Stiftung erinnert an verstorbenen Sohn

von Redaktion

Mensch, Natur und Sport stehen im Mittelpunkt der „Dominik-Wörndl-Stiftung“. Der Aschauer Wolfgang Wörndl spricht über den Verlust seines bei einem Lawinenunglück ums Leben gekommenen Sohnes Dominik, sein soziales Engagement und die Ziele der Stiftung.

Aschau – Was ist wichtig im Leben? Diese Frage hat sich Wolfgang Wörndl (66) nach dem Tod seines Sohnes Dominik gestellt. Am 5. Januar 2018 ist dieser mit seinem Freund Michael Ortner in einer Lawine im Großglockner-Großraum umgekommen. Beide waren 27 Jahre alt. Der Tod der jungen Männer hat die Menschen in der Region erschüttert. „Wenn man ein Kind verliert, lernt man erst, was reine Liebe ist“, sagt Wolfgang Wörndl.

„Die beiden waren
Brüder im Geiste“

Er sitzt an einem Holztisch im Büro seines Forstbetriebs in Grattenbach. Vor ihm liegt ein Ordner. Darin ist die Satzung der „Dominik-Wörndl-Stiftung“ abgeheftet. Wolfgang Wörndl legt immer wieder die Hand darauf und erzählt von seinem Sohn. Er sei gern in der Natur gewesen, oft Ski gefahren und habe viele Freunde gehabt.

Sein Sohn und Michael Ortner seien „sehr gute Sportkameraden“ und „Brüder im Geiste“ gewesen. Es ist Wörndl wichtig, nicht selbst im Vordergrund zu stehen. Er will sich auch nicht fotografieren lassen. Es soll um das gehen, was ihm wichtig ist, Mensch und Natur. Die Stiftung hat Wörndl genau dafür gegründet – und zum Gedenken an seinem Sohn.

An den Erfahrungen, die Dominik Wörndl gemacht hat, soll sich die Stiftung orientieren. „Kinder und Jugendliche, die sich einer team- und leistungssportorientierten Sportart widmen, gehen mit offenen Augen durch die Natur“, heißt es in der Satzung.

Die Stiftung solle dazu beitragen, dass sich Heranwachsende durch Sport in einer intakten Natur zu selbstbestimmten und selbstbewussten Menschen entwickeln – so wie Dominik. „Er hatte feinsensorische Attribute und Respekt vor allen Wesen in der Natur“, sagt Wörndl.

Nach dem Tod seines Sohnes hat sich Wörndl der Spiritualität und dem Buddhismus zugewandt. „Der Buddhismus besagt: Alle Wesen sind beseelt. Auch, wenn es im klassischen Buddhismus keine Seele gibt“, erklärt der Aschauer. Er scheint alle Facetten der Natur zu achten. Bei einem Spaziergang zu seinem Haus deutet Wörndl auf Obstbäume, die er gepflanzt hat. Er präsentiert den Hochstand, auf dem er am Abend Wildtiere beobachtet. Und er zeigt auf die Bienenstöcke neben dem Schuppen. Nach seinem Tod soll das alles der Stiftung gehören: das Haus, der Garten und das Land. Wörndls Familie sei bereits versorgt.

Sein ganzes Leben habe der Unternehmer ein materielles Vermögen aufgebaut. Es scheint, als widme er sich mit der Stiftung nun seinem Vermächtnis – und dem seines Sohnes. Über eine halbe Million – 520000 Euro – stecken in der Stiftung. „Insbesondere soll der Artenschutz von Wildarten in den Alpen unterstützt und gefördert werden“, heißt es in der Satzung.

Nicht nur der Tierschutz, auch der Naturschutz ist ein Ziel der Stiftung. Sie will zudem Rettungsdienste, die ehrenamtlich bei Unfällen helfen, unterstützen. Sportler sollen über Risiken beim Sport und der Bewegung in der Natur aufgeklärt werden – etwa durch Lawinenkunde. Damit Unglücke, wie das der jungen Männer, verhindert werden. „Ich war im Grunde schon immer sozial engagiert“, sagt Wörndl. Seine Eltern hätten ihn in diesem Sinne geprägt. Er sei liberal und naturorientiert erzogen worden. Bei einer Wanderung auf den Ararat – den höchsten Berg der Türkei – habe ein Führer seine Eltern begleitet und es sei eine Freundschaft entstanden.

Seine Mutter und sein Vater hätten Geld gesammelt, damit der Bergführer ein Haus bauen und seine Kinder in die Schule schicken konnte. Selbst die kranke Tochter des Freundes habe die Mutter in der Türkei abgeholt und in die Aschauer Kinderklinik gebracht. Deshalb steht wohl in der Satzung, dass die Stiftung Menschen helfen soll, die unverschuldet in wirtschaftliche Notlagen geraten sind.

Besonders soziale Einrichtungen im Ausland, die sich für die Bewahrung indigener Völker einsetzen, sollen unterstützt werden. Denn bei einer Veranstaltung am Simssee hat Wörndl einen peruanischen Schamanen vom Volk der Queros kennengelernt. Schamanen sind laut dem Aschauer Mediziner, Lehrer, Arzt und Ortsversteher.

Die Begegnung scheint Wörndl geprägt zu haben. Der Schamane lebt Wörndl zufolge in 4000 Metern Höhe – in Steinhütten ohne Fenster. „Das kann man sich nicht vorstellen. Es gibt kein Licht, keine Wärme“, sagt Wörndl. Alpakas und Meerschweinchen seien das einzige Fleisch, das es dort zu essen gebe. Die Menschen fertigten Schuhe aus Autoreifen. Die Jugendlichen würden mit 15 oder 16 Jahren in die Städte ziehen und dort der Trink- oder Spielsucht verfallen. „Was kann man da tun?“, hat sich Wörndl gefragt.

Die Stiftung solle – immer im Dialog mit den Einwohnern – helfen. Etwa mit solarbasierten Heizsystemen, Fotovoltaik-Anlagen auf den Dächern, Duschen und Sanitärräumen oder Geld für einen Lehrer, der die Kinder der Bergvölker unterrichten kann. „Das liegt mir sehr am Herzen“, sagt Wörndl.

Dem Aschauer ist auch der demokratische Ablauf innerhalb der Stiftung wichtig. Er wolle keine Grundsatzentscheidungen ohne den Vorstand treffen. Der besteht Wörndl zufolge aus einem „Mix aus jungen und erfahrenen Menschen“. Dazu gehört Michael Stangl, einer von vier Freunden von Dominik Wörndl in der Stiftung. „Wir kennen uns seit der Kindheit“, sagt Stangl. Für ihn sei es eine Herzensangelegenheit nun für die Stiftung zu arbeiten.

Überzeugt
vom Erfolg

Er wolle seinen verstorbenen Freund in Erinnerung behalten und etwas Gutes für die Menschen tun. „Dem Dominik hätte gefallen, was wir jetzt machen. Der Sport, die Natur und Soziales waren ihm wichtig“, sagt Stangl. Bisher habe er noch nie in einer Stiftung mitgearbeitet. Er sei sich jedoch sicher, dass die Gruppe viele Ideen für die ersten nachhaltigen und soliden Projekte haben werde.

Stangl ist wichtig, dass die Stiftung Menschen jeden Alters unterstützt, nicht nur die Jugend oder Familien. „Ich gehe zu 100 Prozent davon aus, dass wir damit Erfolg haben.“

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