang Sattelberger (CSU).
Gemeinderat Erhard Heiß (Beurer Bürgernähe) erkundigte sich nochmals nach dem Start und über das Erstanmietungsrecht durch die Neubeurer Bürger.
Bürgermeister Christoph Schneider betonte, dass diese Phase während der Rohbaufertigstellung beginne. Es sei unglaublich wichtig, so Schneider weiter, dass die Gemeinde, die Räte, aber auch die Bevölkerung laufend auf das Projekt verweise und die einheimische Bevölkerung auf das Angebot aufmerksam mache.
Es wäre zu Zeiten hoher Immobilienpreise für viele Menschen am Ort die Chance, sich etwas zu schaffen. Dadurch, dass man durch die Mitgliedschaft in der Genossenschaft vor Eigenbedarfskündigungen geschützt sei und die Genossenschaft unter den ortsüblichen Marktpreisen vermieten müsse, wäre die Chance auf ein „solides eigentümerähnliches Mietverhältnis“ in Neubeuern gegeben, so Schneider.
Nur ein Gemeinderat stimmt dagegen
Bei der Abstimmung, die nun das bauplanungsrechtliche Verfahren einleitet, stimmte nur Gemeinderat Martin Schmid (Beurer Bürgernähe) gegen die Aufstellung des Bebauungsplans. 15 Ja-Stimmen aus allen vier Fraktionen gaben den Startschuss für das Projekt.