Stephanskirchen – Die Sanktionen gegen Russland schlagen bis in die Büros im Stephanskirchner Rathaus durch. Schuld ist das Bundeskabinett beziehungsweise dessen „Kurzfristenergieversorgungssicherungsmaßnahmenverordnung“. Ja, die heißt wirklich so, versichert Geschäftsleiter Dr. Andreas Uhlig auf Nachfrage amüsiert. Eine Folge: Die Temperatur in den Büros wird auf maximal 19 Grad gedrosselt, wie Bürgermeister Karl Mair (Parteifreie) in der jüngsten Sitzung des Gemeinderates bekannt gab.
Steppmantel
und Moonboots
Dieser Teil der Maßnahmen sei im Rathaus „durchaus umstritten“, sagte Mair. Ein Blick in die Gesichter der anwesenden Verwaltungsmitarbeiter bestätigte diese Aussage: Die einen schauen etwas mürrisch, die anderen nehmen‘s cool.
Während am einen Ende des Sitzungssaales halblaut gemutmaßt wurde, dass da wohl der eine oder andere kleine Heizlüfter Einzug halten werde, war am anderen Ende des Saales von Wollsocken und dickem Pulli die Rede. Mair kommentierte, er erwarte, vor allem Mitarbeiterinnen eventuell „öfter in Steppmantel und Moonboots“ anzutreffen.
19 Grad sind bei einer sitzenden Tätigkeit wahrlich nicht üppig. In der Arbeitsstättenverordnung sind bisher 20 bis 24 Grad als Richtschnur angegeben. Die Österreicher sind etwas großzügiger, halten 19 bis 25 Grad für angemessen. Nun aber schreibt das kurz Energiesparverordnung genannte Epistel der Bundesregierung 19 Grad vor.
Auch warmes Wasser ist auf Verordnung der Bundesregierung in den Rathäusern künftig knappes Gut. Anfang September wurden in Stephanskirchen die Boiler ausgeschaltet. Nur in den öffentlichen Toiletten inklusive Behinderten-WC und im Sozialraum gibt es aus hygienischen Gründen noch warmes Wasser, wie Uhlig jetzt in der Gemeinderatssitzung bekannt gab. Legionellengefahr besteht laut des Deutschen Vereins Gas- und Wasserfach aber nur bei Großanlagen, die über etliche Boiler betriebene Warmwasserversorgung im Stephanskirchner Rathaus gehört nicht dazu.
Janna Miller (Die Grünen) berichtete, dass Rektor Florian Burggraf in einem Elternbrief versicherte, dass es an der Otfried-Preußler-Schule warm bleibt: Dort wird mit regionalen Hackschnitzeln geheizt.
Beleuchtung nur bei großer Unfallgefahr
Wie in vielen Gemeinden, wurde auch in Stephanskirchen die Beleuchtung der öffentlichen Gebäude und der Schloßberger Kirche abgestellt. Auch am Rathaus. Es ist nur noch dort minimal beleuchtet, wo sonst die Unfallgefahr zu groß ist.