Rohrdorf – Wer als Kind immer wissen wollte, wie es wohl in der Weihnachtswerkstatt des Christkindes zugeht, der müsste zurzeit nur einmal ins Dorfhaus in Höhenmoos schauen. Dort ist man im Endspurt mit den Vorbereitungen für den Weihnachtsmarkt in Achenmühle, der am ersten Adventswochenende stattfindet.
Inmitten all der emsigen Helfer immer auch die 92-jährige Maria Schmid. Klein, zierlich und mit einem weißen Umhang angetan, sieht sie ihrerseits ganz wie eine Art Senior-Weihnachts-Engel aus und betupft voller Konzentration und Hingabe Strohsterne mit winzigen Tröpfchen Leim, um sie hinterher mit Glitter bestreuen zu können.
„Angebot ist
selbst hergestellt“
Der Begriff „Weihnachtsengel“ für all jene, die ehrenamtlich dazu beitragen, dass der Dorfplatz in Achenmühle am 26. und 27. November einen ganz einzigartigen Weihnachtsmarkt beherbergt, ist dabei gar nicht so weit hergeholt, findet Kathi Schmid: „Ohne sie gäbe es schlicht keinen Weihnachtsmarkt. Unser ganzes Angebot ist ja selbst hergestellt, es wird nichts Fertiges eingekauft. Nur so gelingt es uns, alle drei Jahre wieder einen vernünftigen Erlös zu erzielen, den wir dann ganz und gar für soziale Zwecke verwenden“.
Kathi Schmid hat vor 32 Jahren den Weihnachtsverein mit aus der Taufe gehoben und die meisten, die heute mitarbeiten, tun dies schon seit Jahrzehnten. Es ist nicht nur diese Beständigkeit, die für den Verein wichtig ist, sondern auch die damit verbundene Erfahrung. Maria Schmid etwa steuert für den Weihnachtsmarkt nicht nur Strohsterne bei, sondern auch wunderschön gestrickte Mützen, Wollstrümpfe, selbst Janker. Dazu braucht es über viele Jahre hinweg gewachsene Handfertigkeit – und für die eigentliche „Produktion“ dann auch Zeit. „Allein in einer einzigen Mütze“, so sagt Kathi Schmid, die mit Maria Schmid nicht verwandt oder verschwägert ist, „stecken 20 Stunden Arbeit“. Von daher erklärt sich von selbst, warum der Achenmühler Weihnachtsmarkt nur alle drei Jahre stattfinden kann: „Wir brauchen diesen Vorlauf, um genügend Sachen zum Verkauf herstellen zu können“.
Unter den „helfenden Engeln“ sind übrigens durchaus auch Männer: Alles, was auf dem Weihnachtsmarkt aus Holz ist, von ganz kleinen Krippen bis zu ganz großen, Schmuck-Stelen, auch Vogelhäuschen, stammt aus ihrer Hand. Und auch hier gilt: Das liebevolle Herstellen braucht Zeit, viel Zeit. Deshalb sind viele von den Helfern, egal ob weiblich oder männlich, in einem Alter, in dem sie zumindest beruflich nicht mehr eingespannt sind.
„Für die langfristige Zukunft des Weihnachtsmarktes wird deshalb eines entscheidend sein“ sagt die Tochter von Kathi Schmid, Sylvia Steiner, die seit neun Jahren den Vorsitz führt: „Dass viele von den Jüngeren und noch Berufstätigen, die derzeit vor allem für einzelne Aufgaben zur Verfügung stehen, etwa fürs Backen des Kletzenbrotes, dem Verein auch in Zukunft treu bleiben und dann vielleicht sogar noch etwas mehr Zeit haben“.
Traditionsbewusst bleiben, aber dennoch „jung sein“, soll auch das Angebot des Weihnachtsmarktes. Deshalb sind Kathi Schmid, Sylvia Steiner und andere im ersten Jahr nach jedem Weihnachtsmarkt vor allem auf Messen unterwegs. „Wir schauen uns natürlich an, wohin die Trends bei Farben und Formen gehen könnten, ob es neue Ideen gibt“. Ob davon etwas aufgegriffen wird, hängt dann aber vor allem davon ab, ob es auch zum Geist des Achenmühler Weihnachtsmarktes passt.
Gesamter Erlös für
soziale Zwecke
„Unser Weihnachtsmarkt wird nie zu einem x-beliebigen Winter- oder Kunstmarkt werden. Er ist und bleibt für uns ein wirklicher Weihnachtsmarkt, einer der auf die Adventszeit und Weihnachten hinführt“. Und bleiben wird auch, dass der gesamte Reinerlös in den Zwischenjahren bis zum nächsten Weihnachtsmarkt für verschiedene karitative und soziale Zwecke verwendet wird.
Dies ist, man muss es immer wieder betonen, nur möglich, weil der gesamte Markt, von seiner Organisation bis zu Durchführung, rein von Ehrenamtlichen gestemmt wird – den „Achenmühler Weihnachtsengeln“ eben.