Rohrdorf – Ternopil liegt im Westen der Ukraine, etwa 200 Kilometer von der polnischen Grenze entfernt. Dort sammeln sich Flüchtlinge aus den Kampfzonen. Hunderttausend sind es in der Verwaltungsregion Ternopil, die etwa eine Million Einwohner hat. Das ist so, als hätten Stadt und Landkreis Rosenheim über 30000 Flüchtlinge zu versorgen – ohne große Hilfe von Land oder Bund. Es wäre eine Aufgabe, die uns schon ohne Krieg, ohne immer häufigere Stromausfälle und ohne winterliche Witterungsbedingungen überfordern würde.
Jahrelange
Unterstützung
Die Informationen über die dortige Lage stammen nicht aus dritter Hand, nicht aus den Medien, sondern sie kommen von den beiden Priestern Volodymyr Firman und Vasyl Shafran. Sie sind die dortigen Ansprechpartner des Helferkreises Ternopil.
Dieser unterstützt die Diözese Ternopil und damit die Region schon seit Jahren mit dem Ziel, den Menschen dort eine wirtschaftliche Zukunft zu geben. Die beiden Geistlichen waren unlängst wieder in Rohrdorf, um selbst eine Hilfslieferung abzuholen.
Benötigt wird derzeit alles, warme Kleidung natürlich, vor allem Kinderbekleidung. Aber auch Nahrungsmittel. Die kauft der Helferkreis mit den Spendengeldern, die er enthält – und hier ist auch die Aktion Sternstunden zu nennen – gleich palettenweise und sozusagen auf Bestellung. So ist sichergestellt, dass das, was auf den Weg geschickt wird, auch tatsächlich benötigt wird.
Aus den Lieferungen werden vor Ort Nahrungspakete gepackt, die alle vierzehn Tage an die nach Ternopil Geflüchteten verteilt werden. Im Schnitt knapp 2000 Menschen stehen an den Verteilungstagen ab den Morgenstunden Schlange, wie die beiden Pfarrer erzählen. Denn auch wenn die öffentlichen Stellen natürlich versuchen, den Menschen zumindest eine Versorgungsgrundlage zu bieten – ohne diese zusätzliche Hilfe wäre das Leben für viele noch deutlich schwieriger.
Trotzdem haben sich Volodymyr Firman und Vasyl Shafran noch etwas Zuversicht bewahrt: „Solange wir solche Freunde haben“, sagen sie und meinen damit den Helferkreis und alle die ihn unterstützen, „können wir es schaffen“. Gerade weil die Hilfe eben so zielgerichtet wie möglich geleistet wird. So sucht man derzeit nach kleineren Stromaggregaten bis 10 kVA-Leistung, denn gerade jetzt im Winter sind die immer häufigeren Stromausfälle ein enormes Problem. Zwei größere Aggregate hatte der Helferkreis glücklicherweise schon im Frühjahr gekauft und geliefert, ein weiteres Großaggregat mit 120 kVA-Leistung war als Spende der Stadtwerke Rosenheim über den Helferkreis nach Ternopil gekommen.
Gerade in Sachen Strom und damit Licht und Wärme aber lässt sich zeigen, warum der Helferkreis sich schon vor Jahren gerade die Diözese als Partner ausgesucht hatte: Weil sie ein Innovationspunkt in der Region ist und dies auch in dieser Kriegszeit bleibt. So kam man dort darauf, größere Metalldosen mit geschmolzenem Kerzenwachs anzufüllen. Schanzenkerzen nennt man sie, weil sie den Soldaten in den Schützengräben Licht und sogar Wärme liefern. „Drei bis fünf Stunden brennt so eine Schanzenkerze“, so Vasyl Shafran „und liefert so viel Wärme, dass man darauf sogar Essen zumindest warm machen kann“.
Licht und Wärme
im Schützengraben
Der Erfolg ist enorm, die Schanzenkerzen sind nicht nur bei Soldaten, sondern auch bei der Zivilbevölkerung begehrt.
Hilfslieferungen nach Maß, übergeben an Leute, die damit ebenso sorgfältig wie zielgerichtet umgehen: Da kann man sicher sein, dass Großherzigkeit tatsächlich Gutes bewirkt. Am kommenden Wochenende wäre dafür wieder Gelegenheit, denn am Freitag wie auch am Samstag werden im König Ludwig Saal in Prien Spenden entgegengenommen für den nächsten Transport, der noch vor Weihnachten nach Ternopil fahren wird.