Prutting – Sie wollen unbedingt wieder einen Dorfwirt, die Pruttinger. Den Eindruck konnte man jedenfalls gewinnen, als es am vergangenen Montag im Rahmen des Gemeindeentwicklungskonzeptes um die Frage ging, wie der Ort wieder zu einem Wirtshaus kommen könnte. Das ehemalige Gasthaus zur Post war bis auf den letzten Platz gefüllt. So sehr, dass Besucher gar keinen Sitzplatz mehr fanden, sondern stehen mussten.
Gemeinsinn
ist lebendig
Damit aber war einer Prognose, die Frank-Ulrich John zum Einstieg gab, die Bedrohlichkeit schon genommen: Der Geschäftsführer und Pressesprecher des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes hatte aus verschiedenen Studien zitiert, die einhellig zum Fazit kamen: Stirbt das Wirtshaus, stirbt irgendwann der Ort.
In Prutting aber, das nunmehr schon seit sieben Jahren ohne Gasthaus leben muss, ist Gemeinschafts- und Bürgersinn noch nicht verschwunden, wie der Zulauf an dem Abend bewies.
Dass das aber auch so bleibt – dafür wäre ein Gasthaus durchaus wichtig. Auch das war aus dem Kurzreferat von John zu entnehmen. Er erläuterte, dass in den alten Zeiten nicht selten der Pfarrer zum Abschluss der Messe zum Besuch im Wirtshaus aufrief. Denn die Geistlichkeit, so John, wusste genau: Das Wirtshaus ist der Ort, an dem Arm wie Reich, Jung wie Alt, konservativ oder fortschrittlich an einem Tisch zusammenkommen. Der Zusammenhalt des Ortes über alle Unterschiede hinweg entstand nicht zuletzt hier. Zudem war das Gasthaus ein ganz zentraler Wirtschaftsfaktor im Ort – ist es dort, wo es noch eines gibt, auch heute noch.
Die Gründe für den Niedergang der Wirtshauskultur sind aber vielfältiger, als man gemeinhin annimmt, wie John erläuterte. Es seien nämlich nicht nur Smartphone und Tablet, die die Menschen vom Wirtshausbesuch abhielten: Gerade die jüngere Generation verlange überraschenderweise verstärkt nach einem Wirtshaus als echten Treffpunkt, so John.
Der Trend weg vom Wirtshaus habe andere Gründe: das moderne Arbeitsleben bestehe für die meisten aus Pendeln, wer dann abends nach Hause komme, hätte – gerade wenn nicht mehr ganz jung –- dann oft nur noch wenig Lust, nochmal das Haus zu verlassen. Und wenn doch, dann seien da die Vereinsheime, die nach Sport oder Trachteln auch noch die Möglichkeit zu einem kleinen Ratsch bei einem Bier ermöglichten.
Um die Frage, ob und wie diesen Trends entgegenzuwirken sei, ging es dann im Hauptteil des Abends. Und obwohl es für Stefanie Seeholzer, die das Projekt der Gemeindeentwicklung betreut und begleitet, nicht leicht war, aus der enormen Besucherzahl funktionierende Arbeitsgruppen zu formen, gelang es. Eine der ganz entscheidenden Fragen war, wie oft man bereit wäre, tatsächlich in das zukünftige Wirtshaus zu gehen.
Zweimal im Monat sahen die meisten als realistisch an und noch bedeutsamer: Die Mehrheit konnte sich eine Art Abonnement durchaus vorstellen. Die Idee dabei: Man zahlt zu Anfang des Jahres einen fixen Betrag vorab, den man dann im Laufe des Jahres abisst und -trinkt. Dem Wirt ist damit schon mal eine Grundeinnahme gesichert. Wichtig auch: die anwesenden Vereine zeigten sich bereit, viele ihrer Veranstaltungen ins Wirtshaus zu verlegen.
Ein ganzes Füllhorn von Ideen gab es bei der Frage, welche weiteren Möglichkeiten es gäbe, um das neue Wirtshaus zu einem echten Kommunikationsort zu machen: Stammtische wurden vorgeschlagen, von den Schafkopflern bis zu den Musikern, dazu die Idee, die Chance des Wirtshauses zu nützen, um ganz neue Veranstaltungen zu entwickeln: Etwa ein Repair-Café oder Kochen mit Kindern.
Gemeindechef vom
Zulauf überwältigt
All dies wird natürlich noch weiter besprochen werden müssen, die realisierbaren Ideen von den bloßen Wünschen getrennt. Die Aussicht, dass dies nicht nur erfolgreich, sondern auch zeitnah passiert, ist aber groß: Der Abend zeigte, dass die Pruttinger nicht nur einfach sagen „ein Wirtshaus bräuchten wir schon“, sondern dies wirklich ernst meinen und bereit sind, sich dafür zu engagieren.
Bürgermeister Johannes Thusbaß war von dem großen Zulauf nahezu überwältigt: „Dass Etliche kommen, das hatte ich gehofft und mir gewünscht – dass es dann aber so viele sind, davon hätte ich nicht zu träumen gewagt.“