„Nicht an der falschen Stelle sparen“

von Redaktion

Ist Nachtskifahren im Oberaudorfer Skigebiet in Zeiten der Energiekrise noch tragbar?

Oberaudorf – „Wir gehen von einem doppelt so hohen Strompreis aus wie in den vergangenen Jahren“, stellt Hannes Rechenauer, Geschäftsführer der Hocheck Bergbahnen, zu Beginn des Gespräches mit den OVB- Heimatzeitungen klar. Mit großem Interesse verfolge der Oberaudorfer daher die Entwicklung des Stromtarifs des lokalen Energielieferanten, dem Wasserkraftwerk Oberaudorf-Ebbs.

„Betrieb bestmöglich
beibehalten“

In jedem Fall will Rechenauer die Wintersaison in dem kleinen Skigebiet garantieren. „Wir werden am Angebot nicht an der falschen Stelle einsparen und unseren Betrieb bestmöglich beibehalten“, meint Rechenauer. „Die Leute müssen gerade nach der CoronaKrise wieder rauskommen“,

Auch der Bürgermeister von Oberaudorf, Dr. Matthias Bernhardt, betont, wie wichtig der Betrieb am Hocheck sei. „Die Bergbahn bietet nicht nur die Möglichkeit, Sport zu treiben, sondern schafft auch Arbeitsplätze in der Gemeinde. Zudem hat das Wintergeschäft auch einen wirtschaftlichen Aspekt“, sagt er. Die Piste am Hocheck soll demnach auch inklusive Nachtskifahren genutzt werden, auch wenn sich die Gemeinde gleichzeitig auf einen möglichen „Blackout“ vorbereitet. Bernhardt wisse aber auch, dass die Geschäftsführung mit der Energiekrise vor einer Herausforderung steht. „Aktuell sieht es aber gut aus, dass sich der Betrieb finanzieren lässt.“

Diese Finanzierung lässt sich laut Rechenauer sogar ohne eine allzu große Preiserhöhung der Tickets erreichen. „Wir haben gefühlt 45 unterschiedliche Tarife, je nach Alter, Fahrzeit oder Gruppe. Den genauen Aufpreis zu ermitteln ist daher schwierig“, berichtet der Geschäftsführer. Im Durchschnitt schätze er die Erhöhung auf circa vier Prozent im Vergleich zu den Preisen aus dem Vorjahr.

Bezüglich der zusätzlichen Energiekosten für die Scheinwerfer beim traditionellen Nachtskifahren bittet Rechenauer, den Stromverbrauch in Relation zu setzen. „Das Flutlicht läuft bei uns in einer Saison vielleicht insgesamt 150 Stunden, da hat jeder Fußballverein mit Trainingseinheiten und Spielen am Abend einen höheren Verbrauch.“  Der Anteil am gesamten Strom, der im Wasserkraftwerk Oberaudorf-Ebbs dafür produziert wird, sei dementsprechend minimal.

Dennoch wolle der Betreiber versuchen, Energie zu sparen, indem er das Flutlicht auf ein Minimum beschränkt. „Wir wollen darauf achten, das Licht erst ab 18 Uhr an und um 21.20 Uhr auszuschalten.“ Früher habe man für vereinzelte Tourengeher oder Nachzügler die Scheinwerfer schon früher eingeschaltet, beziehungsweise länger brennen lassen. „Das machen wir dieses Jahr nicht“, betont Rechenauer. Wie beim Skigebiet am Sudelfeld den Lift langsamer laufen zu lassen oder die Sitzheizung abzustellen, käme jedoch nicht infrage. „Wir haben ohnehin keine Expressbahn und die Sitzheizung ist bei uns höchstens die Sonne“, meint Rechenauer scherzhaft.

Durch die anziehenden Sprit- und Strompreise könne der Ski- und Rodelberg sogar profitieren. „Wir sind im Gegensatz zu anderen Gebieten schnell und mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar. Der Trend, sich eine unnötig lange An- und Abreise zu sparen, könnte uns zugute kommen“, meint Rechenauer.

Weihnachten könnte
eröffnet werden

Der Betreiber blickt daher trotz der Umstände positiv auf den Saisonstart. „Sobald die Witterung es zulässt, werden wir beschneien. Wann genau das sein wird, kann ich nicht sagen“, so Rechenauer abschließend. Wenn alles normal läuft, rechne er damit, an Weihnachten die Saison eröffnen zu können, Nachtskifahren und Rodeln inklusive.

Artikel 2 von 11