Infotafel erinnert an hoheitlichen Besuch

von Redaktion

Drei Töchter von König Ludwig III. suchen zum Ende der Monarchie Schutz in Hintergschwendt

Aschau – „Mit dieser Tafel wollen wir an den Aufenthalt der bayerischen Königstöchter nach der Revolution 1918 im Gemeindebereich von Aschau erinnern“, erklärte Bürgermeister Simon Frank bei der Enthüllung der Gedenktafel. Mit Dr. Natascha Mehler, der Vorsitzenden des Heimat- und Geschichtsvereins (HGV), und Historikerin Martina Stoib entfernte er in Anwesenheit zahlreicher Mitglieder des HGV die Hülle um die neu gestaltete Erinnerungstafel.

Führung zu Originalschauplätzen

Die Historikerin führte ihre geschichtsbewussten Zuhörer durch Vorder- sowie Hintergschwendt auf der Spur der bayerischen Hoheiten an die Originalschauplätze der damaligen Ereignisse. Zuletzt trafen sie sich zu einer Lesung von Christoph Thoma. Der Autor trug Auszüge aus seinem Buch „Fernweh – Heimweh“ vor.

In Hintergschwendt fanden drei bayerische Königstöchter, die Prinzessinnen Hildegard (damals 37 Jahre), Wiltrud (34) und Gundelinde (27), ein paar Tage nach dem Ende der bayerischen Monarchie Anfang November 1918 einen sicheren Aufenthalt. Während über König Ludwig II. ganze Bibliotheken mit Lebensbeschreibungen gefüllt wurden, gibt es zum Leben und zur Regierungszeit des letzten bayerischen Königs Ludwig III. recht wenig Material. Das Ende der Monarchie und der Aufenthalt der Prinzessinnen in Gschwendt und Laiming sind im Gedächtnis der Chiemgauer Bevölkerung rund um Wildenwart und Aschau fest verankert.

Die Historikerin machte mit Zitaten aus dem Tagebuch der Prinzessin Wiltrud und den Erinnerungen der Gschwendtner Bauern die Stationen der Flucht der drei Frauen für die Zuhörer an den Originalschauplätzen wieder lebendig.

Ludwig III. stand politisch unter Druck, seine Frau war sterbenskrank und die neun noch lebenden Kinder hatten Angst, ermordet zu werden. Dieses Schicksal stand den gekrönten Häuptern im Deutschen Reich und in Österreich-Ungarn vor Augen.

Noch in der Nacht machte sich die königliche Familie auf den Weg nach Schloss Wildenwart. „Alles kam so überraschend, nichts war vorbereitet“, notierte Wiltrud im Tagebuch. In drei defekten Automobilen ohne Luft in den Reifen und Licht setzte sich die Familie am Abend des 7. Novembers Richtung Süden ab. Das Schloss Wildenwart war, trotz seiner Abgeschiedenheit, auch den neuen Machthabern in München als Sommerresidenz der Königsfamilie bekannt. So fühlte sich die Familie auch hier nicht sicher und man beschloss, sich zu trennen.

König Ludwig III. ging mit der schwerkranken Königin Maria Theresia und der ausgebildeten Krankenschwester Prinzessin Helmtrud nach Schloss Anif in Salzburg, die drei Prinzessinnen Hildegard, Wiltrud und Gundelinde machten sich in der Nacht zum 9. November zu Fuß in bäuerlicher Kleidung auf ins abgeschiedene Hintergschwendt unterhalb der Kampenwand und klopften schutzsuchend an die Türen der dortigen Gehöfte.

An diesem Tag hüllte starker Nebel das Hochplateau ein, Prinzessin Wiltrud ging am Nachmittag zum Feldkreuz hinauf. An diesem ließ sie später eine Erinnerungstafel anbringen. Am 19. November kehrten die Königstöchter zurück nach Wildenwart, einen Tag vorher war dort das Königspaar angekommen.

Hausaltar erinnert
an das Ereignis

Die Königsfamilie bedankte sich bei den Gastgebern. Ein Hausaltar – zuletzt bei einer Ausstellung in Frasdorf gezeigt – erinnert noch heute in Hintergschwendt an die ereignisreichen Tage. Ein Wegekreuz trägt eine Gedenktafel zur Erinnerung an Prinzessin Wiltrud. Im Buch von Christiane Böhm „Eben noch unter Kronleuchtern – Die Revolution 1918/1919 aus Sicht der bayerischen Königstöchter“ gibt es diese zehn Tage zum Nachlesen.

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