Schonstett – Seit dem Ukraine-Krieg stehen sie auf einmal wieder im Fokus des Interesses: Schutzräume als sicherer Unterschlupf gegen Bomben und Granaten. Die Gemeinde Schonstett mit ihren 1402 Einwohnern hat sogar einen Atombunker in Besitz. Bürgermeister Paul Dirnecker: „Er befindet sich unter der Mehrzweckhalle. Es gibt in Schonstett noch einen zweiten Bunker, der ist aber in Privatbesitz. In beiden zusammen hätten etwa 500 Menschen Platz.“ Doch die Kommune schmiedet für ihren Bunker inzwischen andere Pläne.
Rückabwicklung
ist abgeschlossen
Der Bunker unter der Mehrzweckhalle war bis 2020 in Besitz des Bundes. Er befindet sich in der komplett unterkellerten Mehrzweckhalle und wurde 1986 nach dem Reaktorunglück in Tschernobyl gebaut. Diese Maßnahme wurde von der Regierung gefördert und der Bau für einen Ernstfall entsprechend technisch ausgestattet.
Doch dann gab der Bund das frühere Schutzraumkonzept wieder auf und so lief in den vergangenen zwei Jahren in Schonstett bereits die Rückabwicklung und Auflösung des Bunkers – gerade rechtzeitig für die Gemeinde Schonstett, denn im März 2022 wurde die Rückabwicklung öffentlicher Schutzräume durch den Bund gestoppt.
Doch noch kurz vorher ging der Bunker heuer in den Besitz der Gemeinde Schonstett über. Mittlerweile kann die Gemeinde die gesamte Fläche nutzen, bis 2022 war das nur zum Teil möglich. Ein Bereich war für einen möglichen Katastrophenfall reserviert.
Die Räumlichkeiten wurden bisher als Lagerräume für die Schule und die Gemeinde, den Theaterverein und den Sportverein verwendet. Jetzt kam die Idee auf, die Nutzung des Bunkers auszubauen, um zusätzlichen Raum zu schaffen, beispielsweise für zusätzliche Angebote des Sportvereins, die bisher an der dichten Hallenbelegung scheiterten. Dirnecker dazu im Gespräch mit unserer Zeitung: „Mein Gedanke war ein Yogaraum.“
Die Halle ist derzeit von Montag bis Freitag ausgebucht. Der Zugang zum bisherigen Bunker sollte separat und barrierefrei gestaltet werden. „Dazu bräuchten wir aber sicher auch noch Anlagen für Heizung und Entlüftung“, vermutet der Bürgermeister.
Laut Dirnecker wäre das Projekt prädestiniert für eine Leader-Förderung. Das sei im Vorfeld auch schon mal abgeklopft worden. Nun seien die Kosten für die Umnutzung des Bunkers grob auf einen höheren sechsstelligen Betrag geschätzt worden.
Bis 2027 bleibt
Zeit für Antrag
Im bisherigen Haushalt sind dafür nur 20000 Euro eingestellt. Dirnecker glaubt nicht, dass sich der Gemeinderat heuer noch mit dem Bunker befassen wird. Es eilt aber auch nicht: Bis 2027 hat die Gemeinde in der aktuellen Leader-Periode Zeit, eine Förderung für das Vorhaben zu beantragen. Die Fertigstellung müsste bis 2029 erfolgen.
Hat die Gemeinde keine Angst, dass der Bund den Atombunker in der aktuell angespannten Lage zurückfordern könnte, wollten wir vom Bürgermeister abschließend wissen. Darauf Dirnecker: „Bisher hat keiner nachgefragt – und außerdem gehört er ja jetzt uns.“