Prutting – „Er wird nicht vergessen werden“ Das ist ein Satz, der in Nachrufen wohlfeil ist, auf Ludwig Weichselbaumer, der vergangene Woche im Alter von 88 Jahren starb, aber wirklich zutrifft. Schließlich hat sich „der Wick“, wie ihn die Pruttinger nannten, im Ort gleich mehrere Denkmäler selbst gesetzt. Allen voran der Dorfstadl, dieses Gemeinschaftswerk der Pruttinger Bürger, die er bei diesem Bau führte. Aber auch am Pfarrheim und am Kindergarten, an der Turnhalle und auch am Sportheim war er beteiligt.
Dabei war er keiner, der sich nach vorne drängte, er stand nur immer bereit, wenn man ihn rief.
„Der Wick war kein Mann der großen Worte, aber einer der schnellen Taten“, sagt dazu Bürgermeister Johannes Thusbaß.
Gerufen hat man Wick Weichselbaumer oft, wegen seiner hohen fachlichen Kompetenz und dem zugleich offenen und leutseligen Umgang mit seinen Mitmenschen und allen, die er als Polier und Bauleiter auf seinen Baustellen führte und betreute. Der nun Verstorbene hat daraus nie ein Aufheben gemacht. Sein Können im Beruf gab ihm gelassene Souveränität, und zum Umgang mit seinen Mitmenschen meinte er schlicht: „Man muss d’Leit bloß meng.“
In diesem Satz steckt einiges an Understatement, denn beim Bau des Dorfstadls galt es, rund 210 Mitstreiter zusammenzuhalten und – alles Ehrenamtliche und alles Individualisten. Hier war Menschenkenntnis, vor allem aber auch Einfühlungsvermögen gefragt.
Seine Bescheidenheit zeigte sich, wenn er auf seine Leistung beim Dorfstadlbau angesprochen wurde: Er verwies stets auf alle anderen, vor allem auf die daran beteiligten Frauen: „Wenn sie nicht die Baustellenmannschaft über ein ganzes Jahr weg versorgt hätten, wären wir nicht so schnell so weit gekommen.“
Ludwig Weichselbaumer selbst war ebenfalls ein glückliches Familienleben vergönnt. Seine Frau Elisabeth heiratete er im September 1956, die Söhne Ludwig und Roland, später vier Enkel und zwei Urenkelchen machten die Familie im Laufe der Jahrzehnte komplett. Einmal befragt, welches Rezept er und seine Frau für ein so langes Zusammenleben hätten, hing er auch hier die Latte tief: „Man muss sich einfach Zeit füreinander nehmen.“ Da genüge schon oft das gemeinsame abendliche Sitzen vor dem Haus.
Mit ganzer Seele Pruttinger schwärmte der Ehrenbürger der Gemeinde mit seiner Frau gern vom einstigen Gemeinschaftsleben im Ort.
Die jüngsten Bemühungen, dieses wieder mit neuem Schwung zu erfüllen, sahen er und seine Frau mit großer Freude. jt