Bad Feilnbach – Die Leonhardiwallfahrt in Lippertskirchen zählt zur Ältesten ihrer Art in Oberbayern und soll ohne pandemiebedingte Hindernisse oder Auflagen nun wieder so wie in früheren Jahren stattfinden.
Dazu gehören die prachtvollen Gespanne mit kunstvoll geschmückten Wagen, Motivwagen und Kutschen auf denen in Kirchengewändern und Tracht gewandete Miederdirndl, Schalkfrauen, Burschen, Männer und Musikanten die Fürsprache und den Segen vom heiligen
Leonhard als Patron der Rosse, Reiter, Fuhrleute, Gefangenen und Wöchnerinnen erbeten wollen.
Auf Kaltblutpferd
an der Spitze
Anführen wird die Umfahrt nach gutem und altem Brauch Engelbert Dialler auf einem stämmigen Kaltblutpferd. Er hält dabei die historische Leonhardifahne in der Hand. All dies, verbunden mit dem ehrsamen und bunten Bild vorm Feldaltar auf der Köglwiese, erhofft und wünscht sich mit Sehnsucht der neugegründete „Leonhardiverein Lippertskirchen e.V.“ Die diesjährige Veranstaltung soll am Sonntag, 6. November, stattfinden.
Der Gottesdienst beginnt dabei um 10 Uhr vom Feldaltar aus und findet dort bei jeder Witterung statt. Zele-brant ist Pfarrer Ernst Kögler und den musikalischen Rahmen besorgt die Musikkapelle Bad Feilnbach. Anschließend folgt die Umfahrt vorbei an der Wallfahrtskirche Maria Morgenstern. Von dort aus empfangen Rosse und Reiter den göttlichen Segen.
Ebenso gibt es wieder eine Nachfeier im Heimgartensaal. Den legendären Abt und Diakon aus Noblat nahe der französischen Stadt Limoges um Schutz und Fürsprache zu bitten, wird in einigen Gegenden von Menschen in inniger Verbundenheit zu Glaube und Brauchtum als besonderer Feiertag in unbeschwerten aber auch in herausfordernden Zeiten hochgehalten. Zumindest gelang es Corona nicht, Gläubige davon abzuhalten dem heiligen Leonhard die Ehre zu erweisen.
In Lippertskirchen gab es 2020 und 2021 zwar nicht die gewohnt prächtigen Umfahrten. Dafür nahmen einzelne Reiter auf süddeutschen Kaltblutpferden und Haflingern oder in Begleitung ihrer Ponys gerne den göttlichen Segen entgegen. Bereits im Jahre 1349 wird in Lippertskirchen eine kleine Leonhardi-Kapelle erwähnt.
Obwohl die Umritte zum unverrückbaren Bestandteil religiösen Brauchtumsleben wurden, führten sie seit der Wende des 20. Jahrhunderts mehr oder weniger ein Schattendasein, wie Chroniken berichten. Einen starken Einfluss zur Wiederbelebung der Leonharditradition gebührt dem einstigen Pfarrer der Pfarrei Herz Jesu Bad Feilnbach, Ludwig Penger, dem auch ein überaus erfolgreicher Jubiläumsumritt im Jahr 1985 als verdienstvoll zugeschrieben wird.
Bürger halten
Angedenken wach
Verdienst über all die nachgewiesenen brauchtumsori-entierten Leonhardifahrten gebührt jedoch auch den vielen Mädchen und Frauen, Burschen und Männern in der Vorbereitung der herrlich geschmückten Wagen und sauber herausgeputzten Pferde, welche ihren eigenen Feiertag mit Stolz genießen.
Hohe Anerkennung gebührt auch jenen Mitfahrern, darunter Musikkapellen, Vereinsabordnungen und Reitern, die sich zahlreich bei Wind und Wetter, oftmals auch von heftigen Schneefällen und grimmiger Kälte begleitet, an den Umritten am Vortag auch in Hundham, beteiligen.