Reischenhart – Ingenieur Bernhard Zott ist Regionalleiter bei der Rohrdorfer Sand und Kies GmbH, einer Sparte des Baustofflieferanten Rohrdorfer Gruppe. Auf Nachfrage legt er dar, was hinter dem Lärm steckt, der weit ins Umland schallt: „Auf der 5,7 Hektar großen Fläche, nördlich des Reischenharter Sees, wird eine temporäre Kiesgrube angelegt.“ Bis Mai 2026 werde das Unternehmen 350000 Kubikmeter Rohkies abbauen. Im nur wenige hundert Meter entfernten Kieswerk werde der Rohstoff dann gewaschen, gesiebt und nach Körnung getrennt. Der entstehende Baggersee wird Zott zufolge bis zu zehn Meter tief und im Anschluss wieder verfüllt.
Transportaufkommen
verringert sich
Der Neubeurer Gemeinderat hat das Projekt einstimmig befürwortet und mit der Gemeinde Raubling abgestimmt. Die Nähe zum Kieswerk ist laut Zott ein entscheidender Punkt, denn so kann während der Abbauzeit das Transportaufkommen verringert werden. Während bisher das Material aus größerer Entfernung, wie beispielsweise aus dem Steinbruch in Flintsbach, herbeigeschafft werden musste, können jetzt viele Schwerlast-Kilometer und damit Abgase und CO2 eingespart werden. Mit dem geförderten Material sei der Bedarf der Zulieferung für das Innkieswerk für die nächsten fünf Jahre gedeckt.
Kies und Sand sind wertvolle Rohstoffe, die heutzutage immer knapper werden. Benötigt werden sie als Schüttmaterial im Erdbau und vor allem als Zuschlagstoffe für Beton und Betonfertigteile. Deshalb hatte der Baustofflieferant Rohrdorfer Gruppe bereits seit 2008 im Auge, dass dort Kies abgebaut werden kann und einigte sich darüber mit der Gemeinde. Bedingung war aber, dass das Gelände im Anschluss renaturiert und wieder zur landwirtschaftlichen Nutzung zur Verfügung gestellt wird. Durch die Höhe des Grundwassers bedingt, entsteht beim Kiesabbau an dieser Stelle, nahe des Inns, ein Baggersee. Laut den Bedingungen müsse dieser im Anschluss an die Rohstoffgewinnung wieder verfüllt werden.
Bisher war genau das der Knackpunkt, so der Regionalleiter, denn bisher galt ein generelles Verbot, bei Nassabbauverfahren Seen wieder zu verfüllen. Grund dafür sei, dass damit die Gefahr einer Verunreinigung des Grundwassers bestand. Ein Pilotprojekt des Bayerischen Landesamtes für Umwelt (LfU) zum Thema „Nassverfüllung“ brachte jetzt die Lösung. Landratsamt-Sprecherin Ina Krug zufolge wurde das Projekt des LfU in Abstimmung mit dem Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz ins Leben gerufen. So solle eine Verfüllung und Renaturierung bei Nassabbau eventuell wieder ermöglicht werden. Das Pilotprojekt läuft bis Ende Mai 2026. Für diesen Zeitraum gelte die Genehmigung.
Im Folgenden heißt es darin: „Es gibt eine Vielzahl an Vorgaben, um das Grundwasser, den angrenzenden See und die Natur zu schützen.“ Da es sich um ein Landschaftsschutzgebiet handelt, habe die Untere Naturschutzbehörde umfangreiche Auflagen erarbeitet, die es einzuhalten und zu überwachen gelte.
Der Schutz des Grundwassers habe oberste Priorität. Weiterhin werde der Genehmigungsbescheid auch Auflagen enthalten, dass im Rahmen der Baustelle einige Reptilienhabitate sowie Ersatzhabitate für die Zauneidechse errichtet werden müssen. Es werde zudem festgelegt, welches Bodenmaterial für die Renaturierung benutzt und welche Pflanzen gepflanzt werden dürfen, um das Grundwasser nicht zu gefährden.
Um alle Auflagen zu erfüllen, sei vor allem wichtig, dass die Verfüllung regelmäßig streng kontrolliert wird, betont Ingenieur Bernhard Zott. Außerdem werde in diesem Areal nur von August bis Februar gefördert, um die Brutzeit der Vögel im angrenzenden Auwald nicht zu stören. Auch die Badegäste am Reischenharter See sollten möglichst wenig belästigt werden, deshalb sei mit der Gemeinde Raubling vereinbart, dass nur einmal pro Woche gebuddelt wird.
Förderpause
während der Brutzeit
Um mit nur einem Fördertag die entsprechende Menge aus dem Boden zu holen, hat sich Rohrdorfer einen besonders großen Bagger gemietet. Einmal versenkt, fördert die Schleppschaufel bis zu 6,5 Kubikmeter Kies auf einmal zutage, das sind rund zehn Tonnen. Der Kies werde zunächst auf dem Areal auf Halde gelegt, und nach und nach zum Kieswerk gefahren und verarbeitet.