Aschau – Die drei Eingänge zu den Kindergartengruppen sind in einem Kreis angeordnet. Über ihnen steht der jeweilige Name: Sonne, Mond und Sterne. Aus den Räumen ertönt Kinderlachen. Seit 25 Jahren gibt es die Kindertagesstätte Spatzennest der Gemeinde Aschau. Leiterin Claudia Scheck über ihr pädagogisches Konzept und was sich in den vergangenen 25 Jahren in der Kinderbetreuung verändert hat.
Genug Farbe
durch bunte Bilder
Claudia Scheck war bei der Kindertagesstätte Spatzennest von Anfang an dabei. Damals war sie Erzieherin in Raubling, als ihr 1995 die Leitung des neu geplanten Kindergartens angeboten wurde. „Ich bin gleich mit Personalplanung und Anmeldung der Kinder voll eingestiegen“, erinnert sich Scheck. Sie konnte sogar in Teilen noch den Bau mitbestimmen. „Der Architekt wollte unbedingt bunte Lichtschalter und Steckdosen haben.“ Hier setzt sich Scheck durch. Denn mit den Kindern und deren Kunstwerken bekomme das Haus ohnehin genug Farbe.
1996 ist der Spatenstich, 1997 ziehen die ersten Kinder ein und das mit einem damaligen revolutionären pädagogischen Ansatz, der auch noch heute im Kindergarten umgesetzt wird. Die Gruppen sind teiloffen. „Das mussten wir den Eltern erst einmal erklären. Die dachten, dass die Kinder einfach frei herumlaufen dürfen“, sagt Scheck. Dabei geht es darum, dem Kind Freiheiten zu geben. Nach der Eingewöhnung in die Gruppe können die Kinder in Teilen selber entscheiden, was sie machen: wollen sie in das Bällebad, den Turnraum, mit Bauklötzen bauen oder doch lieber etwas basteln. „Die Kinder können so ihre Bedürfnisse ausleben“, erklärt die Leiterin. Einen Ansatz, den die Kindertagesstätte noch bis heute verfolgt. Ein sogenannter situationsorientierter Ansatz.
Nichtsdestotrotz hat sich in den vergangenen 25 Jahren einiges geändert – auch baulich. „2011 kam der Anbau mit der Kita“, sagt Scheck. Und mit den kleineren Kindern kamen auch die längeren Betreuungszeiten. Damals konnten die Kinder nur bis zum frühen Nachmittag betreut werden, heute bis 16 Uhr. „Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist nicht so einfach“, weiß Scheck.
Auch den zunehmenden Gebrauch von Medien merke Scheck. An Kindern, die anstatt zu blättern versuchen zu wischen. Die Kindergärten selber seien wieder von dem Trend weggekommen, Medien in die Arbeit mit den Kindern zu integrieren.
Generell sei die Zeit schnelllebiger geworden. Auch das registriert Scheck: Die Kinder können nicht mehr so lange still sitzen, sich lange konzentrieren.
Doch trotz all der Veränderungen sei eines gleich geblieben: die Kinder. Nur die Gesellschaft und die Umwelt haben sich verändert. „Die Kinder sind nach wie vor schnell zu begeistern“, sagt Scheck. Erst vor ein paar Tagen hätten die Kleinen einen Regenwurm auf der Wiese entdeckt, den es dann erstmal ausgiebig zu bestaunen galt.
Bürgermeister Simon Frank (Zukunft für Aschau) betont die Bedeutung der gemeindlich geführten Einrichtung. „Die Kindertagesstätte Spatzennest ist, nach der kindlichen Prägung durch die Eltern, die wichtigste Einrichtung. Unsere Erzieher und Kinderpfleger vermitteln den Kindern unsere Werte. Die Kinder gehen in die Schule und dann in die Welt hinaus und tragen diese Werte mit sich.“ Scheck ist es ein Anliegen, mit den Kindern den Jahreskreis und die damit verbundenen Feste, wie zum Beispiel Erntedank oder Sankt Martin, zu feiern.
Fachkräftemangel
bereitet Sorge
Der Fachkräftemangel macht Scheck Sorgen. Das Spatzennest sei mit seinem 15-köpfigen Team, von denen fünf Kolleginnen seit über zehn Jahren dabei sind, gut aufgestellt. Nichtsdestotrotz blickt Scheck skeptisch auf das vom Freistaat angestoßene Konzept der Fachkräftegewinnung. „Familienministerin Ulrike Scharf hat gesagt, wir brauchen eine verlässliche Kinderbetreuung. Ich sage, wir brauchen eine gute Kinderbetreuung.“ Verkürzte Ausbildungszeiten und schnelle Umschulung sieht Scheck kritisch. Ihrem Beruf geht Scheck aber nach wie vor mit Leidenschaft nach. „Es ist toll, die Kleinen auf einem Teil ihres Lebensweges zu begleiten.“