„Und er fährt doch!“

von Redaktion

Der Rohrdorfer Wiesn-Express ist wieder unterwegs

Rohrdorf – Tief betroffen zeigten sich viele Wiesn-Besucher aus der Region Rohrdorf, Samerberg, Thansau und Umgebung, als Helmut Wiesböck, Initiator des Wiesn-Express‘ und Inhaber der Logistik Wiesböck, im Frühjahr 2019 das Aus für den allseits beliebten Wiesn-Express verkünden musste. Grund waren damals die strengeren Vorschriften des Eisenbahn-Bundesamtes (EBA). Die hatten es in sich, und als auch noch die Corona-Pandemie hinzukam, vermochte niemand an ein baldiges Comeback des historischen Gespanns zu glauben. Das nun bevorstehende Revival ist in erster Linie Wiesböcks hartnäckigen und zielstrebigen Vorgehen zu verdanken. So konnte er vor wenigen Tagen aufjubeln und mit Stolz feststellen: „Und er fährt heuer doch!“

Alte Diesellok
aus dem Jahr 1958

Für viele Bürger aus Rohrdorf und den Nachbargemeinden gehörte die Fahrt mit dem Wiesn-Express einfach zum Rosenheimer Herbstfest dazu. Noch im Jahr 2018 brachte der Express zwei Wochen lang seine Fahrgäste nach Rosenheim. Eingesetzt wurde ein Waggon aus der Produktion der Maschinenfabrik Esslingen aus dem Jahr 1958 und eine fast ebenso vom Typ V 60, die als Arbeitspferd des Rangierdienstes gilt. „Der Beiwagen ist noch das einzige betriebsbereite Exemplar seiner Art“, so Wiesböck.

Anzumerken bleibt, dass der Unterhalt der Fahrzeuge, deren Vorbereitung für den sicheren Betrieb, die Durchführung der Fahrten sowie die DB-Lizenz zur Streckennutzung dem Unternehmer eine Stange Geld kostet, die sich alleine über den Fahrkartenverkauf nicht wieder einspielen lässt, sagt Wiesböck.

Dann kam am 4. Dezember 2018 schließlich das Aus für den Museumszug per EBA-Pressemeldung. Wie ein Blitz aus heiterem Himmel traf es seinerzeit nicht nur Wiesböcks Attraktion, sondern bundesweit gleich viele andere kleinere Museumseisenbahnen. Demnach ist keine geschäftsmäßige Weitergabe von Sicherheitsbescheinigungen (SiBe) anderer Unternehmen mehr möglich. Dieser allerdings bediente sich Helmut Wiesböck, wenn es um den Betrieb des Zuges ging.

Ein befreundeter Betrieb aus dem Rhein-Sieg-Kreis half ihm damit aus. „Um in den Besitz solch einer eigenen SiBe zu gelangen, wären Investitionen von rund 100000 Euro notwendig gewesen. Alleine dieser Betrag steht in keinem Verhältnis zum alljährlichen Wiesn-Betrieb, der ja nur wenige Tage im Jahr stattfindet“, erklärt Wiesböck. Im Gegenteil, das alljährliche Engagement sei nur mit Unterstützung von Sponsoren möglich. Durch den Erlös aus dem Fahrkartenverkauf alleine könne so ein Betrieb nicht finanziert werden.

„Dabei liegt es nicht an der Bahnstrecke, auf der täglich schwere Güterzüge das Zementwerk beliefern. Auch die Wagen und das Personal mussten fit für den Wiesn-Einsatz sein. Erst Ende 2018 haben wir 80000 Euro in die beiden Fahrzeuge gesteckt und sie mit Erfolg einer Hauptuntersuchung unterzogen. Auch das Lok-Personal wurde qualifiziert“, sagt Wiesböck. Im Laufe der vergangenen Jahre trafen dann einige glückliche Umstände zusammen, die den Zug seiner Renaissance näher brachten. Während im hohen Norden die Holsteinische Eisenbahngesellschaft eine Möglichkeit schaffte, historische beziehungsweise musealische Verkehre abzuwickeln, investierte Wiesböck in seinen eigenen Betrieb und schaffte sich selbst die Möglichkeit, die Fahrzeuge einer Hauptuntersuchung (HU) durchführen zu können.

Auch durch eine Kooperation mit der Chiemgauer Lokalbahn aus Obing konnte er weiteres Fahrpersonal rekrutieren. Und so ist es nun soweit, dass nach einer dreijährigen Zwangspause der beliebte Wiesn-Express erstmals wieder Fahrgäste von Rohrdorf über Thansau nach Rosenheim befördern kann.

Preise seit 2018
nahezu gleich

Die Preise sind seit 2018, trotz deutlicher Kostensteigerung, nahezu gleich geblieben. „Gerade, weil aktuell fast alles teuer wird, ist es mir wichtig, dass der Wiesn-Express für alle erschwinglich bleibt. Gerne trage ich deshalb die Mehrkosten für den Betrieb in diesem Jahr selbst“, erklärt Helmut Wiesböck.

Die Bahn kommt

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