Kiefersfelden – „Wenn jemand eine Reise tut, so kann er was erzählen“. Das wusste schon Dichter Matthias Claudius. Genauso wie heute das Ehepaar Ingrid (56) und Björn Klaassen (58), die es ins eisige Grönland zieht. Natürlich mussten sie ihre Reisen beruflich unter einen Hut bringen, denn Ingrid ist als Ergotherapeutin tätig, Björn arbeitet als Forstingenieur. 2014 war es soweit: Nach wochenlangen Recherchen im Internet ging es über Kopenhagen (Dänemark) nach Westgrönland. „Wir wussten, dass es kein Relax-Urlaub in einer Nobelherberge wird“.
Polarfüchse
schleichen ums Zelt
Zunächst trekkte das Duo mit schmalem Gepäck, Rucksack und Zelt in der Tundralandschaft entlang des Inlandeises. Nachts froren die Seen zu und Polarfüchse schlichen um das Zelt, also Freiheit pur. Doch nur zu Fuß unterwegs, waren Ingrid und Björn räumlich begrenzt. Erst durch den Kauf zweier gebrauchter Kajaks, die sie dann selbst noch repariert haben, konnten sie im nächsten Jahr so richtig durchstarten. Der Plan: Entlang der Küste vom südlichsten Zipfel in den Fjorden am Kap Farvel immer weiter in Richtung Norden. Auf ihrer Reiseagenda stehen seither Kajak fahren, wandern und unbekannte Berge besteigen. „Natürlich ist das nicht so einfach, denn wir müssen schon einiges berücksichtigen. Bis auf wenige Tage sind wir ausschließlich in der Wildnis unterwegs.“
Das Ganze hat expeditionscharakter, mit Zelt, Kajak, Gleitschirm, GPS-Navigationsgerät und Trockennahrung. Bereits zu Hause wird dies vorbereitet. Mit einem Dörrapparat werden Linsen, Chili con Carne und Kartoffeln getrocknet und nach Grönland vorausgeschickt. Gekocht wird in der Wildnis auf einem Benzinkocher, dazu noch die Gaben der Natur wie Beeren, Pilze oder essbare Glockenblumen als Zutaten. „Es hat uns immer geschmeckt und wir mussten selten hungern.“ Auf den Reisen in Richtung Norden begegnen sie auch immer wieder Tieren wie Bartrobben, Buckelwalen, Polarfüchsen, Rentieren, Schneehasen und sogar mächtigen Moschusochsen. „Bei diesen Begegnungen hatten wir aber nie Angst. Wir haben uns einfach nur zurückhaltend und auch ein wenig vorsichtig verhalten.“
Jeden Tag stehen neue Abenteuer auf dem Programm, wissentlich oder unwissentlich. „Wir beobachten stets das Wetter sehr genau und versuchen, unsere Routen vor allem bei Etappen über das offene Meer sorgfältig zu planen. Manchmal schlägt das Wetter innerhalb von wenigen Minuten um. „Gezeitenströmungen, starker Wind, Wellen und Nebel können einem dann das Leben schon recht schwer machen.“
Buckelwale
und Stechmücken
Die wohl schönste und abenteuerlichste Fahrt führte das Duo von der Siedlung Nanortalik an der Südküste Grönlands in die Fjorde am Kap Farvel. „Wir waren vier Wochen unterwegs, meist auf dem Wasser. Immer begleitet von Buckelwalen, die unter den Kajaks hindurch tauchten, Bartrobben sowie Seeadlern und anderen Seevögeln. Leider aber auch, wenn wir anlandeten, von blutgierigen Plagegeistern, den Stechmücken.“