Das Pfeifkonzert wird leiser

von Redaktion

Nach zwei Jahren Verhandlungen mit der Bahn erster Übergang in Rohrdorf gesperrt

Rohrdorf – Vor zwei Jahren reichte es den Rohrdorfern, vor allem denen, die in Thansau wohnen. Viele davon nur wenige Meter von den Bahngleisen entfernt. Die schrillen neuen Pfeiftöne der Loks, auf Geheiß der EU eingeführt, fanden sie unerträglich. Und gaben mit Hunderten gesammelten Unterschriften ihrem Bürgermeister Rückenwind bei seinen Verhandlungen mit der Bahn.

Die zeitigten jetzt ein ganz konkretes Ergebnis: Der erste ungesicherte Bahnübergang ist dicht. Damit entfällt das vorgeschriebene Pfeifen am Übergang Thansau II. Bürgermeister Simon Hausstetter ist erfreut: „Endlich ein erster Schritt, endlich ist mal was zu sehen.“ Sepp Wagner, einer der Initiatoren der Unterschriftenaktion, äußert sich zufrieden. „Die Mühlen mahlen bei der Bahn offensichtlich langsamer – aber sie mahlen“, sagt er.

Häuser zehn Meter
von Gleisen entfernt

Wobei sich sowohl Wagner als auch Hausstetter nicht sicher sind, dass die Lokführer nicht aus Gewohnheit am Übergang Thansau II immer noch pfeifen. Zumal nur einen guten Steinwurf in beide Richtungen die nächsten ungesicherten Übergänge sind. Ruhe ist in den zum Teil nur zehn Meter von den Gleisen stehenden Häusern also noch nicht eingekehrt.

Wagner schwankt ein wenig zwischen Amüsement und Ärger über die Art der Sperrung: „Auf beiden Seiten der Gleise Bauzäune aufgestellt, ein Schild daran gehängt, dass der Übergang gesperrt ist, und eine Plastiktüte über das Pfeifton-Schild gehängt. Das hätte auch schneller gehen können, keine zwei Jahre dauern müssen“, findet er.

Das sieht der Bürgermeister durchaus ähnlich, aber „irgendwann kommt die Bahn ja und macht mit einer Leitplanke wirklich zu“. Vermisst wird der Übergang wohl nicht. Laut Hausstetter war er so gut wie ungenutzt und Ausweichmöglichkeiten gibt es auch.

„Wir wissen, dass die Sicherung oder Auflassung aller bisher ungesicherten Bahnübergänge noch lange dauern wird“, so Hausstetter. Er habe gerade wieder Gespräche mit der DB Netz über die beiden schwierigsten Bahnübergänge geführt. Da werde es noch Jahre dauern, befürchtet Hausstetter. Eine Lösung sei nicht in Sicht.

Die wurde für die einsame Wiese nahe des Cavallo gefunden: Dort wird eine einfache, in der Regel geschlossene Schranke gebaut, die der Fahrdienstleiter nur auf Anmeldung und für den Pächter der Wiese öffnet.

Die Rohrdorfer hatten eines immer wieder betont: Sie sind nicht gegen die Züge zum Zementwerk. Im Gegenteil, die sind ihnen wesentlich lieber als hunderte Lkw. Es ging und geht ihnen nur um das gellende Pfeifen, das bis an den Samerberg zu hören ist und stellenweise mit 118 Dezibel gemessen wurde. Die Schmerzgrenze liegt bei etwa 100 Dezibel.

Die schrillen Töne ärgern auch Dr. Benjamin Geller, Werkleiter bei Rohrdorfer Zement. Das Werk habe extra auf die leiseren Züge der österreichischen Bahn umgestellt, um die Anwohner zu entlasten. Und dann kam die Anordnung der EU, und die Loks pfiffen mit trommelfellzerreißendem Doppelton. Geller machte sich gemeinsam mit der Gemeinde, dem ZAS und der ÖBB auf die Suche nach einer Lösung. Die wurde gefunden. Seit vergangenem Sommer pfeifen die Loks nur noch mit einem Ton, dem tieferen. „Der ist immer noch laut genug, geht aber nicht ganz so durch Mark und Bein“, sagt Wagner dazu.

Immer wieder im Gespräch waren auch die Züge von der Müllumladestation hinein nach Rohrdorf. Die seien nötig, weil die Loks in der Müllumladestation in Thansau nicht umgekoppelt werden könnten, hieß es. Ob man da nicht eine zweite Lok ans andere Ende hängen könnte und so einige Fahrten einspare. Davon sei ihm nichts bekannt, so Michael Fischer, Sprecher des Landratsamtes. Das Landratsamt ist zwar, obwohl dort der Restmüll aus allen Gemeinden des Landkreises verladen wird, nicht zuständig, aber Fischer hat sich auf unsere Anfrage hin beim ZAS in Burgkirchen kundig gemacht. Auch dort heißt es: „Die letzte Veränderung, von der wir wissen, stammt vom September 2021. Damals wurde das Personal auf den Loks angewiesen, einen tieferen Ton zu verwenden.“

Ist Umkoppeln
möglich oder nicht?

Fischer widerspricht den Aussagen, im Bereich der Müllumladestation könnten Loks nicht umgekoppelt werden. Das gehe sehr wohl, „in der Müllumladestation liegen zwei Gleise“, die über Weichen miteinander verbunden sind. Loks können von einem zum anderen Ende des Zuges umrangiert werden. Werden sie beim Frühzug aber nicht, denn der ist, wie Rolf Möbus vom ZAS erklärt, ohnehin ein gemischter Zug mit Wagen von der Umladestation und Wagen fürs Zementwerk. „Der fährt immer, auch wenn wir unsere Waggons abkoppeln würden.“

Artikel 4 von 11