Riedering – Agathe Zwickl legt einen blauen Ordner auf den Tisch, der sich fast nicht mehr schließen lässt. „Das ist meine Ausbeute“, sagt sie. 1987 hat die heute 72-Jährige angefangen, Autogramme zu sammeln. In zehn Jahren hat sie 160 Stück erbeutet.
Ein Artikel über einen Schloßberger Lehrer habe sie dazu inspiriert, er hatte über 1000 Stück gesammelt. Er habe nie eine Briefmarke und einen Rücksendeumschlag beigelegt und es sei trotzdem immer ein Autogramm gekommen. „Da dachte ich, das mach ich auch“, sagt Zwickl.
Es beginnt mit Richard
von Weizsäcker
Ihre erste Autogrammkarte hat sie von einem ehemaligen Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland bekommen: Richard von Weizsäcker. Die Karte mit Foto und Unterschrift liegt ganz oben auf, fein säuberlich aufgeklebt und in Folie gepackt. Am Anfang hat sich Zwickl nach eigenen Angaben auf Politiker konzentriert. So ziert Gerhard Schröder, ehemaliger Bundeskanzler, eine Seite. Auch ein Autogramm der jungen Angela Merkel hat sie im Ordner und von kommunalen Politikerinnen wie Gabi Bauer, Rosenheims ehemalige Oberbürgermeisterin. Zwickl hat die Autogramme nicht nach Kategorien geordnet, sondern in der Reihenfolge eingeheftet, wie sie bei ihr im Briefkasten gelandet sind. Manchmal habe es vier Wochen gedauert, bis sie eine Antwort auf ihre Anfragen bekommen hat. Teilweise hätte sie aber schon nach zwei Wochen Post gehabt. Und die Karten sind von Prominenten aus vollkommen unterschiedlichen Sparten: Literatur, Politik, Journalismus, Film und Fernsehen oder Kirche. Die erste Frau in Zwickls Ordner ist Opernsängerin Erika Köth. Auch Schriftstellerin Astrid Lindgren, die Zauberkünstler Siegfried und Roy, Entertainer Thomas Gottschalk, Radiomoderator Frank Elstner und Journalistin Sandra Maischberger sind dabei.
Topmodel Heidi Klum hat Zwickl nicht nur eine Autogrammkarte geschickt, sondern auch Briefpapier. „Manche haben sich schon Mühe gegeben“, sagt sie. Von Priscilla Presley, Schauspielerin und Ehefrau von Elvis Presley, hat sie 1989 sogar einen handgeschriebenen Brief bekommen. „Den hab ich nicht lesen können, weil ich dem Englisch nicht mächtig bin“, bedauert Zwickl. Doch ihre Tochter habe den Text übersetzt. Presley bedankt sich für die Anfrage, berichtet von einer „aufregenden Zeit als Schauspielerin“ und äußert die Hoffnung, dass Zwickl ihre Karriere weiter verfolgt. Das hat die 72-Jährige getan. „Selbst heute sieht sie noch gut aus“, sagt sie.
Sie war nicht die einzige Schauspielerin, von der Zwickl Post bekommen hat. Auch von Marianne Sägebrecht, Senta Berger, Thekla Carola Wied, Iris Berben und Witta Pohl hat sie Autogramme, um nur einige zu nennen. Aber auch männliche Vertreter befinden sich in der Sammlung, etwa Joseph Hannesschläger und Pumuckl-Sprecher Hans Clarin. Zwickl hat die Briefe immer per Hand verfasst und an Autogrammadressen geschickt, die in Magazinen angegeben waren.
Doch vom Papst oder US-Präsidenten habe sie keine genaue Adresse gehabt. Sie habe einfach an die offiziellen Stellen geschrieben. Und es hat geklappt. Zwickl hat ein Autogramm von Bill Clinton, dem ehemaligen Präsidenten der Vereinigten Staaten, ergattert. Und von Papst Benedikt XVI., Kardinal Joachim Meisner, Kardinal Friedrich Wetter.
Neben Papst Johannes Paul II. ist Sänger Vico Torriani eingeordnet. „Das war halt die Reihenfolge“, sagt Zwickl und lacht. Neben Torriani reihen sich Sänger wie Hubert von Goisern und Oswald Sattler. Musiker Gus Backus schrieb „Agathe Servus“ auf die schwarz-weiße Autogrammkarte. Sänger Heino schrieb „für Agathe“ auf ein Foto von sich selbst mit Sonnenbrille. Sportler sind auch in dem Ordner: Extrembergsteiger Reinhold Messner, Boxer Max Schmeling und Fußballspieler Franz Beckenbauer.
Von einigen Royals hat sie ebenfalls versucht, eine Unterschrift zu ergattern. Jedoch ohne Erfolg. Die königlichen oder adeligen Familien geben allerdings keine Autogramme. Den Briefen zufolge sei das eine feste Gewohnheit.
Viele sind
bereits verstorben
„Am wichtigsten sind mir die, die schon gestorben sind“, sagt Zwickl. Sie schätzt, dass über die Hälfte der Persönlichkeiten in ihrem Ordner mittlerweile verstorben sind – wie Franz-Josef Strauß, ehemaliger Bayerischer Ministerpräsident, oder Politiker Helmut Lemke. Nur auf ein Zehntel der Briefe habe Zwickl keine Antwort bekommen. „Da war ich schon enttäuscht“, sagt sie. Sie sei schließlich sonst so erfolgreich gewesen.
25 Jahre nachdem die 72-Jährige aufgehört hat zu sammeln, will sie nun wieder anfangen. Bundeskanzler Olaf Scholz soll den ersten Brief bekommen.