Wenn das kostbare Nass knapp wird

von Redaktion

Ein heißer Sommer und wenig Niederschlag – Berghütten merken den Wassermangel

Flintsbach/Oberaudorf – „Derzeit leiden viele Hütten unter Wassermangel“, sagt Robert Kolbitsch, Ressortleiter für Hütten und Wege vom Deutschen Alpenverein (DAV) auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen. Am Brünnsteinhaus sind laut dem Deutschen Wetterdienst, in den Sommermonaten Juni bis August 434 Liter pro Quadratmeter gefallen.

Das sogenannte vieljährige Mittel lag in den gleichen Monaten in den vergangenen Jahren bei 601 Liter pro Quadratmeter. Die Wasserknappheit merken die Wirte und Pächter der Berggasthöfe und Hütten bei uns in der Region – auf unterschiedliche Weise.

Stromversorgung
kann betroffen sein

Der Wassermangel hat Folgen auf die Stromerzeugung sowie den Wasserverbrauch, so Kolbitsch. „Wenn eine Hütte ein Kleinwasserkraftwerk zur Stromerzeugung verwendet und dort der Wasserstrom zurückgeht, fehlt der Hütte ein Teil des Stromes“, sagt der Ressortleiter. „Gravierender ist es allerdings, wenn Wasser für die Wasserversorgung fehlt. Dann gehen die Hütten in einen eingeschränkten Betrieb, sperren zum Beispiel Duschen oder stellen Nottoiletten ohne Wasserspülung auf. Im schlimmsten Fall droht die Schließung der Hütte.“ Soweit ist es bei dem Berggasthof Hohe Asten zum Glück noch nicht. „Wir haben früh darüber nachgedacht und gut gehaushaltet“, sagt Besitzerin Christa Astl. Der Berggasthof ist an eine Quelle angeschlossen. Damit sie genügend Wasser führt, sei gerade der Winter wichtig, erklärt die Wirtin.

Das Wasser, dass langsam im Boden versickert, fülle die Wasserspeicher wieder auf. „Der Starkregen, der im August auf harten Boden gefallen ist, bringt nichts.“ Der Boden sei zu trocken, um das Wasser aufzunehmen.

Einschränkungen müssen die Wanderer aufgrund von Wassermangel am Berggasthof Hohe Asten noch nicht befürchten. „Wir haben aber für die Tiere eine Zisterne gebaut“, sagt Astl. Damit kann auch das Regenwasser genutzt werden. Denn neben der Gastronomie betreibt die Familie Astl eine Landwirtschaft, bei der im Sommer die Tiere auf der Alm sind. Und auch sie brauchen Wasser.

Sepp und Yvonne Tremml, die Pächter des Brünnsteinhauses mussten bereits Maßnahmen aufgrund von schwindender Wasserressourcen treffen. Das Brünnstein ist, wie die Hohe Asten an eine Quelle angeschlossen, der Wasserstand sei jedoch „im August ganz schön zurückgegangen“, sagt Sepp Tremml.

Zwischen Juni und August gab es 16 Tage, in denen die Temperaturen über 30 Grad stiegen. Das vieljährliche Mittel zwischen 1961 und 1990 lag hier bei sechs Tagen und stieg in den vergangenen Jahren, laut Wetterdienst, bereits auf elf an.

„Wir haben in die Toiletten Informationszettel gehängt, die Wasserhähne haben wir umgerüstet“, sagt Tremml. Anstatt Wasserhähnen, die jeder selber betätigen kann, gibt es nun wassersparende Selbstschlusswasserhähne. Duschen gebe es auf dem Brünnsteinhaus, das rund 50 Gäste fast, eh nicht, so der Pächter.

Nicht nur ein
regionales Problem

Mit dem Problem schwindender Wasserspeicher stehen Sepp Tremml vom Brünnsteinhaus und Christa Astl von der Hohen Asten nicht alleine dar. Eine genaue Zahl an betroffenen Hütten hat der DAV derzeit nicht, aber der Wassermangel „geht queerbeet durch Gebirge, Länder und Hüttenarten“, sagt Kolbitsch.

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