Frasdorf – Schrumpfender Lebensraum, ein tödlicher Pilz und Rad- und Autofahrer – die Liste der Gefahren für den Feuersalamander ist lang. Die Amphibie gilt nach dem Bundesnaturschutzgesetz und der Bundesartenschutzverordnung als „besonders geschützt“. Deswegen haben sich Bund Naturschutz, Landesbund für Vogelschutz (LBV) und Landesverband für Amphibien- und Reptilienschutz (LARS) für ein Artenhilfsprogramm zusammengetan. Es geht um Amphibienrettung und Schutzmaßnahmen. Eine Schutzmaßnahme wurde nun mit dem Aufstellen von Hinweisschildern und dem Anbringen von Ausstiegshilfen für die Tiere im Gemeindebereich Frasdorf umgesetzt.
Radfahrer und Kinderwagen
Es ist ein schöner Herbsttag im November. Obwohl Nebensaison ist, stehen bereits Autos auf dem Parkplatz Lederstube. Wanderer steigen aus ihren Autos aus, binden sich die Wanderschuhe zu, zurren den Rucksack fest. Vom Parkplatz gelangen die Sportler auf die Hütten und Gipfel der Nordseite der Hochries.
„Jung und Alt, oder mit dem Fahrrad – sie schieben sogar die Kinderwägen hier hoch“, sagt Josef Schäffer, Leiter des Frasdorfer Bauhofs. Wer ein zugelassenes Auto hat, darf sogar bis zu den Hütten fahren – alles potenzielle Gefahren für den Feuersalamander. Dabei ist der Mensch nicht der einzige Gefahrenfaktor. Auch ein eingeschleppter Hautpilz Batrachochytrium salamandrivorans (Bsal) bedroht die Amphibie. Der Pilz verursacht Läsionen auf der Haut des Salamanders. Die offenen Wunden führen aufgrund der Hautatmung und Infektionen dazu, dass der Feuersalamander innerhalb von ein bis zwei Wochen stirbt. Wie verheerend der Pilz sein kann, zeigt sich am Beispiel der Niederlande. Laut LBV wurde der Pilz dort 2013 nachgewiesen und reduzierte die Population des Feuersalamanders um 98 Prozent.
Damit der Feuersalamander in Deutschland nicht das gleiche Schicksal erleidet, wurden die neuen gelben Informationsschilder im Bereich Lederstuben, Zellboden, Soilach und Kräuterwiese in Frasdorf aufgehängt. Auf ihnen steht in großen Lettern und roter Schrift: „Achtung! Feuersalamander auf dem Weg“. Darunter folgt ein Text über den Pilz. Die Sporen überstehen Trockenheit und haften an Schuhen, Reifen, Kleidung, Wanderstöcken und Händen. „Der Vektor Mensch trägt zur Verbreitung des Pilzes bei“, erklärt Stefanie Mühl, Regionalkoordinatorin Feuersalamander Alpenvorland vom LBV.
So können die Pilzsporen theoretisch deutschlandweit verbreitet werden. Deswegen weist das Schild darauf hin, dass Menschen sowie Hunde Abstand von Quellbächen halten sollen. Feuersalamander sollten nicht berührt werden, auch nicht mit Schuhen oder Kleidungsstücken. Nach dem Wandern oder Mountainbiken sollten Schuhe und Reifen mit 70 prozentigem Alkohol desinfiziert werden. Im Steigerwald und im Landkreis Unterallgäu sei der Pilz bereits nachgewiesen worden. Und auch in der Region gab es bereit einen Verdachtsfall an der Hohen Asten. „Einige Proben, die im Laufe der vergangenen Monate genommen wurden, sind noch im Labor“, sagt Mühl.
Besonders von April bis September, bei Regen und in der Nacht, sollten Wanderer und Fahrer ein Auge auf die Tiere haben und sie queren lassen. Mühl hat zu Beginn des Wanderweges ein Warndreieck mit einem Feuersalamander anbringen lassen. Darunter steht: Langsam fahren. „Auto- und Radfahrer sollten nicht mehr als 10 km/h fahren“, sagt Mühl. Bei höheren Geschwindigkeiten würden nicht nur Feuersalamander zu spät erkannt werden, auch die Schallwellen von einem Auto wären schädlich für das Tier.
Zahlen muss die Gemeinde nicht für die Schilder. Nur die Stunden des Bauhofs und kleinere Materialposten übernehme die Frasdorfer Verwaltung. „Wir übernehmen ebenfalls die Wartung“, sagt Schäffer, auch für die Ausstiegshilfen bei den Weiderosten. Die Feuersalamander können bei ihrer Wanderung in die Lücken der Metallgitter fallen. Damit sie dann nicht unter dem Rost verenden, hat der Bauhof in Absprache mit Mühl eine schmale Matte unter den Weiderosten angebracht. „Die Tiere brauchen Halt unter den Füßen, um wieder aus der Grube zu kommen“, erklärt Mühl.
Wie effektiv die Maßnahmen sind, wird sich erst im kommenden Jahr zeigen. Derzeit sind die Feuersalamander nicht mehr aktiv. Um genaue Zahlen zu bekommen, bittet Mühl um Fotos von Feuersalamandern. Menschen, die ein Tier sehen, ob lebendig oder tot, sollen ein Bild an feuersalamander@lbv.de senden.
Viele Tiere
sind unterwegs
In der Region um Frasdorf sei der Feuersalamander noch stark vertreten. „An einem Abend haben wir in der Nähe der Kräuterwiesen innerhalb von drei Stunden 30 Feuer- und 20 Alpensalamander gezählt“, sagt Mühl. Diese Population gelte es zu schützen. „Es ist ganz wichtig, dass wir auf die Natur aufpassen und die Feuersalamander geschützt werden“, sagt Daniel Mair, Bürgermeister der Gemeinde Frasdorf (CSU). „Wir müssen Rücksicht nehmen.“