Bad Endorf – In den vergangenen zweieinhalb Jahren wurde für elf Gemeinden, neun davon aus der Ökomodellregion Waginger See-Rupertiwinkel (ÖMR), ein ökologisches Pflegekonzept für kommunale Grünflächen erstellt. Jetzt liegen den beteiligten Verwaltungen konkrete Handlungsempfehlungen für über 6000 Flächen vor, wie diese durch eine schrittweise Umstellung auf eine ökologischere Bewirtschaftung zu Refugien für die heimische Tier- und Pflanzenwelt aufgewertet werden können.
Ergebnisse in
Teisendorf vorgestellt
Die Ergebnisse des von der ÖMR initiierten und betreuten Projektes wurden kürzlich bei der Abschlussveranstaltung im Gut Edermann in Teisendorf vorgestellt. Durch das Programm führte Stefanie Lang, ÖMR-Vorstandssprecherin und Bürgermeisterin von Taching. An dem Projekt nahmen die Gemeinden Bad Endorf, Fridolfing, Kirchanschöring, Kirchweidach, Stadt Laufen, Petting, Saaldorf-Surheim, Taching am See, Teisendorf, Tittmoning und Waging teil. Gefördert wurde es von Leader, dem Bayerischen Naturschutzfonds und dem Programm „Digitales Alpendorf“.
Thomas Gasser, Teisendorfs Bürgermeister, informierte, dass zwar die Erhebung der Flächen und Ausarbeitung der Pflegeempfehlungen abgeschlossen seien und es nun an die Umsetzung in den Gemeinden ginge. Das Vorgehen haben Wolfgang Schuardt und sein Team des beauftragten Planungsbüros in dem „Ökologischen Pflegekonzept für kommunale Grünflächen“ festgelegt. Es wird den Gemeinden in Kürze in gedruckter und digitaler Form übergeben. Nach Anklicken der gesuchten Fläche informiert eine Tabelle über die Fläche und empfiehlt Pflegemaßnahmen. Die Geodaten werden den Kommunen auch als shape-Dateien zur Verfügung gestellt, sodass sie in ein GIS-Programm übernommen und weiterverwaltet werden können. Den Flächen wurden mehreren Kategorien zugeordnet, wie beispielsweise „Böschungen“, „Wegränder“, „Wiesengräben“, „brache Flächen“ oder „Obstbaumwiesen“. Schuardt betonte die gute Nutzbarkeit von Wegrändern als ökologisch gepflegten Bereich und die Wichtigkeit von – leider wenig vorhandenem – Brachland. Wolfgang Wintzer, der Referatsleiter für Ökolandbau im Bayerischen Landwirtschaftsministerium (StMELF), der Staatsministerin Michaela Kaniber vertrat, nannte das Projekt einen wertvollen Beitrag zum Erhalt der Biodiversität und zur Biotopvernetzung.
Der Kreisfachberater für Gartenkultur und Landespflege am Landratsamt Traunstein, Markus Breier, wünschte sich für die Umsetzungsphase einen Kümmerer, der die Kommunen unterstützen soll.
Dass bereits kleine Flächen den Erhalt der Biodiversität fördern können, zeigte Bernhard Hoiß von der Akademie für Naturschutz in Laufen anhand konkreter Beispiele wie Neuntöter, Bergmolch, Schwalbenschwanz, Disteln oder Wildbienen.
An der Interview-Runde mit Gitti Thaller, Gemeinderätin und Umweltreferentin in Taching, nahmen Kreisfachberater Sepp Stein aus Bad Reichenhall, Frank Filliung, Bio-Landwirt aus Taching, Helmut Mader, Bauhofleiter in Saaldorf-Surheim, die Bürgermeister Mathias Baderhuber aus Waging und Hans-Jörg Birner aus Kirchanschöring sowie Beate Rutkowski, Vorsitzende der BN-Kreisgruppe Traunstein, teil.
Baderhuber sieht in dem Konzept viel Potenzial, die Umsetzung durch die Gemeinden könne aber nur schrittweise erfolgen.
Für Birner, der mit seiner Gemeinde die Projektträgerschaft übernommen hatte, ist die Bewusstseinsbildung in der Bevölkerung wichtig.
Auch für Filliung fängt das Umdenken im Kopf an. Die Landwirtschaft arbeite mit einem nicht vermehrbaren Produktionsfaktor und müsse deshalb auf der Fläche Nahrungsmittelproduktion und Artenschutz zusammenbringen. Er sehe auch Chancen für den Aufbau von Ökokonten.
„Es darf auch
schlampig aussehen“
Stein befürwortete weitergehende Vorträge und Information, damit die Leute sensibilisiert werden, dass es auch „schlampig aussehen darf“. Er lobte die Motivation der Bauhofmitarbeiter.
Bauhofleiter Mader schilderte seine Erfahrungen aus Saaldorf-Surheim.
Rutkowski betonte, wie wichtig es sei, dass die Kommunen in puncto ökologische Flächenpflege eine Vorreiterrolle einnehmen.