Frasdorf – „Unsere Aufgabe ist es ein Kinderhaus zu bauen, dabei müssen wir auch die entstehenden Kosten im Auge behalten. Wir brauchen diese Kindertagesstätte, sie muss zu allererst ihren Zweck erfüllen und soll sich in das Ensemble Wildenwarter Kirchberg einfügen“, fasste Frasdorfers Gemeinderätin Christine Domek-Russwurm (CSU) die Redebeiträge ihrer Kollegen nach langer, hitziger Diskussion zusammen. Der Geschmack jedes einzelnen Gemeinderatsmitglieds könne aber nicht bei der Verwirklichung in jedem Einzelfall berücksichtigt werden. „Wenn uns für eine Beeinträchtigung des Wildenwarter Postkartenidylls durch den Neubau der Preis zu hoch ist, müssen wir uns einen anderen Bauplatz suchen. Ein Haus für 150 Kinder braucht seinen Platz“.
Blick vom Pfarrhaus
wird beeinträchtigt
Jeder Gemeinderat brachte sich in die Diskussion um den Neubau der Kita ein und es kamen viele interessante Vorstellungen über die künftige Verwirklichung der Pläne zum Vorschein. Als Bürgermeister Daniel Mair (CSU) schließlich abstimmen ließ, war das Ergebnis eindeutig: mit zehn zu fünf Stimmen beschloss das Gremium die Kita in der bereits seit der vergangenen Sitzung bekannten Form in Ost-West-Richtung quer zum Gelände zu bauen. Die Einschränkung der Aussicht vom Pfarrheim aus auf die Berge werde dabei bewusst in Kauf genommen. Bereits bei der vergangenen Sitzung gab es eine einheitliche Tendenz zu dieser Lösung, doch wollten die Gemeinderäte vor einem endgültigen Beschluss noch weitere Varianten sehen. Architekt Bernhard Püschel präsentierte daher bei der Gemeinderatssitzung weitere Pläne und Modelle des Bauvorhabens. Sämtliche bisher vorhandenen Räume bleiben auch in den weiteren Varianten erhalten, die Größe und Höhe der Gruppenräume ist unveränderbar und so vom Gesetzgeber vorgeschrieben.
Diskutiert wurde als zweite Möglichkeit über eine komplett andere Ausrichtung des Bauwerks von Nord nach Süd, parallel zur Pfarrer-Strobl-Straße – das Bauwerk ist identisch mit der bekannten Variante und wurde lediglich um 90 Grad gedreht. Als dritte Möglichkeit stellte Architekt Püschel ein Gebäude in L-Form an der westlichen Seite des Grundstücks vor. Während die Lösung an der Straße nur auf wenig Gegenliebe stieß, wurden die Vor- und Nachteile der dritten Variante (L-Variante) ausgiebig diskutiert.
Bei einer Verwirklichung entstünde dabei ein Innenhof, der fast ganztägig besonnt sei, allerdings gebe es mehrere Gruppenräume, die am Nachmittag keine Sonne mehr erhalten. Als besonderes Schmankerl entstehe an der Nahtstelle ein Raum von rund 100 Quadratmetern, den es bei den anderen beiden Varianten nicht gebe. Dieser lasse sich als Indoor-Spielplatz mit Großspielzeugen oder als Aula oder für sonstige gemeinsame Aktivitäten als großer Saal nutzen.
Als die Gemeinderäte allerdings hörten, dass diese Fläche nicht förderfähig sei und zusätzlich 100 Quadratmeter Fläche versiegelt werden, nahm das Interesse ab.
Julian Richter (PFWF) sprach sich bis zuletzt gegen den Ost-West-Entwurf aus: er sei zu massiv. Der L-förmige Bau schaffe durch seinen Innenhof eine heimelige Atmosphäre und stelle keinen solch wuchtigen Riegel dar, wie die erste Planung. Josef Enzinger (Parteifreie Wählergruppe Frasdorf) schlug vor, den gesamten Bau noch weiter in den Boden zu drücken und damit die Bauhöhe zu vermindern. Julian Richter (PFWF) sah in dem Neubau auch eine Möglichkeit, den Kindern durch gezielte Umweltschutz-Maßnahmen wie Fotovoltaik und Begrünung schon früh Werte zu vermitteln. Georg Wörndl (BP) stellte fest, dass es nach seiner Kenntnis bisher keinen ablehnenden Beschluss der PV-Anlage gegeben habe. Gerade in der aktuellen Energielage könne es sich die Kommune nicht leisten, auf eine solche Anlage zu verzichten.
Beschluss trotz
fünf Gegenstimmen
Christian Stocker (FWW) erklärte, dass er dem Bau einer PV-Anlage auf dem Dach der Kita niemals zustimmen werde – das Erscheinungsbild des Ensembles sei durch den Neubau bereits genug gestört. Stocker bedauerte das Abstimmungsergebnis: der Gemeinderat habe extra weitere bessere Varianten beim Architekturbüro angefordert und jetzt sei man doch wieder auf den ersten Entwurf zurückgekommen.