Faschingsverein verliert seine Heimat

von Redaktion

Gemeinde Flintsbach will als Ersatz für den Schwaigerwirt eine Hütte aufstellen

Flintsbach – Der Auslöser für die Misere von Franz Astner, Präsident der Faschingsgesellschaft Flintsbach, sind die gestiegenen Auflagen: „Im Durchschnitt kommen rund 400 bis 500 Leute zu unseren Faschingsveranstaltungen. Mit den Brandschutzauflagen dürften wir aber nur noch 160 Leute beim Schwaigerwirt zulassen.“ Bis 2019 konnte die Gilde durch eine Sondergenehmigung und einen extra eingerichteten Fluchtweg die Anforderungen noch erfüllen. Doch durch eine erneute Verschärfung der Regularien aufgrund der Corona-Pandemie habe der Verein nun keine Chance mehr, die geplanten Events beim Wirt zu veranstalten. 

Gefährdetes
Vergnügen

Die große Flintsbacher Tradition mit zahlreichen Bällen, einem Umzug oder dem Frühschoppen gerät dadurch in Gefahr. Denn nicht nur die Räumlichkeiten stehen auf einmal nicht mehr zur Verfügung. Auch die wegfallende Versorgung mit Essen und Getränken durch den Schwaigerwirt treffe die Faschingsgesellschaft sehr.  Seit einiger Zeit arbeitet der Verein daher an einer Alternative, um die Tradition aufrechtzuerhalten. „Wir haben uns eine Hütte gemietet, die wir auf dem Sportplatz der Gemeinde aufstellen können”, berichtet Astner. Mit einem Raum von 500 Quadratmetern biete diese genügend Platz, um alle Beteiligten unterzukriegen. „Das Ganze kann man sich im Stil der Tatzelwurm-Hütte auf dem Rosenheimer Herbstfest vorstellen”, beschreibt der Präsident. Mit genügend Ausgängen, integrierten Toiletten und einem Nebengebäude inklusive Bar ist der Flintsbacher guter Dinge, den Fasching nach der Corona-Zwangspause wieder aufleben lassen zu können.  Damit das alles wie geplant funktioniert, bedarf es jedoch eines großen organisatorischen sowie finanziellen Aufwandes.

„Wir müssen alle mithelfen, um das zu stemmen. Alleine die Hütte kostet uns circa 50000 Euro”, sagt Astner. Für die komplette Organisation, inklusive Bewirtung, kalkuliert der Präsident aktuell rund 85000 Euro. Das sei so viel, wie über Eintritt und Gastronomie wieder eingenommen werden könnte – im Optimalfall.  Bei einem solchen Großprojekt ist es für Astner wichtig, den „enormen Rückhalt” der gesamten Gemeinde zu spüren. „Hier halten alle zam“, betont er mit Blick auf die bisher so gut laufende Organisation. 

Die ausnahmslos große Unterstützung beim Thema Fasching bestätigt auch Bürgermeister Stephan Lederwascher: „Ich finde es bemerkenswert, wie sich die Faschingsgesellschaft bei uns einsetzt. Die Tradition ist bei uns sehr groß, weshalb ich hoffe, dass trotz der Umstände alles so funktioniert, wie geplant“, sagt der Rathauschef, der früher selbst im Elferrat saß. Da der Sportplatz im Winter nicht so stark genutzt wird, könne das Gelände von der Gemeinde für die Hütte zur Verfügung gestellt werden. „Da unterstützen wir natürlich, wo wir können”, meint Lederwascher. Den in diesem Zusammenhang erneut diskutierten Neubau einer Turnhalle sieht der Bürgermeister jedoch nicht als dauerhafte Lösung für das Platzproblem der Faschingsgesellschaft. „Da die Halle dann vor allem von der Schule belegt wäre, müsste man immer wieder alles aus- und einräumen.” Auch Astner wäre es lieber, eine dauerhafte Lösung zu finden, die mit weniger Aufwand verbunden ist. „Wenn das dieses Jahr gut klappt, könnten wir überlegen, uns selbst eine solche Hütte zu kaufen, die wir flexibel aufstellen können.”

Ein letztes Mal an
alter Stätte

 Für den Faschingsauftakt am 11. November wird noch einmal der Schwaigerwirt als Gastgeber dienen. Bei der Präsentation des Mottos, der Garde, dem Elferrat und dem Prinzenpaar rechnet Astner nicht mit mehr als 160 Personen. Um 19 Uhr beginnt die Auftaktversammlung, in der der Präsident auch über die besonderen Pläne für die Faschingssaison informieren möchte. Wenn es dieses Jahr gelingt, alles zu organisieren, ohne auf hohen Kosten sitzen zu bleiben, ist für Astner schon viel geschafft. Der Rest werde sich zeigen.

Bälle, Umzug und Mehr: Die Termine der Faschingsgesellschaft Flintsbach

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