Obing – Nach viel Diskussion in seinen vorangegangenen Sitzungen beschäftigte sich der Gemeinderat Obing nun erneut mit dem Ersatzbau für den ehemaligen Gasthof „Kufner“ in der Obinger Ortsmitte. Zwar hatte sich das Gremium bereits bereit erklärt, den zwischen Gemeinde und Bauherrn geschlossenen städtebaulichen Vertrag zu ändern und weitere Balkone an der Südfassade zuzulassen, doch bei der Behandlung der Angelegenheit hatte Gemeinderat Armin G. Plank (PAO) entdeckt, dass ein für den Baustil des früheren Gebäudes wichtiges Detail im bereits ausgeführten Neubau nicht so ausgeführt wurde, wie in dem städtebaulichen Vertrag zugrunde liegenden Plan vorgesehen, und dass die betroffenen Rundbogenfenster im Giebelbereich auch in der neuen Planung für die Fassade mit Balkonen als Rechteckfenster beziehungsweise Rechtecktür eingezeichnet worden waren. Nach Ansicht von Bürgermeister Sepp Huber (FW) und Gemeindeverwaltung müsse nun entschieden werden, ob auch dafür der städtebauliche Vertrag geändert werden soll.
Bei den meisten Gemeinderatsmitgliedern überwog allerdings der Unmut über die Art des Vorgehens der Bauherrn. Die geänderten Fenster seien ihnen bei der Diskussion über die Balkone „untergeschoben“ und einfach vollendete Tatsachen geschaffen worden, befand Hans Schloder (FW).
„Mit dem heutigen Beschluss steht und fällt der Wert von städtebaulichen Verträgen“, machte Ingrid Wimmer (PAO) deutlich. „Es geht jetzt nicht in erster Linie um das historische optische Detail, vielmehr um die Einhaltung eines Vertrages, der mit Unterstützung des Ortsheimatpflegers ganz bewusst und genau so ausgearbeitet worden war, als Bedingung für die Zustimmung des Gemeinderates zu den für die Verwirklichung des Vorhabens notwendigen Bebauungsplanänderungen.“
Rupert Freiberger (CSU) befürchtete: „Wenn wir der Änderung der Fenster zustimmen, können wir in Zukunft jedwede städtebauliche Planung vergessen.“ Andreas Voderhuber junior (BL) sprach sich ebenfalls dafür aus, auf die Einhaltung des städtebaulichen Vertrags zu pochen. So wurde vom Obinger Gemeinderat mit einer Mehrheit von elf Stimmen beschlossen, „dass bezüglich der Ausführung der Rundbogenfenster in der Südfassade die Plandarstellung laut dem städtebaulichen Vertrag einzuhalten ist“. Anton Hoiß und Florian Maier (beide CSU) stimmten gegen diesen Beschluss, weil es ihrer Meinung nach praktische Gründe für die jetzt bestehende Ausführung der Fenster gibt und Verträge auch geändert werden können.
Der Bürgermeister betonte, nachdem die Position des Gemeinderates geklärt sei, gehe es nun in einem nächsten Schritt um das weitere Vorgehen zur Umsetzung des Beschlusses.
Auf Nachfrage unserer Zeitung machte der Rathauschef deutlich, dass die weiteren Schritte im Gemeinderat beschlossen werden müssen. Dazu könne auch ein Umbau der gerade neu gebauten Fenster gehören. Die Beratungen über das Vorgehen könnten dauern, so Huber, eine Prognose darüber, wie lang dafür benötigt würde, könne er derzeit nicht machen.
Inge Graichen/Petra Maier