Fassade soll erhalten bleiben

von Redaktion

Ein Haus, das seit 100 Jahren das Nußdorfer Ortsbild prägt, will der Eigentümer abreißen. Weil er statt jetzt vier dort sechs Wohnungen unterbringen möchte. Doch dazu müsste der Gemeinderat den Bebauungsplan ändern.

Nußdorf – Intensiv beschäftigte sich der Gemeinderat mit dem Antrag eines Hauseigentümers auf Änderung des Bebauungsplanes in Nußdorf-Dorf zur Erweiterung eines bestehenden Vierfamilienhauses. Sein Vorhaben ist, ein historisches Gebäude aus wirtschaftlichen Gründen größtenteils abzureißen, um dieses durch einen Neubau zu ersetzen. Dieser soll dann sechs Meter länger werden um Platz für zwei weitere Wohnungen zu bieten.

„Wichtig für
unsere Gemeinde“

„Es handelt sich um ein wichtiges, ortsbildprägendes Gebäude für unsere Gemeinde“, sagte Nußdorfs Bürgermeisterin Susanne Grandauer (CSU/FWG) zu Beginn der Beratung im Gemeinderat und übergab das Wort an die Ortsheimatpflegerin und Gemeinderätin Michaela Firmkäs (Parteifreie Nußdorf). „Von diesem Haus aus wurde seit den 1920er-Jahren das Ortsbild geprägt“, erklärte Michaela Firmkäs. Im Jahre 1899 wurde das Anwesen vom damaligen Nußdorfer Maurer Sebastian Moser und seiner Frau gekauft. 1918 übernahm dessen gleichnamiger Sohn, Maurermeister und Gründer des Nußdorfer Bauunternehmens, das Haus.

„Der Hof wurde 1921 zu seinem jetzigen Aussehen überformt“, so die Ortsheimatpflegerin: „Mit diesem Umbau wurde die Fassade neugestaltet, ein Erker angebaut und die Altane zu den prächtigen Balkonen wurden mit gedrehten Säulen, auf denen hölzerne Schnitzfiguren stehen, besonders gewürdigt. Es entstanden zahlreiche Verzierungen und Bilder am Haus. Für ihn als Bauunternehmer wurde dieses Haus zur Visitenkarte. Dort hat er seine Kunden empfangen und gesagt, schaut her, so baue ich.“

Trotz der inflationären Zeit herrschte laut Firmkäs in den 1920er-Jahren in Nußdorf ein regelrechter Bauboom. Grund dafür war, dass der Steinbach 1905 kanalisiert wurde und damit viel neues Bauland gewonnen werden konnte. So seien in diesen Jahren sehr viele Häuser im Stil von Sebastian Moser entstanden.

Nun soll die Visitenkarte eines ortsansässigen Bauunternehmers aus den „goldenen 20er-Jahren“ des vorhergehenden Jahrhunderts einem Neubau mit sechs Wohneinheiten, in der Größenordnung zwischen 50 und 272 Quadratmetern weichen. Die äußere Fassade und die Balkongestaltung sollen laut Antragsteller an den derzeitigen Bestand im Bauernhausstil angeglichen werden. Weil es sich um ein ortsbildprägendes Gebäude handelt, wurden die problematischen Punkte bereits im vorberatenden Bauausschuss diskutiert. Dort waren sich dessen Mitglieder darüber einig, dass die Gebäudefassade erhalten bleiben soll. Auch mit dem Bau von sechs Wohneinheiten konnte sich der Bauausschuss nicht anfreunden, da maximal fünf Stück zulässig sind. Dazu gibt es in Nußdorf keinen Bezugsfall.

Auch mit dem Nachweis der notwendigen Pkw-Stellplätze haben die Gemeinderäte ein Problem, denn diese sollen auf einem benachbarten Grundstück nachgewiesen werden, das im Bebauungsplan als Streuobstwiese ausgewiesen ist. „Eigentlich wäre das Grundstück so groß, dass an der nördlichen Grundstücksgrenze die Stellplätze entstehen könnten. Ebenso wäre der Bau einer Tiefgarage, wie es in Nußdorf üblich geworden ist, darstellbar“, erläuterte Susanne Grandauer.

Proportionen
verändern sich

Durch die Vergrößerung des Hauses verändern sich außerdem die ohnehin ausgereizten Gebäudeproportionen, was die örtliche Gestaltungssatzung nicht hergibt. Schließlich können die Abstandsflächen nicht eingehalten werden. Aus diesen Gründen lehnte der Gemeinderat den Antrag auf Änderung des Bebauungsplanes Nußdorf-Dorf einstimmig ab.

Artikel 3 von 11