Großkarolinenfeld – Wegen Corona musste es mehrfach verschoben werden. Nun endlich wird das Jubiläum gefeiert. Von einer Handvoll sangesfreudiger Männer 1896 gegründet, hat er, als einer der ältesten Ortsvereine mit 125 Jahren eine lange Geschichte mit vielen Facetten, Höhen und Tiefen.
Zur Geschichte: 1896, Großkarolinenfeld mit rund 800 Einwohnern war als Moorkolonie großteils mit dem Abbau von Torf beschäftigt und auf dem Weg zur Kultivierung der Moore und Neugründung einer bescheidenen Landwirtschaft. Der Vorzug einer eigenen Eisenbahnstation erleichterte dabei manches.
Das Ortsleben selbst gestaltete sich schwierig; von einer heute als selbstverständlich erachteten Infrastruktur konnte keine Rede sein. Wer sich einigermaßen ernähren konnte und ein Dach über dem Kopf hatte, war schon zufrieden. Das gesellige Leben – und das überrascht heute sehr – fand in sieben Gastwirtschaften statt. Hier traf man sich gerne und oft, der noch junge Verein fand hier seine Bleibe für die Probearbeiten und die in Aussicht genommenen Aufführungen.
Die großteils 1802 aus der Pfalz eingewanderten Familien befanden sich jetzt in der dritten Generation. Im „Alt-Großkarolinenfelder“-Lied werden die Lebensumstände in der damals gängigen Pfälzer Mundart eindrucksvoll beschrieben.
In dieser mehr als armseligen Zeit entstand also der Männergesangverein. Dabei erwies es sich als besonderer Glücksfall, dass Johann Marx den Verein 42 Jahre lang leitete. Die Zahl der Sänger wuchs kontinuierlich an, zeitweise waren mehr als 50 Sänger aktiv im Einsatz. Gesungen wurden natürlich die damals hoch im Kurs stehenden Volkslieder, teilweise mit deutsch-nationalen Texten versehen, und fröhliche Trinklieder.
Im beginnenden 20. Jahrhundert ging es so stetig weiter. Größere Unterbrechungen waren natürlich mit dem Ersten Weltkrieg vorgegeben. Ab dem Jahre 1930 liegt das älteste, noch in „deutscher“ Schrift angelegte Protokollbuch vor. Die aufgezeichneten Vereinsaktivitäten beziehen sich auf die internen Probleme bei der Probenarbeit, den häufigen Wechsel des Proberaumes, die finanziellen Schwierigkeiten und natürlich die Auftritte. Als besonderen Höhepunkt gilt dabei das Jahr 1921, wo mit dem Spruch „Grüß Gott mit hellem Klang – Heil deutschem Wort und Sang“ die neue Vereinsstandarte feierlich eingeweiht wurde. Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges trat wiederum eine längere Pause im Vereinsleben ein, die jedoch gleich nach Kriegsende behoben werden konnte. Als in den Folgejahren ein allgemeiner wirtschaftlicher Aufschwung einsetzte und vielen erleichtert schien, kam dem Verein ein besonderer personeller Umstand glücklicherweise zu statten: Ein junger Lehrer, Felix Müller, übernahm das Dirigentenamt und übte diese Tätigkeit mehr als 40 Jahre erfolgreich aus. Als Höhepunkt dieser Glanzzeit könnte gelten: die ökumenische Feier zur Einweihung der neuen Fahne 1981, die zahlreichen gemeinsamen Gesangsabende, auch mit anderen Chören, insbesondere der Frauensinggruppe dieses Ortes, die Überreichung der „Zelter“-Plakette durch den damaligen Kultusminister Zehetmair, diverse Faschingsbälle, Brunnenfeste und Dreikönigsfeiern. In diesen Jahren entstand auch die Freundschaft mit dem Gesangverein der Partnergemeinde Westheim/Pfalz, die bis heute Bestand hat.
Auch in den vergangene Jahren konnte der Männergesangverein seine Aktivität mehrfach beweisen. Er ist nach wie vor ein gerne in Anspruch genommener Garant bei vielen öffentlichen Veranstaltungen der Gemeinde, auch in Verbindung mit kirchlichen Festen. Ein Wermutstropfen sei jedoch nicht verschwiegen: Männerchöre scheinen für viele Menschen nicht mehr zeitgemäß. Große Nachwuchsprobleme sind überall spürbar und die Stammsänger sind altersbedingt am Chorgesang verhindert. Dieser allgemeine Trend ist auch in Großkarolinenfeld spürbar. So ist der Verein froh und dankbar, mit Evi Mittermaier eine hoch engagierte Chorleiterin an der Seite zu haben, die den knapp 20 Sängern eine echte Perspektive bietet. Im Ersatzfalle steht mit Jürgen Behrens ein ebenfalls routinierter Chorleiter bereit. Den notwendigen Rahmen schafft die umsichtig agierende Vorstandschaft, geleitet von Albert Schnitzer. Insgesamt bleibt der Männergesangverein bis heute eine stabile Größe in Großkarolinenfeld. Am 5. Januar wird das Jubiläum angemessen mit einer Festveranstaltung begangen.