Aschau – In Aschau laufen noch die Hundertjährigen! Gleich elf Motorräder bei der sechsten Kampenwandhistoric 2022 wurden noch in den 20er-Jahren des letzten Jahrhunderts gebaut.
Heute weitgehend unbekannte Firmen, wie Ariel, Rudge, Calthorpe oder Indian, und Typenbezeichnungen, die es längst nicht mehr gibt und über die nur noch Spezialisten Bescheid wissen. Ersatzteile gebe es dafür natürlich längst nicht mehr, erzählten die stolzen Besitzer. Alles, was ersetzt werden muss, das muss mit der Hand gefertigt werden. Hier stimmt der alte Motorradspruch: eine Stunde fahren – einen Tag schrauben – vollkommen.
Elf dieser alten Schmuckstücke kamen nach Aschau, um an der Kampenwandhistoric 2022 teilzunehmen. Als Schirmherr hatte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann dem Rennen einen guten Verlauf gewünscht: Bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 50 Stundenkilometern brauche er sich wohl keine Sorgen zu machen.
Streckensprecher Karl Meier stellte die betagten Motorräder dem Publikum vor, aber da die meisten Besucher eh vom Fach waren und sich mit Motorrädern, Benzin und Motoröl bestens auskannten, wussten die meisten auch schon nach der Namensnennung Bescheid.
Wo sonst rund um die Aschauer Festhalle beschauliche Ruhe und vollkommene Stille herrschen, war es an diesem Wochenende ganz anders: heulende Motoren von Solomaschinen und Gespannen verrieten den Schauplatz von Weitem, Auspuffgeruch, Benzinschwaden und Öldunst waberten durch die Luft. Die sechste internationale Kampenwandhistoric – ein Motorrad Classic Grand Prix – zog Zuschauer aus der ganzen Region nach der Corona-Pause wieder ins Festhallengelände. Leider spielte das Wetter am Samstag nicht ganz so mit. Und so fanden nur die ganz Harten den Weg ins Priental. Hautnah standen sie an der Strecke und sahen die Motorräder vorbeifahren, die alten betagten mit nur wenigen Pferdestärken etwas langsamer, die neuen dagegen pfeilschnell. Streckensprecher Karl Meier wusste zu jeder Maschine etwas zu sagen. Auf Geschwindigkeit kam es bei diesem Rennen gar nicht an, die uralten Maschinen aus den Kindertagen des Motorsports hätten mit ihren paar PS sonst keinerlei Chancen gegen die hoch getunten Geschosse der Neuzeit gehabt.
Organisator Manfred Stein hatte die sechste Kampenwandhistoric auf einem 750 Meter langen Rundkurs unterhalb von Schloss Hohenaschau in 14 Klassen unterteilt und als Gleichmäßigkeitslauf ausgeschrieben.
Gleichmäßigkeitsläufe sind nicht auf Tempo ausgelegt und schonen das historische Fahrzeugmaterial. Bei Rundkursen wird vom Fahrtleiter die Runde festgelegt, deren Zeit als Maß genommen wird. Alle darauf folgenden Runden müssen in möglichst gleicher Zeit absolviert werden, die jeweiligen Abweichungen werden in Strafpunkten zusammengezählt. Bei diesen Fahrten ist also der Teilnehmer mit der niedrigsten Punktzahl der Sieger.
Trotzdem ging es ganz schön zur Sache, vor allem bei den Beiwagenmaschinen. Das traditionelle Rahmenprogramm während der Mittagspause – ein paar Runden als Schmiermaxe auf den Beiwägen mit den Kindern des Aschauer Behandlungszentrums aus dem Würzburger Haus – fiel in diesem Jahr dem Regen zum Opfer.
„Leider ist der Transport von Rollis auf dem Beiwagen nicht möglich. Aber das Leuchten dieser Kinderaugen ist mehr wert als alle Pokale, die ihr hinterher mit nach Hause nehmen dürft“, sagte Manfred Stein, der diese Sonderfahrten seit der allerersten Kampenwandhistoric fest im Programm hat, zu den Fahrern.
Hans Steinberger aus dem nahen Frasdorf stellte aus seiner Oldtimersammlung ein Dutzend perfekt hergerichtete Motorräder vor. Einige davon lieferten sich dann auf dem Rundkurs ein heißes Rennen. Bürgermeister Simon Frank dankte dem Veranstalter Manfred Stein für die Planung und Durchführung dieser motorsportlichen Veranstaltung, damit habe er wieder einmal ein Zeichen für weitere Vorhaben dieser Art gesetzt. Heinrich Rehberg