Prutting – Es war im Vorhinein nicht klar, wie viele Pruttinger kommen würden. Ein paar Dutzend? Alle? Schließlich war der Tag der offenen Wasserversorgung eine Premiere und das nicht nur für Prutting. Eine vergleichbare Veranstaltung habe es seines Wissens im ganzen Landkreis noch nie gegeben, meinte Dr. Hadumar Roch, Abteilungsleiter im Wasserwirtschaftsamt. Was Prutting auf die Füße gestellt habe, sei eine echte Pilotveranstaltung.
Warteschlangen vor
dem Hochbehälter
Mit einem Erfolg, der am Ende alle Erwartungen der Gemeinde übertraf. Rund fünfhundert Besucher fanden sich am Samstag, 8. Oktober, beim Hochbehälter Königsberg ein. Vor dem Hochbehälter bildete sich eine Schlange. Kaum war die eine Besuchergruppe darin verschwunden, sammelten sich schon die nächsten Interessenten. Die Nachfrage war so groß, dass Wassermeister Sepp Furtner und Bürgermeister Johannes Thusbaß zeitweise ohne Unterlass als „Wasserspeicherführer“ tätig waren.
Nach Angaben der Besucher wollten sie die einmalige Chance nutzen, einmal das Innere des Hochbehälters zu sehen. Einmalig ist die Chance, weil dessen zwei Kammern gerade saniert werden. Bei einer ist dies schon erfolgt, sie ist deshalb bereits wieder im Normalzustand zu sehen, also mit Wasser gefüllt. Die zweite Kammer ist noch leer und offenbart damit ihren schneckenhausartigen Grundriss. Für Bürgermeister Johannes Thusbaß ist die Besichtigungsmöglichkeit ein Muss: „Es sind die Bürger, die über ihre Wasserrechnungen die Sanierung zahlen werden. Sie haben ein Recht darauf zu sehen, wofür das Geld verwendet wird“. Die Wasserkammern des Hochbehälters sind ein Kernstück der Pruttinger Wasserversorgung. Damit Trinkwasser aus den Hähnen kommt, ist aber noch viel mehr Infrastruktur nötig. Die Wasseraufbereitungsanlage etwa sorgt dafür, dass das Wasser auch appetitlich aussieht. Sie filtert alle Eisen- und Manganverbindungen, die es im „Urzustand“ bräunlich aussehen lassen. Kalk, auch das war wohl für die meisten Besucher neu, lässt die Gemeinde jedoch ganz bewusst darin. Der Kalkanteil erhöht die „Gesundheitskraft“ des Trinkwassers, hilft aber auch, dass sich Anfangsrisse im Rohrleitungsnetz von selbst wieder setzen.
Das ist durchaus von Bedeutung, denn bereits bei einem Haarriss von nur eineinhalb Millimetern Länge würde eine Wasserleitung im Pruttinger Netz binnen einer Stunde eine Badewanne voller Wasser verlieren. Die Instandhaltung der Leitungen – insgesamt knapp 40 Kilometer – ist deshalb eine wichtige Daueraufgabe der Gemeinde. Schließlich möchten die Verantwortlichen so selten wie möglich größere Risse oder Leitungsbrüche haben. Diese zu finden ist für Wassermeister Sepp Furtner mit echter Detektivarbeit verbunden, denn nicht immer macht sich so ein Wasseraustritt an der Oberfläche bemerkbar.
Der Tag der offenen Wasserversorgung ließ kein Glied in der Wasserkette unberücksichtigt – von der Regenwolke bis zum heimischen Wasserhahn hat die Gemeinde alles beleuchtet oder in Schautafeln und Demonstrationsobjekten erklärt. Alle Informationen hat die Gemeinde in einer „Wasserzeitung“ zusammengefasst, von der es noch einige Exemplare in der Gemeinde gibt.
Genauso wichtig wie die Information der erwachsenen Pruttinger ist für Bürgermeister Johannes Thusbaß die Aufklärung der Kinder: „Sie werden in eine Zeit hineinwachsen, in der auch alle Fragen, die mit dem Wasser zusammenhängen, nicht mehr so einfach zu behandeln sind wie heute“.
Spezielle Führung
für die Kinder
Für die dritten und vierten Klassen aus Prutting, Söchtenau und Högering (Stephanskirchen) gab es schon einen Tag zuvor einen Vormittag im Hochbehälter und Infozelt. Ein Angebot, das nicht nur die Kinder sondern auch ihre Lehrerinnen als Bereicherung empfanden. „Wir haben das Thema Wasser in diesen Klassen sowieso auf dem Lehrplan“, sagte Magdalena Götz. „Jetzt ist für die Kinder aber alles viel weniger theoretisch, sondern mit eigenen Erlebnissen aus der unmittelbaren Umgebung verknüpft.“