Pittenhart – Eine kleine Gruppe von zehn Nachbarn will einen Mobilfunkmast im Ortsrandgebiet Eschenau verhindern. „Wir sind schon gut versorgt“, sagt Lackner. Internetverbindung und Mobilnetz seien gut in diesem Bereich. Und er ergänzt: „Dass 5G-Strahlen nicht gesund für die Menschheit sind, weiß eigentlich fast jeder“. Das Bundesamt für
Strahlenschutz geht nach derzeitigem wissenschaftlichem Kenntnisstand nicht von negativen gesundheitlichen Auswirkungen aus.
300 Unterschriften
in wenigen Tagen
Die Gruppe hat über 300 Unterschriften gesammelt, damit es zu einem Bürgerbegehren kommt. Dabei hätten die Nachbarn laut Lackner nur rund 200 Signaturen gebraucht. „Das ist eigentlich ziemlich schnell gegangen“, sagt er. Wenige Tage hätten sie dafür gebraucht. 30 bis 40 Stimmen seien pro Gang zusammengekommen. Manche Personen hätten sich mit dem Thema bereits vor der Unterschriftenaktion befasst. Laut Lackner waren einige Bürger aber auch unsicher. Sie wollten sich zuerst die Informationen zum Thema durchlesen. Andere hätten eine Unterschrift unmittelbar abgelehnt, weil sie ein 5G-Netz wollen.
„5G können viele noch gar nicht nutzen, weil sie keine 5G-fähigen Handys haben“, sagt Lackner. Auch autonomes Fahren gebe es auf dem Land kaum. „Wir leben auf dem Land, und wenn das Internet mal nicht so schnell ist, wie in der Stadt, dann ist es halt so.“ Sie hätten sich schließlich ausgesucht, in einem Dorf zu leben.
Auch der Naturschutz spielt für die Gruppe eine Rolle. „Das ist eine ganz unberührte Stelle“, sagt Lackner. In der Nähe der Stelle gebe es Bienen am Waldrand. Wer in der Früh den Weg entlang fahre, sehe Rehe herumlaufen. „Und dann wird da ein Mast hingestellt, der die Natur und die Idylle zerstört.“ Denn der Funkmast wird laut Lackner 35 Meter hoch sein, man werde ihn schon von Weitem sehen können. Aus all diesen Gründen hat die Gruppe Nachbarn ein Bürgerbegehren in dieser Sache beantragt.
„Die Anwohner haben Angst vor Strahlen“, weiß auch Pittenharts Bürgermeister Josef Reithmeier. Deshalb habe die Gruppe bereits vorsorglich gehandelt und um ein Bürgerbegehren gebeten. Denn einen konkreten Plan habe es noch nicht gegeben. Der Gemeinderat hat laut Reithmeier nun mehrere Möglichkeiten. Am heutigen Dienstag tagen die Mitglieder und entscheiden über den Sachverhalt.
Die Gemeinde könnte sich dem Bürgerbegehren anschließen und dessen Thema übernehmen. Die Verwaltung könnte eine Bürgerbefragung durchführen, um die Stimmung einzufangen. Denn neben den Gegnern gibt es auch Befürworter des Mobilfunkmasts. „Wir bekommen immer wieder Beschwerden wegen Funklöchern“, sagt Reithmeier.
Der Bürgermeister sieht noch keine Tendenz, wie der Gemeinderat entscheiden wird. „Das ist echt schwierig“, sagt Reithmeier. Er könne den Rat nicht einschätzen. Auch unter den Mitgliedern seien die Meinungen über den Mobilfunkfasten völlig unterschiedlich. Die Gemeinde müsse sich nun intensiv mit dem Thema auseinandersetzen.
Doch dafür müssten die Beteiligten die „momentane Gereiztheit auf die Seite schaffen“. Die Bäuerin, die einen Standort auf ihrem Grund angeboten hat, wird Reithmeier zufolge „massiv angegangen“.
Doch es gibt nicht nur Gegner der Technologie. Der Bürgermeister wird von Landwirten angesprochen, die den Mast wollen. Die Bauern bräuchten die 5G-Technologie zum Bewirtschaften ihrer Felder. Das 5G-Netz wird durch die schnellere Vernetzung von Verkehrssystemen neue Anwendungsmöglichkeiten in der Weiterentwicklung autonomer Fahrzeuge bieten. „Das ist die Zukunft“, sagt Reithmeier. Die Technologie steuere die Landwirtschaftsfahrzeuge automatisch.
Gemeinde kann neuen Standort suchen
Dem Bürgermeister zufolge müsse der Mast auch nicht zwingend in der Nähe eines Wohngebiets stehen. Die Gemeinde könne einen anderen Standort suchen. In der Nähe von Pittenhart gibt es Reithmeier zufolge zwei Mobilfunkmasten.
Der Bürgermeister erwägt, dass die Gemeinde die Masten womöglich nutzen oder dort einen weiteren errichten könnte. Einer bei Seeon und einer im Weitmoos in Eggstätt, rund einen Kilometer von Eschenau in Pittenhart entfernt. Reithmeier wohnt 800 Meter von dem Standort entfernt. „Deshalb bin ich da unbelastet“, sagt er.